Hanna Kasparick ist seit 2005 Direktorin des Evangelischen Predigerseminars in Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

Hanna Kasparick ist seit 2005 Direktorin des Evangelischen Predigerseminars in Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

02.12.2017

Tag der offenen Tür mit der Forschungsbibliothek am 9. Dezember

Das Evangelische Predigerseminar ist ins Wittenberger Schloss eingezogen

Wittenberg (wg). Anfang September zog das Evangelische Predigerseminar ins Schloss ein, das in einem langwierigen Prozess von 2013 bis 2017 umfassend saniert wurde. „Wir haben hier hervorragende Arbeitsbedingungen, so dass sich rückblickend alle Mühen gelohnt haben“, erklärt Hanna Kasparick, seit 2005 Direktorin des Predigerseminars. 

Wahrhaft herausgeputzt hat sich das Wittenberger Schloss zum Reformationsjubiläum. Insbesondere von der Hofseite aus wird nun offensichtlich, dass Schloss, Schlosskirche und neuer Südflügel eine Einheit bilden, trotz unterschiedlicher Entstehungszeiten. „Beim Blick von oben erhält der Betrachter eine Anmutung von der alten Kubatur des Schlosshofes, mit dem neuen Südflügel wurde eine 200 Jahre währende Wunde geschlossen“, sagt Kasparick. 

Wenn die Direktorin des Predigerseminars aus dem Büro ihres Fensters schaut, blickt sie auf den westlichen Wendelstein und dürfte damit eine ähnliche Perspektive genießen wie damals Kurfürst Friedrich der Weise. Von anderen Stellen des Dachgeschosses blickt man Richtung Elbaue und Dübener Heide, auf den Turm der Schlosskirche oder die Türme der Stadtkirche. 

Sieben Kuben wurden auf dem Dach, dort, wo sich früher die Jugendherberge befand, eingerichtet als Arbeitsräume für das Predigerseminar, unter anderem Bibliothek und Lesesaal, Büros für die Direktorin und Dozenten, Kollegienraum und Seminarräume und die Aula/Kapelle. Hier beginnen und beenden die Vikare und Dozenten alle Veranstaltungen, hier finden Chorproben und Sonntagsvorlesungen statt und die Schlosskirche nutzt diesen Ort als Winterkirche. 

 Luthers bohrende Fragen

Die Innenausstattung der Kapelle mit Altar, Pult, Taufbecken und Leuchter wurde gefördert vom Verein Ausstellungshaus für Christliche Kunst e.V. in München. Die Objekte hat der Münchener Bildhauer Werner Mally geschaffen. Der aus massiver Birke bestehende Altar wurde innen ellipsenförmig ausgehöhlt, durch Löcher blickt der Betrachter ins Innere. „Der Altar symbolisiert Luthers bohrende Fragen, die auf die Mitte des Glaubens zielen“, so Kasparick. Aus der Aushöhlung des Altars entstand das Taufbecken. 

Die bewusste Schlichtheit der Kapelle/Aula setzt den Kontrapunkt zur bisweilen programmatisch überladen wirkenden Schlosskirche. Die sogenannten Muschellampen an der Decke sorgen für ein warmes und weiches Licht und wurden vom Verein „Freundeskreis Luther“ gespendet. Senkrecht über dem Altar befindet sich eine Mulde, hier muss noch eine farbige Glasplatte eingesetzt werden, welches dem zentralen Altarbereich eine ganz besondere Wirkung verleihen wird. 

Alle Kuben und die Aula/Kapelle sind durch einen Gang verbunden, der einem Kreuzgang nachempfunden wurde, der durch West- und Südflügel führt. Der Gang mit seinen vorgezogenen Fensterbänken lädt zum Verweilen ein, gleichzeitig haben die Architekten damit das Lichtproblem gelöst. Die Materialität ist sparsam und vermittelt die Kargheit einer ehemaligen Klosteranlage: eingesetzt wurden Eichenholz, Sichtbeton, gefärbter Gussasphalt und Glas. Entlang des Kreuzgangs befinden sich kleine begrünte Innenhöfe, die zur Muße genutzt werden können.

220.000 Titel 

Insgesamt 33,8 Millionen Euro sind in das Schloss investiert worden. Das Erdgeschoss dient als Besucherempfang für die Schlosskirche und beherbergt die Ausstellung Christliche Kunst. Am 7. Dezember werden mit zeitlicher Verzögerung die Räume im ersten und zweiten Obergeschoss an die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek übergeben, der Starkregen im Sommer vergangenen Jahres hatte den Planern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Voraussichtlich im Januar kann mit der Unterbringung der circa 220.000 Titel begonnen werden, die aus den Bibliotheksbeständen des Predigerseminars und der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt stammen. 

„Wenn auch die Forschungsbibliothek eingezogen ist, wird es einen Festakt geben, mit dem die endgültige Umsetzung der 2009 getroffenen Rahmenvereinbarung gefeiert wird“, berichtet Kasparick. Mit der Rahmenvereinbarung wechselte das Augusteum an die Stiftung Luthergedenkstätten und das Predigerseminar kam bis zur Fertigstellung von Südflügel und Schloss in der Interimszeit in die Cranachherberge und der Jugendherberge unter. 

Hinweis:

Das Evangelische Predigerseminar und die Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek laden ein zu einem Tag der offenen Tür in ihre neuen Räumlichkeiten im Wittenberger Schloss am Samstag, dem 9. Dezember von 13 bis 16 Uhr. Zu besichtigen sind die Ebenen 3 und 4 sowie das Besucherzentrum. Der Zugang erfolgt vom Schlosshof über den zentralen Besuchereingang des Schlosskirchenensembles. Auch der ehemalige Wohnraum Friedrichs des Weisen im Südturm mit seinem neu geöffneten Ausblick in die Elbaue wird zugänglich sein.




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