22.10.2017

zum Klartext vom 7. 10. 2017, „Schon einen Schritt weiter“

Überlassen Sie das Feld nicht den paar üblen Zeitgenossen

Sehr geehrter Herr Marchewka, 

 ich melde mich als eine Ihrer regelmäßigen Online-Leserinnen aus Wittenbergs Partnerstadt Göttingen zu Wort. In Ihrem Klartext „Schon einen Schritt weiter“ und in den darauf folgenden Leserbriefen ging es u. a. um ein Zitat aus unserer schönen Universitätsstadt, an das ich mich tatsächlich noch erinnern kann, obwohl es schon lange her ist, dass es zu lesen war, nämlich anlässlich eines Naziaufmarsches im Jahr 2005: „Liebe Ausländer, lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein“.

Angesichts der hasserfüllten, ausländerfeindlichen Kommentare rund um die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Tod eines jungen Mannes auf dem Platz vor dem Arsenal scheint das Zitat heute aktueller denn je zu sein. Göttingen ist eine international renommierte Universitätsstadt und Wittenberg ist spätestens seit den Reformationsfeierlichkeiten im diesjährigen Lutherjahr eine weltoffene, gastfreundliche Stadt mit internationalem Bekanntheitsgrad. So habe ich Wittenberg jedenfalls kennengelernt, als ich anlässlich der Weltausstellung dort zu Besuch war und auf viele aufgeschlossene, freundliche, offene Wittenberger traf. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass in dieser Stadt hinter den schmucken Fassaden ein brauner, hasserfüllter Mob zu Hause sein soll, der sich an den Grundpfeilern unserer Demokratie zu schaffen macht.

 Ich habe mich gefragt, in welcher Art und Weise man umgehen sollte mit diesen Leuten, für die Ausländer Menschen zweiter Klasse sind und die nicht verstanden haben, dass es kleingeistiger Humbug ist, Weltoffenheit und offene Grenzen gegen engstirnigen Nationalismus zu tauschen. Meine Überlegung ist: Vielleicht sollten wir ihnen nicht so viel Raum geben für ihren Hass, denn damit nehmen wir sie wichtiger als sie sind und geben ihnen eine Bühne, die ihnen nicht gebührt, kein einziges Gramm Aufmerksamkeit haben sie und ihr Hass verdient.

Möglicherweise bestätigen wir die Rechten nur noch in ihrem Denken und Tun. Wenn ihr Hass jedoch ins Leere läuft, wird er vermutlich über kurz oder lang unterbleiben. Ich würde allerdings ganz klar erwarten, dass es diejenigen, die zu Straftaten aufrufen, die volksverhetzende Parolen dreschen, den Nationalsozialismus verherrlichen und mit ihrem Hass den Boden des Grundgesetzes verlassen, mit dem Rechtsstaat und der unabhängigen Justiz zu tun bekommen. 

Wer zu feige ist, im Internet unter seinem echten Namen zu veröffentlichen, sollte für die sozialen Netzwerke für alle Ewigkeit gesperrt werden. 

Was mich aber als Freundin der Lutherstadt Wittenberg und ihrer Bürger mindestens ebenso stark beschäftigt: Wo sind denn die vielen anständigen, aufgeschlossenen, weltoffenen Wittenberger Bürger, die ich getroffen habe? Warum erheben nicht sie ihre Stimme, sondern nur diese Leute, die nichts anderes als Wut und Hass verbreiten wollen?

Sind die anständigen Wittenberger schon zu eingeschüchtert und trauen sich nicht mehr? Ich kann nur dringend appellieren: Überlassen Sie das Feld nicht den paar üblen Zeitgenossen, die aus der Geschichte nichts gelernt haben und die die Chancen einer internationalen Gesellschaft nicht erkennen. Reagieren Sie mit Gegenwehr und melden Sie sich zu Wort, bevor es zu spät ist! 

Mit freundlichen Grüßen 

Sybille Holzkamp aus der Partnerstadt Göttingen.




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