Heidemaler Wolfgang Köppe, Udo Reiss (l.), Ortsbürgermeister von Tornau und Axel Mitzka, Vorsitzender des Vereins Dübener Heide. Foto: Wolfgang Gorsboth

Heidemaler Wolfgang Köppe, Udo Reiss (l.), Ortsbürgermeister von Tornau und Axel Mitzka, Vorsitzender des Vereins Dübener Heide. Foto: Wolfgang Gorsboth

16.07.2016

XVII. Internationaler Holzskulpturen-Wettbewerb in Tornau

Kunst mit der Kettensäge

Tornau (wg). Kettensägen kennen die meisten Menschen nur als lautes Werkzeug aus der Forstwirtschaft, dass man damit auch Kunst machen kann, beweist man in Tornau am letzten Juliwochenende zum 17. Mal. Denn dann treffen sich 39 Künstler aus ganz Deutschland sowie der Ukraine, der Schweiz, Litauen, Dänemark und Österreich zum Wettbewerb „Kunst mit Kettensägen“ mitten im Naturpark Dübener Heide.

„Es ist der erste Wettbewerb, der ohne Engländer stattfindet“, bedauert Köppe, „das hat aber nichts mit dem Brexit zu tun, sondern mit nicht bewilligten Fördermitteln.“ 

Der 90-jährige Künstler ist der Initiator des Wettbewerbs, der zur Jahrtausendwende seine Premiere erlebte, indes eine Vorgeschichte hat: Kurz nach der Wende beschritt Köppe neue Wege, unter anderem lud er Studenten aus England in das 600-Seelen-Dorf zu Kunstlehrgängen ein. Dabei wurde auch viel mit Holz gearbeitet, zunächst aber nur mit traditionellen Werkzeugen wie Beitel und Schnitzmesser.

„Dann kam die Idee, es einmal mit Kettensägen zu probieren“, erinnert sich Köppe. „Alle neuen Ideen müssen erst einmal reifen, vor allem in den Köpfen der jungen Künstler.“ Das aus einer Ulme von englischen Studenten mit der Kettensäge gestaltete Einhorn markiert für Köppe den „geistigen Anfang“ des Holzskulpturen-Wettbewerbs. Weitere Skulpturen entstanden und fanden ihren Platz auf der großen Wiese am Wanderweg, Einheimische und Besucher waren begeistert und im Sommer 2000 fand der erste Holzskulpturen-Wettbewerb mit Kettensägen an Weichers Mühle im Hammerbachtal statt.

Obwohl es diese Mühle so gar nicht mehr gibt, ist sie zum Symbol für den Wettbewerb und für den Künstler Köppe geworden: „Das zeugt von Tradition.“ Tradition im Sinne des Bewahrens prägt auch die Philosophie des Wettbewerbs, insbesondere den Umgang mit Baumstämmen, totem Holz, das durch die Kunst zu neuem Leben erwacht. Dies untersetzt Köppe jedes Jahr durch einen neuen Lebensspruch, der das wechselseitige Verhältnis von Baum und Mensch reflektiert, heuer: „Bäume verbinden Generationen.“

Für Köppe ist die Liebe zum Baum als Symbol allen Wachstums und zum Holz Grundlage des Wettbewerbs: „Kein Werkstoff ist so sehr als Gottes Geschöpf zu betrachten und zugleich schöpferisch zu behandeln wie das Holz.“ Entsprechend intensiv ist des Künstlers Beziehung zur waldreichen Dübener Heide, und zu den Menschen, die hier leben. „Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden“ hat der Dichter Erich Kästner einmal gesagt. Auch Köppe betrachtet Bäume als mitteilsames Gegenüber, als Bildhauer entlockt er dem toten Baum neues Leben.

5.800 Euro für den Naturschutz

Kunst mit Kettensägen ist kein Event mit Kurzzeitwirkung, vielmehr entsteht Bleibendes. Im vergangenen Jahr wurde ein Teil der neu geschaffenen Skulpturen versteigert, der Erlös in Höhe von 5.800 Euro kam dem Naturschutz- und Heimatfonds zugute, mit dem unter anderem Mikroprojekte im Naturpark gefördert werden.

Das Programm

Das von Wolfgang Köppe, dem Heiddorf Tornau und dem Verein Dübener Heide e.V. organisierte 17. Internationale Holzskulpturen-Wettbewerb beginnt am 30. Juli, 10 Uhr. Dann knattern nicht nur die Kettensägen der ambitionierten Holzkünstler, sondern um 11 Uhr wird auch das neue Köhlerliesel bekannt gegeben: Sie wird traditionell die Wangen des vornehmlich männlichen Publikums mit einem Stück Holzkohle schwärzen. Besucher können außerdem über einen Heidemarkt schlendern und bei einem ansprechenden Kulturprogramm verweilen.

Der MDR dreht n Tornau für seine Reihe „Musik auf dem Lande.“  Von 14 bis 17 Uhr sind die Schlagersänger Maxi Arland und Frank Schöbel zu erleben. Beide singen nicht nur, sie stellen sich zusammen mit der lokalen Prominenz einen Sägewettbewerb, bei dem es um Schnelligkeit geht.

Von 18.30 bis 22.30 Uhr treten Sarah and the BeatBoyz auf, eine Partyband aus Leipzig. Gekrönt wird der Auftritt mit einem Höhenfeuerwerk.

Der Sonntag beginnt um 9 Uhr erstmals  mit einem Freiluft-Gottesdienst, ab 10 Uhr treten die Künstler wieder in Aktion. Ab 11 Uhr erklingt Blasmusik mit der Kapelle „Frischluftprojekt“ und ab 15 Uhr tritt die Sängerin Ulrike Baier auf. Zu Ende geht der Wettbewerb ab 16 Uhr mit der Siegerehrung für die Künstler, vergeben werden drei Auszeichnungen – der Köppe-Preis, der Zuschauer-Preis und der Jury-Preis. 

Zur Person

Köppe, der 1926 in Bad Schmiedeberg geboren wurde, gehörte zu jener Generation, die den Zweiten Weltkrieg bis zur Neige erleiden musste. Als 19-Jähriger geriet er in englische Kriegsgefangenschaft und konnte an der Kunstakademie in Carlisle in Cumberland studieren, dort hatte er 1946 auch seine erste Ausstellung. Zurück in Deutschland studierte er unter anderem bei Professor Tübke und Professor Lichtenfeld (Burg Giebichenstein). In seinem ebenso vielseitigen wie unermüdlichen Schaffensdrang sind mehrere Tausend Kunstwerke entstanden. Sein künstlerisches Lebenswerk wurde 2005 mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.





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