16.09.2017

Wittenberger Sonntag liest die Allg. Zeitung Mainz

Die AfD ist keine Alternative für Deutschland

Mainz (ots) - "Man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird" - dieser Satz fällt in jeder Redaktionskonferenz bei der Frage, ob man über den neuesten Wahlkampfeklat - oft geht es dabei um die AfD - berichten sollte. So haben wir etwa nur sehr kurz den Abgang der AfD-Spitzenkandidatin aus einer Talkshow thematisiert. Denn man sollte tatsächlich nicht jeder offensichtlichen Inszenierung Raum verschaffen. (Das gilt übrigens auch für die Inszenierungen anderer Parteien.) 

Manchmal allerdings darf man nicht schweigen, dann muss man deutlich sagen, wenn eine Grenze überschritten wird. Die Sätze von Alexander Gauland zur deutschen Vergangenheit, "diese zwölf Jahre", die uns heute nicht mehr beträfen, und dass man auch mal stolz sein dürfe auf die Taten in zwei Weltkriegen, sind unsäglich. 

Wer im heutigen Deutschland aufgewachsen ist, kann nichts für vergangene Taten. Aber er hat die Verantwortung dafür, dass sich diese niemals wiederholen, und zu dieser Verantwortung gehört die stete Erinnerung. Der Zivilisationsbruch des Holocaust wird deshalb für immer zur deutschen Identität gehören. 

Gauland ist kein Prolet, sondern ein gebildeter Mann; er verhöhnt willentlich und wissentlich die Opfer des Nationalsozialismus. Das ist widerlich. Es gibt sehr viele AfD-Wähler, die mit Rechtsextremen nichts zu tun haben wollen. Sie müssen den Widerspruch aushalten, dass führende AfD-Vertreter rechtsextrem argumentieren und um Neonazis werben. 

Die Dresdner Rede von Björn Höcke etwa hätte so auch - man muss dazu nur die Namen der Beschimpften austauschen - von Nazis im München der 20er Jahre gehalten werden können. Gauland, ein Björn Höcke in alt, würde heute mit seinen Sprüchen auf jeder NPD-Demo bejubelt. 

Man muss es so deutlich sagen: Die AfD ist keine Alternative für Deutschland. Sie ist eine Alternative für Neonazis, die nun nicht mehr die dahinsiechende NPD wählen müssen, um eine parlamentarische Vertretung zu bekommen. 

Wer die AfD wählt, dem muss klar sein, mit wem er sich gemein macht.





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