22.10.2017

zum Klartext „Schon einen Schritt weiter“ vom 7. 10. und Leserbrief

Nicht schweigen – nicht wegschauen: Paroli bieten!

Sehr geehrter Herr Marchewka, 

 die letzten beiden „Klartexte“ haben mich beeindruckt. Hervorragend finde ich als Ausdruck der Demokratie, dass Sie den Beitrag des Herrn Tino Engelhardt abgedruckt haben. Damit lässt er die Katze aus dem Sack und – auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil – hat er sich selbst ans Bein gepinkelt. 

Sie konnten viele Bürger mit Ihrer Antwort mal richtig aufklären, was so hinter den vielen Kürzeln des verdeckten Sprachgebrauchs dieser ewig Gestrigen versteckt ist. Auch ich habe Vieles nicht gewusst. 

Das Geschehen um die tragischen Ereignisse am Arsenalplatz bedaure auch ich sehr. Aber welches Gedankengut im Kopf eines AfD-Stadtrates herrscht, der während noch laufender Ermittlungen eine Gedenkminute für den Verstorbenen verlangt, lässt doch Erschreckendes vermuten.

Wenn man dann den Beitrag von Herrn Engelhardt liest, springt einem doch die Nazibrut mitten ins Gesicht. Ich hatte einen Bruder, der als Schüler 1944 zur Verteidigung von Berlin eingezogen wurde. Sein Freund wurde von dessen Eltern versteckt. Die Waffen-SS fand ihn im Keller und erschoss ihn im Beisein der Eltern. Und dann schreibt so ein Nazi wie Herr Engelhard von so genanntem deutschen Gut – ich muss mich vor Ekel übergeben. Sein Artikel sprüht doch vor Hass, der kaum noch zu übertreffen ist. 

An dem Tag, als Bundespräsident Steinmeier im Sommer auf dem Markt sprach, war auch ich dort. Als ich über den Arsenalplatz nach Hause fahren wollte, zog gerade eine Polizeistaffel, aus zehn Mannschaftswagen bestehend, in Richtung Jüdenstraße – unter dem Beifall klatschender und Nazi-Parolen grölender junger Männer ab. 

Als es ruhiger wurde, fuhr auch ich vom Platz, an der aus etwa zehn Mann bestehenden Gruppe vorbei. Im Vorbeifahren hörte ich: „Hee Männer, wollen wir den Krüppel mal aufklatschen!“ Ich drehte mein Fahrzeug um, stand fünf jungen Männern gegenüber, nahm meinen Gehstock aus der Halterung und konfrontierte sie: „Erstens bin ich kein Krüppel, sondern ein anständig erzogener und angezogener Mensch wie viele andere behinderte Menschen und zweitens halte ich euren Angriff auf einen behinderten Menschen für derart feige, dass mir übel wird.“

Vier von denen hatten scheinbar mit meiner Reaktion nicht gerechnet, waren sichtlich erschrocken und begannen, sich langsam zurückzuziehen, nur der etwa 30 Jahre alte Mann blieb stehen und schaute mich mit derart hasserfüllten Augen an, dass ich selbst erschrocken war. Die Situation eskalierte nicht weiter, weil die anderen ihn in ihre Mitte nahmen und den Platz verließen. 

Nachdenklich stimmt mich das Verhalten der im Stadtrat vertretenen Parteien. Warum muss erst unser Oberbürgermeister, Herr Zugehör, diese zu einer Stellungnahme zu den tragischen Ereignissen auf dem Arsenalplatz auffordern? Gilt nicht für Alle: „Nicht schweigen – nicht wegschauen: Paroli bieten: Ich fordere alle Stadträte(innen) auf, dies zu tun, schließlich haben wir sie auch zur Verteidigung unserer Demokratie gewählt! 

Lieber Herr Marchewka: weiter so und nicht unterkriegen lassen! 

Mit herzlichen Grüßen Ihr Prof. h. c. Klaus Götz aus Wittenberg




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