Der parteilose Bürgermeister Torsten Zugehör tritt im Februar als Kandidat für das Amt des Wittenberger Oberbürgermeisters an. Foto: Wolfgang Marchewka

Der parteilose Bürgermeister Torsten Zugehör tritt im Februar als Kandidat für das Amt des Wittenberger Oberbürgermeisters an. Foto: Wolfgang Marchewka

10.12.2014

Zweiter Mann im Rathaus möchte Oberbürgermeister werden

Torsten Zugehör tritt an

Wittenberg (wg). Seit dem 2. Januar 2009 ist Torsten Zugehör parteiloser Bürgermeister der Lutherstadt Wittenberg, am 22. Februar 2015 kandidiert er für das Amt des Oberbürgermeisters. Eckhard Naumann (SPD) geht nach 25 Jahren im Amt in den verdienten Ruhestand.
„Es ist für mich eine große Ehre, für meine Heimatstadt tätig zu sein und den Weg Richtung Reformationsjubiläum 2017 mitgestalten zu können“, erklärt der bekennende Wittenberger im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag.
Die große Herausforderung bestehe darin, die ausgewogene Balance zu finden: „Wir sind nicht nur Lutherstadt, sondern auch ein bedeutender Chemiestandort sowie eine ganz normale Stadt mit allen ihren alltäglichen Aufgaben und Problemen“, betont Zugehör. 2017 und Alltag verlangten gleichermaßen Kraft und Engagement. Ob die neue Förderrichtlinie für Vereine, Museumskonzeption, Feuerwehr, Fußgängerzone oder die Gründung eines kommunalen Eigenbetriebs für Bildung – in seinem Geschäftsbereich hat der parteilose Jurist nicht nur eine deutliche Handschrift hinterlassen, sondern mit Blick auf Stadtrat und Öffentlichkeit auch für mehr Transparenz gesorgt.

Heiße Eisen anpacken

Mit OB Naumann bildet(e) Zugehör ein Tandem: „Wir fahren gemeinsam, in die Pedale treten muss jeder selber.“ Dabei hat sich Zugehör nicht gescheut, Themen anzufassen, die seit Jahren in der Schublade schlummerten, wie zum Beispiel die Neustrukturierung der Feuerwehr. Als er bei seinem Amtsantritt 2009 das Rinke-Gutachten zur Feuerwehr von 2006 entdeckte, nahm er dies als Arbeitsauftrag. Mit der Stellungnahme der Wittenberger Wehr reicht die erste Akte indes bis 1991 zurück, der Schriftverkehr mit SKW begann 1993.
Dass Zugehör dieses von allen Vorgängern gemiedene heiße Eisen anpackte, bedeutete nicht nur jede Menge Arbeit und Stress, sondern auch Mut: Wäre er als Bürgermeister an der großen Aufgabe gescheitert, hätte ihm dies den Kopf gekostet. Am Ende hat der Bürgermeister das Dauerthema gemeinsam mit SKW zu einem für beide Seiten guten Ergebnis geführt, eine typische Win-Win-Situation.
Die hauptamtliche Wachbereitschaft und die Werkswehr von SKW mit ihrer Topausbildung und -ausrüstung werden an einem optimalen Standort auf dem Werksgelände zusammengeführt. Dies bedeutet eine zukunftsfähige strategische Neuausrichtung, so dass auch künftig alle Schutzaufgaben der Wehr zu für den Stadthaushalt bezahlbaren Konditionen erfüllt werden können.

Wettbewerb mit KommBi

Auch bei der zweiten großen Aufgabe bedurfte es eines langen Atems und galt es, zahlreiche Widerstände und Bedenken zu überwinden: Die zum 1. Januar 2014 erfolgte Bildung eines Eigenbetriebs Kommunale Bildungseinrichtungen (KommBi), in dem elf Kitas, acht Grundschulen und die Stadtbibliothek zusammengefasst sind. „Eine Verwaltung ist nicht dazu da, alles los zu werden, was Arbeit macht und Geld kostet, sondern wir sind für die Bürger da“, sagt Zugehör.
Die Stadt sei per Gesetz verpflichtet, Kinderbetreuung zu gewährleisten, mit Einführung des Kinderförderungs-Gesetzes (KiFöG) sei vom Gesetzgeber Wettbewerb ausdrücklich gefordert. „Mit KommBi stellen wir uns offensiv diesem Wettbewerb, indem wir im ausgewogenen Verhältnis Kitas in freier und städtischer Trägerschaft mit ihren jeweiligen Profilen vorhalten, davon profitieren Kinder und Eltern“, so Zugehör. Mit dem Eigenbetrieb gehe man einen innovativen Weg, mit dem Ziel, die Bildungsqualität zu verbessern.
Auch bei der Museumskonzeption sei man auf einem guten Weg: „Wir haben von Anfang an auf Dialog gesetzt und Anregungen aus der Bürgerschaft aufgenommen.“ Unter anderem sei für die Sammlung Riemer nunmehr eine ganze Etage vorgesehen, und auch die Fläche für Sonderaustellungen im Erdgeschoss habe man auf Wunsch vergrößert. „Wir haben alle Konzepte ins Internet gestellt und werden die Rückmeldungen aus der Bürgerschaft öffentlich diskutieren“, kündigt Zugehör an und betont: „Wir haben ein solides Konzept, dass es in Detailfragen unterschiedliche Auffassungen gibt, ist normal, aber niemand kann absolute Deutungshoheit für sich allein beanspruchen.“
Die Organisationshoheit der Verwaltung liegt beim OB, hier   
will Zugehör die bisherigen Strukturen hinterfragen: „Die Geschwindigkeit der Kommunikation hat sich erhöht, Entscheidungsprozesse werden immer kürzer.“ Darauf müsse die Verwaltung reagieren. Er könne sich zudem vorstellen, dass künftig das strategische Geschäft (Finanzen, Bauen, Stadtentwicklung) beim OB liege, während sich der Bürgermeister um das operative Geschäft (Service) kümmere.
Von allen Fraktionen im Stadtrat bekommt Zugehör Unterstützung für seine Kandidatur, parteilos will er auch in Zukunft auf jeden Fall bleiben: „Es geht um die Sache und nicht um Ideologie. Bei Abstimmungen im Stadtrat sind nicht knappe, sondern breite Mehrheiten gefragt, die nach außen strahlen.“

ZUR PERSON

Torsten Zugehör wurde am 24. März 1972 in Wittenberg geboren, er ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach Abitur mit Berufsausbildung zum Fach-arbeiter für BMSR-Technik im Stickstoffwerk, absolvierte er seinen Zivildienst im Augustinuswerk und studierte von 1992 bis 1998 Rechtswissenschaften am der Uni Leipzig. Am Lehrstuhl von Professor Dr. Seebode war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.
Nach der zweiten Juristischen Staatsprüfung 2001 arbeitete er in einer Wittenberger Anwaltskanzlei, anschließend in verschiedenen Leitungsfunktionen beim Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement sowie als Sachgebietsleiter am Finanzamt Leipzig. Sowohl an der Akademie für öffentliche Verwaltung des Freistaates Sachsen als auch an der Bundesfinanz-akademie für Führungskräfte des höheren Dienstes absolvierte er weiterqualifizierende Lehr-gänge und Studien. Zugehör war persönlicher Referent von Leipzigs Bürgermeister Uwe Albrecht.





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