01.12.2017

Wittenberger Sonntag liest die Kieler Nachrichten

Widerstand gegen den Reformationstag als Feiertag in Schleswig-Holstein

Kiel (ots) - Überlegungen von CDU und SPD, in Schleswig-Holstein den Reformationstag zum neuen gesetzlichen Feiertag zu machen, stoßen auf neuen Widerstand. Katholiken, Juden und Muslime plädieren für einen konfessionsübergreifenden Feiertag. 

Prominentester Kritiker ist der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, wie die Kieler Nachrichten (Freitagausgabe) berichten. "Ich tue mich mit dem Reformationstag als dauerhaft gesetzlichem Feiertag sehr schwer", sagte Heße der Zeitung. "Dieses Datum schmerzt, weil es eben auch die Spaltung der Christen markiert." 

Walter Blender, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden, sagt: "Der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag wäre für uns überhaupt nicht in Ordnung." Ihm sei zum 500. Jahrestag sauer aufgestoßen, dass Martin Luther an manchem Ort "wie ein Messias" auf ein Podest gehoben worden sei. Oft werde zudem verschwiegen, dass Luther auch eine antisemitische Schrift verfasst habe.

Fatih Mutlu von der Islamischen Landes-Religionsgemeinschaft Schura sieht Gesprächsbedarf vor allem mit der evangelischen Kirche. "Ein interkultureller oder interreligiöser Tag, von dem sich alle Religionsgemeinschaften angesprochen fühlen, wäre ein schönes Entgegenkommen." 

Der evangelische Bischof Gothart Magaard betont in dem Bericht dagegen, die Reformation habe "nicht nur die Kirche, sondern unsere ganze Gesellschaft erneuert". Insofern böte ein gesetzlicher Reformationsfeiertag über die Grenzen von Konfessionen und Religionen hinaus "eine gute Gelegenheit, gemeinsam über Werte und Überzeugungen nachzudenken, die unsere Gesellschaft prägen - darüber, wo heute bei uns Erneuerung notwendig ist".





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