Eddie Huth, Matthias Monecke und Madlen Züchner. Foto: Wolfgang Gorsboth

Eddie Huth, Matthias Monecke und Madlen Züchner. Foto: Wolfgang Gorsboth

01.12.2017

Das Augustinuswerk in Wittenberg setzt auf Inklusion

3.12.: Internationaler Tag für Menschen mit Behinderungen

Wittenberg (wg). Filme werden beim freitäglichen Pressegespräch mit Oberbürgermeister Torsten Zugehör eher selten gezeigt, diesmal aber gab es einen siebenminütigen Streifen mit dem Titel „Eddies Reise durch das Augustinuswerk“, mit dem die Zuschauer auf unkonventionelle Weise ganz unterschiedliche Bereiche der Einrichtung kennenlernen wie Werkstatt, Wohnen, Kinderbetreuung und Altenpflege. 

Eddie Huth, Hauptakteur des Films, war mit Augustinuswerk-Vorstand Matthias Monecke und Madlen Züchner (Öffentlichkeitsarbeit und Leiterin der Werbeagentur Ideenreich) zu Gast beim Pressegespräch. Anlass ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember, der 1993 von der UN als Gedenk- und Aktionstag ausgerufen wurde mit dem Ziel, das öffentliche Bewusstsein für die Herausforderungen, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind, wach zu halten.

Eddie Huth wohnt im Haus „Klara“ und arbeitet in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, der lebenslustige 51-Jährige möchte mit seiner Freundin zusammenziehen. Aus Sicht Moneckes ein erfüllbarer Wunsch, hat doch der Gesetzgeber mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) einen ersten und wichtigen Schritt in Richtung Inklusion unternommen. 

Mit diesem Gesetz soll die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen gestärkt, diese aus dem bisherigen „Fürsorgesystem“ in eine am persönlichen Bedarf orientierte Eingliederungshilfe überführt werden. Mit dem Modellprojekt „Intensiv ambulant betreutes Wohnen“ kann das Augustinuswerk den Wunsch von Eddie Huth umsetzen.

„Wir werden in Zukunft viel Geld investieren, um Inklusion zu ermöglichen“, betont Monecke. Dazu liefen derzeit Gespräche mit Investoren, die Rede ist von circa fünf Millionen Euro allein nur für Wittenberg. „Niemand wird aus den Wohnheimen rausgeworfen, jeder Klient hat ein Wunsch- und Wahlrecht“, so Monecke, „es wird jeder Einzelfall betrachtet, dabei Betreuer und Sozialamt einbezogen.“ 

Zur Inklusion gehört auch, Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, dabei handelt es sich um Klienten, die für Tätigkeiten in der Werkstatt für behinderte Menschen zu leistungsstark, für die freie Wirtschaft zu schwach sind. Auf circa 300 Personen im Landkreis trifft dies zu, für sie will das Augustinuswerk weitere Integrationsbetriebe gründen, dort arbeiten je zur Hälfte Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen. 

So hat die Stiftung Augustinus den Diakoniehof in Rackith übernommen (der Wittenberger Sonntag berichtete), dort sollen Arbeitsplätze für 12 Personen geschaffen werden. Der Diakoniehof bekommt auch einen Standort in Wittenberg in den Gewächshäusern von Petite Fleur, wo der Integrationsbetrieb Biogemüse anbauen und auch verkaufen wird. 

„Wir wollen den Willen der behinderten Menschen in den Mittelpunkt stellen und so die Inklusion in Stadt und Kreis Wittenberg voranbringen“, erklärt Monecke. Dabei seien auch ältere Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen, die das Rentenalter erreicht haben: „Eine automatische Unterbringung in Altenpflegeheimen wie bislang ist nicht zielführend.“ Auch hier müsse über Alternativen wie betreute Wohngemeinschaften und spezielle Tagespflegeangebote nachgedacht werden.




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