Nach der Aufführung des Märchens „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ im Clack Theater gab es für Kinder einen weiteren Höhepunkt: Fotoshooting mit den Schauspielern. Links haben sich die Kinder aus Syrien um des Teufels Großmutter geschart. Fotos: Wolfgang Marchewka

Nach der Aufführung des Märchens „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ im Clack Theater gab es für Kinder einen weiteren Höhepunkt: Fotoshooting mit den Schauspielern. Links haben sich die Kinder aus Syrien um des Teufels Großmutter geschart. Fotos: Wolfgang Marchewka

06.03.2016

Die deutsche Sprache vermitteln – auch mit Theaterbesuchen

Sprachpatin Inge Harazin und ihre „Schule auf der Straße“

Wittenberg (wm). Sie ist zarte 71 Jahre alt, voller Tatendrang und arbeitet im Nachbarschaftstreff Wittenberg-West als ehrenamtliche Sprachpatin sowohl mit erwachsenen Asylbewerbern als auch mit Kindern: Inge Harazin, bis zum Rentenalter selbständige Unternehmerin in Sachen Sauerstoff.

 „Schule auf der Straße“ nennt sie ihre Tätigkeit, die überwiegend aus Syrien und Somalia kommenden Flüchtlinge sollen das tatsächliche Leben in Wittenberg kennenlernen und sich dabei auch an die Alltagssprache gewöhnen.

Lob für das Clack Theater

Wir treffen die engagierte Dame, die von den ihr anvertrauten Flüchtlingen liebevoll „Mama“ genannt wird, mit ihren Schützlingen zweimal im Clack Theater. Dem dortigen Management ist sie sehr dankbar: „Das Clack unterstützt unsere Arbeit sehr großzügig und bietet den Flüchtlingen damit eine weitere Möglichkeit, die deutsche Sprache zu hören.“ 

Mit den erwachsenen Flüchtlingen besucht Inge Harazin eine Vorstellung des Wittenberger Comedy-Duos „Frühlingsfeld“. Die beiden Wortakrobaten Tobias Grunemann und René Lenz erfassten die besondere Situation der Gäste und änderten spontan eine Szene ihrer Vorstellung: Tobias Grunemann stellte fest, dass René Lenz ein Bühnenbild vergessen hatte und baten deshalb die Flüchtlinge auf die Bühne: „Jetzt haben wir ein Bühnenbild“, stellten die beiden Komiker fest – und die Flüchtlinge samt ihrer „Mama“ staunten nicht schlecht.

Eine Gruppe von Flüchtlingskindern war dabei, als dem Teufel zum letzten Mal seine drei goldenen Haare ausgerissen wurden. Die Begeisterung der Kinder während der Aufführung war groß und steigerte sich noch, als sie nach der Vorstellung zum Fotoshooting mit dem Theaterensemble eingeladen wurden. Der älteste der Flüchtlingskinder, Gaith Serawan (16) fasste die Eindrücke zusammen: „Das ist toll!“

Eine schöne Arbeit

„Im Nachbarschaftstreff gibt es viel Arbeit“, berichtet Inge Harazin, „aber es ist eine schöne Arbeit, es kommen alle Nationen und alle vertragen sich, bei uns ist Frieden.“ Fazit der ehrenamtlichen Sprachpatin: „Mehr Spaß kann ich anderswo gar nicht haben.“ Für die oft verbreitete Unterstellung „die Flüchtlinge“ hätten kein Respekt vor Frauen, hat Inge Harazin nur Kopfschütteln übrig: „Ich habe keine einzige schlechte Erfahrung gemacht, der Umgang mit ‚unseren Männern‘ ist angenehm, sie sind höflich, bemüht uns zu helfen und dankbar für jede Form der Unterstützung.“ 

Eine Schande für Deutschland

Wenig Verständnis hat Inge Harazin für die so genannten besorgten Bürger: „Wovor haben diese Leute Angst? Die Welt verändert sich ständig und Zuwanderer sind schon immer nach Deutschland gekommen. Wer Angst hat, sollte sich mal darum bemühen, Flüchtlinge kennenzulernen, viele Deutsche wissen gar nicht, was sie verpassen!“ Und die Feindseligkeiten und den gegen Asylbewerber verbreiteten Hass nennt sie „eine Schande für Deutschland.“ 

Inge Harazin: Wir schaffen das

Und dann wird Inge Harazin politisch: „Ich stimme Angela Merkel voll und ganz zu, wir schaffen das. Und was wir in der Arbeit mit Flüchtlingen schaffen, wird das Ansehen unseres Landes in der Welt stärken.“ 

Die Sprachpatin lobt die Mitarbeiter der Ämter, Firmen und sozialen Organisationen für ihre gute Arbeit mit den Flüchtlingen: „Ich kann mich nicht beklagen.“ Ein Problem sei jedoch, dass es nicht genügend Deutschkurse gäbe und dass diese Angebote zu spät kommen. Außerdem würden jetzt verstärkt Praktikumsplätze gesucht: „Unsere Flüchtlinge wollen arbeiten, die sitzen doch nicht nur herum und warten, bis ihnen die Decke auf den Kopf fällt.“ 

Einladungen nach Syrien

Inge Harazin hat noch einen Hinweis für solche Menschen die glauben, es kommen zu viele nach Deutschland: „Ich weiß aus meiner Arbeit mit den Kriegsflüchtlingen, dass viele von Ihnen wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen, wenn es Frieden gibt. Für diesen Fall habe ich schon zehn Einladungen nach Syrien.“





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