Auch als Bundestagsabgeordneter a.D. bleibt Uli Petzold nah am politischen Geschehen. Vielleicht wird er auch in der Senioren-Union aktiv. Foto: Archiv

Auch als Bundestagsabgeordneter a.D. bleibt Uli Petzold nah am politischen Geschehen. Vielleicht wird er auch in der Senioren-Union aktiv. Foto: Archiv

06.12.2017

Mehr an Politklamauk interessiert als an sachlicher Information

Glyphosat: Petzold kritisiert Massenmedien und Politiker

Uli Petzold (CDU) ist stinksauer: Der heimische Bundestagsabgeordnete a.D. wirft den meisten Massenmedien vor, mehr am „Politklamauk“ interessiert zu sein als an der seriösen Information ihrer Leserinnen und Leser. Grund für die Verärgerung ist das Rauschen im Blätterwalde nach der jüngsten Entscheidung der EU-Kommission, die Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat zu verlängern, wobei auch der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zugestimmt hatte – gegen den ausdrücklichen Wunsch von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). 

„Natürlich ist Schmidts Verhalten keine vertrauensbildende Maßnahme“, sagt Petzold im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag, „die politische Verstimmung ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Entscheidung für die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der Sache völlig richtig ist, und so haben es auch die meisten anderen Staaten der EU gesehen.“ Das Abstimmungsergebnis: 18 Länder dafür, 9 dagegen bei einer Enthaltung. 

Petzold zählt durch seine jahrelange Arbeit im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages zu den sachkundigen Politikern. Und Sachkunde fehle nicht nur vielen Politikern, meint Petzold, sondern auch zahlreichen Medienmachern – darunter leider auch Schreibende in solchen Medien, die in der Öffentlichkeit als „seriös“ angesehen würden. 

Schon die Bezeichnung des Unkrautvernichters als „umstritten“ und „vermutlich krebserregend“ gehe an der Sache vorbei, weil ungenau und damit so verwirrend für die Bürgerinnen und Bürger, dass viele wieder einmal einen Grund haben, wütend auf „die Politiker“ zu sein, bei manchen Menschen sei der Hass auf Christian Schmidt so extrem geworden, dass der Landwirtschaftsminister nicht nur mit üblen Beschimpfungen, sondern sogar mit Morddrohungen bedacht worden sei. 

 Die Dosis macht das Gift

Die Verwirrung in Teilen der Politik- und Medienwelt sei entstanden, weil der Unterschied in der Systematik von Studien nicht verstanden worden ist, die sich direkt zu widersprechen scheinen, erläutert Petzold: „Die Studie des Internationalen Krebsforschungszentrums IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO kommt zum dem Urteil, wahrscheinlich krebserregend für den Menschen. Dagegen kommt sowohl die Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA als auch des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR zu dem Fazit, dass die Anwendung von Glyphosat kein höheres karzinogenes Risiko aufweist.“ 

Der feine aber in der Wirkung gewaltige Unterschied sei, dass die IARC-Studie nur das grundsätzliche Potential von Glyphosat ohne Mengenbegrenzung bewertet habe, während EFSA und BfR auch die Wirkung bei der Anwendung von in der Landwirtschaft üblichen Mengen berücksichtigt hätten. Einfacher ausgedrückt: „Die Dosis macht das Gift.“

Petzold verweist zum besseren Verständnis auf zwei beliebte Lebenswirklichkeiten: „Ohne Zweifel ist ein Zuviel an Sonnenbaden krebserregend, deshalb kommt aber niemand auf die Idee, das Sonnenbaden oder Bikini und Badehose zu verbieten. Ohne Zweifel ist der Verzehr von zu vielen Rostbratwürstchen krebserregend, aber deshalb werden die Holzkohlengrills nicht verboten!“

In diesem Sinne sei auch ein Zuviel an Glyphosat bedenklich, und deshalb ist auch Petzold dafür, den unnötigen Einsatz dieses Unkrautvertilgers zu begrenzen: „Kleingärtner müssen kein Gift einsetzen, um Fugen und Ritzen oder ihren fast sterilen ‚englischen Rasen’ unkrautfrei zu halten“, meint der Politiker und verweist auf die Möglichkeit, dass trotz der grundsätzlichen Glyphosat-Zulassung nationale Regelungen möglich seien. Deshalb habe die künftige Bundesregierung durchaus eigene Spielräume. 

Diskussionswürdig sei zum Beispiel auch der Vorschlag des Umweltbundesamtes, in der Landwirtschaft bestimmte Flächen unbehandelt zu lassen, damit dort Wildkräuter als Nahrungsquelle für Vögel und Insekten wachsen können. „Nachdenken ist auch beim Thema Glyphosat besser als politischen Klamauk zu veranstalten“, zieht Uli Petzold ein vernünftiges Fazit. Das scheint inzwischen auch die zunächst verärgerte Umweltministerin Barbara Hendricks so zu sehen: Sie ließ verlauten, die verschiedenen Meinungen mit Landwirtschaftsminister Christian Schmidt „kollegial“ besprechen zu wollen.





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