15.11.2021

Neues Medikament für Parkinson wird an der Klinik Bosse anwendet

Eine kleine Pumpe sorgt für mehr Komfort im Alltag

Wittenberg (WiSo). Die Klinik für Neurologie an der Alexianer Klinik Bosse wendet als eine der ersten Krankenhäuser in Ostdeutschland eine neuartige Medikamentenpumpe, die sogenannte Lecigon-Pumpe, für die Behandlung von Parkinson-Patienten an. Erst im Februar 2021 hatte die Pumpe die deutsche Arzneimittelzulassung erhalten und bereits seit März behandelt die Wittenberger Parkinson-Fachklinik Patienten erfolgreich damit. Lecigon ist ein Gel, das über eine Pumpe und eine Sonde direkt in den Dünndarm eingebracht wird. Aktuell leiden mehr als 50.000 Patienten in Deutschland unter Parkinson in einem weit fortgeschrittenen Stadium, bei ihnen lässt die Levodopa-Wirkung so weit nach, dass es zu erheblichen motorischen, unkontrollierbaren Störungen kommt, die im Alltag zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. Bei der Parkinson-Krankheit sterben zunehmend Nervenzellen im Gehirn ab, die den körpereigenen Botenstoff Dopamin produzieren. Durch den Dopaminmangel treten fortschreitende Bewegungsstörungen ein, um dem entgegenzuwirken, hat die Medizin bisher vor allem auf oral einzunehmende Tabletten gesetzt. Diese müssen zunächst den Magen passieren, was zu einem enormen Wirkverlust führt. 

Der natürliche Krankheitsverlauf führt nach circa fünf Jahren zu erheblichen Schwankungen des Dopaminspiegels im Körper. „Die orale Einnahme verstärkt den ohnehin schwankenden Wirkspiegel zusätzlich“, erklärt Neurologie-Chefarzt Dr. Philipp Feige. Diese Wirkstofffluktuationen bringen dem Patienten unangenehme Nebenwirkungen, wie Schmerzen oder Freezing, das plötzliche Erstarren des Körpers. 

Die Therapie mit der einfachen Dopaminpumpe sorgt für eine gleichmäßige Stimulation mit dem Wirkstoff Levodopa. Hierbei erhält der Patient eine Sonde in Höhe des Zwölffingerdarms gelegt, die dem Körper den Botenstoff in Gelform per Pumpe zuführt, unter Umgehung des Magens. Die neue Kombinations-Pumpe steigert die Wirksamkeit zusätzlich: „Ihre Vorteile bestehen in der längeren Verfügbarkeit des Levodopa im Plasmaspiegel und in weniger Nebenwirkungen“, erklärt Dr. Feige. 

Außer Dopamin enthält das Kombinationspräparat einen sogenannten COMT-Hemmer, der blockiert Enzyme, die das Dopamin abbauen, der Hemmer stabilisiert somit den Dopamin-Wirkspiegel im Blut und sorgt zudem für eine bessere Verwertung der Dopamingabe. Aufgrund des Hemmers lässt sich rund ein Viertel der gewöhnlich benötigten Dosis einsparen. „Die hochwirksame Kombination aus Dopamin und Hemmer erzielt eine neue Qualität in der Eskalationstherapie bei Morbus Parkinson“, ist Dr. Feige überzeugt. Die Kombinationspumpe lässt sich per Fernsteuerung programmieren. Die Ärzte in der Klinik treffen die Voreinstellungen, der Patient kann Feinheiten manuell regeln. 

Die Patienten, die die Kombinationspumpe erhalten haben, leiden seit vielen Jahren an der unheilbaren Parkinson-Krankheit. „Die einfache Dopamin-Pumpe hatten sie nicht vertragen, die maximal mögliche orale Tablettendosis genügte für die Behandlung nicht mehr“, so Dr. Feige. Ein dreitägiger Test des Kombi-Medikaments aus Dopamin und COMT-Hemmer per Nasensonde bekam den bisher behandelten Patienten gut. So konnten diese dauerhaft auf die Kombinationspumpe umsteigen und seitdem sind die Patienten medikamentös gut eingestellt und haben keine Probleme: „Ich bin 73 Jahre alt und seit mehr als zehn Jahren an Parkinson erkrankt. Nun bin ich fast vier Wochen wegen der neuen Therapie stationär in der Klinik Bosse und es hat sich gelohnt, denn es geht mir viel besser“, berichtet Patient Jürgen Wieprich aus Dessau-Roßlau. 

Die Klinik für Neurologie an der Alexianer Klinik Bosse Wittenberg nimmt regelmäßig an Expertenworkshops des Herstellers Stada teil, dort tauschen die Neurologen ihre Erfahrungen mit dem neuen Präparat aus. „Künftig nehmen wir die Kombinationspumpe als zusätzliche Standard-Therapieoption in der Parkinson-Behandlung auf“, sagt Chefarzt Dr. Feige. „Unseren Netzwerkpartnern haben wir dieses Angebot kommuniziert“. Die Krankenversicherung trage bei Indikation die Kosten des neuen Medikaments. 

Hintergrund 

Um sich an die Patientenbedürfnisse individuell anzupassen, können bei der Parkinson-Pumpe mehrere Fließgeschwindigkeiten des Gels programmiert werden. Die Kassette enthält 50 ml, wird per Bluetooth gesteuert und kann zu Hause gewechselt werden. Die neuartige Gelformulierung wirkt sich positiv auf die Bioverfügbarkeit von Levodopa im Körper aus. Durch die geringere Dosierung von Levodopa sowie die wasserlösliche Gelformulierung ist die zur Verabreichung des Arzneimittels benötigte Pumpe kleiner, leichter und leiser sowie diskreter zu tragen als bisher übliche Infusionspumpen. Das führt zu mehr Komfort und Flexibilität im Alltag, zudem kann die Pumpe zwischendurch zum Baden oder Duschen abgenommen werden. 

Bild: Klein und leicht: Die neue Lecigon-Pumpe ist für den Parkinson-Patienten deutlich angenehmer. Foto: Klinik Bosse





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