08.06.2017

Judensau entfernen? Nicht mehr als Polemik!

Mit Erschütterung habe ich Berichte über Forderungen des Entfernens des wenigstens 700 Jahre alten Relief „Judensau“ an der Stadtkirche St. Marien zur Kenntnis genommen.   Die Stadtkirche St. Marien ist das älteste Gebäude der Lutherstadt und zählt zu den UNESCO-Welterbestätten, auch mit dieser Darstellung.   

Die Evangelische Stadtkirchengemeinde ist Eigentümer des Grundstücks. Sie darf jedoch keineswegs, selbst nicht aus wohlgemeinten Motiven, mit dem Kirchengebäude verfahren, wie sie will. Ihr sind nach Art. 14 Abs. 2 Satz 2 GG eindeutig durch geltendes Recht Grenzen gesetzt, diesen Teil des Welterbes der Menschheit zu verändern. Sie zu drängen, die Plastik zu entfernen, ist also nicht mehr als Polemik.

Auch und gerade die „Judensau“ ist ein gewichtiges Zeugnis, dass Antisemitismus nicht nur eine 12 Jahre andauernde Erscheinung war, sondern auch in unserer Stadt leider eine viele Jahrhunderte währende schlimme Tradition hatte. Diese Darstellung ist heute kein Sinnbild, welches die fast ein Jahrtausend währende Judenverfolgung billigt oder die Shoah herabsetzt, sondern im Gegenteil Mahnung, so etwas nie wieder aufleben zu lassen.   

Dieses Zeugnis der Geschichte zu entfernen, wäre also im Kleinen nichts anderes, als was mit den Ruinen im syrischen Palmyra, den syrischen Städten Aleppo und Damaskus und der malische Oasenstadt Timbuktu geschehen ist.     

Niemand hat also das Recht, auch nicht aus wohlgemeinter Political Correctness, sich zerstörend an einem solchen Sachzeugnis des Welterbes zu vergreifen. Sprechverbote und Tabus bestimmen immer mehr den öffentlichen Diskurs, obwohl es im Artikel 5, Absatz III des Grundgesetzes ausdrücklich heißt: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Oder doch, wie man aus der Forderung der Denkmalschändung folgern könnte?   Die Kritik an dieser Darstellung des Antisemitismus ist jedoch eine wertvolle Anregung, dieses Relief und seinen historischen Hintergrund der Öffentlichkeit noch besser zu erklären als bisher.   Roland Kurz, Lutherstadt Wittenberg




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