14.11.2021

„Die Kinder von La Hille“ in der Bad Schmiedeberger Stadtkirche

Flucht und Rettung vor der Deportation und Vernichtung

Bad Schmiedeberg (WiSo). Die vom Antikriegsmuseum / Friedensbibliothek Berlin gestaltete Wanderausstellung „Die Kinder vom Schloss La Hille“ ist noch bis zum 28. November 2021 in der Evangelischen Stadtkirche zu sehen. Die Ausstellung gehört zum Programm der Ökumenischen Friedens-Dekade 2021. Öffnungszeiten: dienstags von 10 bis 12 Uhr, freitags von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 16 Uhr und nach Absprache.

Mit eindrucksvollen Fotografien und Texten aus Originalbriefen schildert die Wanderausstellung die berührende Geschichte, wie 100 jüdische Kinder im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkrieges erst von Schweizer Lehrerinnen und Erzieherinnen über das Rote Kreuz betreut und später vor der Deportation gerettet und in die sichere Schweiz gebracht wurden - unter Gefahr für das eigene Leben. 

Seit dem Frühjahr 1941 betrieb die Schweizerische Rote Kreuz-Kinderhilfe (SRK) im Schloss La Hille am Fuß der Pyrenäen ein Heim, in dem mehr als 80 jüdische Waisenkinder betreut wurden. Die Heimkinder hatten das seit 20 Jahren unbewohnte Schloss mit Hilfe von spanischen Arbeitern instandgesetzt. Geleitet wurde das Waisenheim von Rösli Näf, einer 30-jährigen Krankenschwester aus Glarus. Sie sorgte für ein harmonisches Zusammenleben dieser Gemeinschaft. 

Doch am frühen Morgen des 26. August 1942 wurde die Ruhe im Heim jäh durchbrochen: 45 Jugendliche im Alter von über 16 Jahren und drei jüdische Angestellte wurden von der französischen Polizei mit Gewalt abgeführt und ins Internierungslager Le Vernet gebracht. Dieses Lager war die letzte Etappe vor dem Gefangenenlager Drancy und den deutschen Vernichtungslagern. Weder das Rotkreuzzeichen noch die energische Intervention von Rösli Näf bewahrten die jüdischen Jugendlichen und Angestellten vor der Verhaftung. 

Am nächsten Tag setzte Rösli Näf alles daran, ihre Schützlinge wieder freizubekommen. Sie fuhr ins Lager Le Vernet, wo sie die Jugendlichen wiederfand. Nachdem Maurice Dubois, der Leiter der Schweizer Delegation in Toulouse, informiert worden war, reiste er persönlich nach Vichy, um die französischen Behörden zur sofortigen Freilassung der Jugendlichen zu veranlassen. Seine Intervention hatte Erfolg: Die junge Schweizer Krankenschwester konnte schließlich mit „ihren“ Kindern nach La Hille zurückkehren. 

Im November 1942 wurde die Lage noch kritischer, denn nun war auch Südfrankreich von der deutschen Armee besetzt, womit Kinderzüge in die Schweiz nicht mehr möglich waren. Dies setzte auch allen Spekulationen über ein allfälliges Projekt ein Ende, jüdische Kinder in der Schweiz aufzunehmen. In den Heimen der SRK-Kinderhilfe, in denen 168 jüdische Kinder und Jugendliche Zuflucht gefunden hatten, machte sich ein Gefühl der Unsicherheit breit. 

Ohne ihre Vorgesetzten zu informieren, beschloss Rösli Näf im Schloss La Hille, für die Jugendlichen ab 16 Jahren die Flucht in die Schweiz zu organisieren, denn für sie war die Gefahr am größten. Die ersten Gruppen von Jugendlichen wurden kurz vor Weihnachten auf den Weg geschickt. Mit Hilfe von Germaine Hommel, der Leiterin des Heims in St Cergues in der Nähe von Genf, und ihrer Assistentin Renée Farny gelangten sie heimlich über die Grenze in die Schweiz. 

In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1943 wurden aber vier Jugendliche unweit der Schweizer Grenze von der deutschen Polizei aufgegriffen. Drei von ihnen wurden schließlich in deutsche Vernichtungslager deportiert, damit war die ganze Operation zum Scheitern verurteilt. Nun ließ es sich nicht mehr verhindern, dass die Fluchthilfe bekannt wurde. Die drei involvierten Mitarbeiterinnen wurden vom Rotkreuz-Chefarzt gerügt und entlassen. 

Doch einige Monate später leisteten auch die beiden neuen Mitarbeiterinnen der SRK-Kinderhilfe in La Hille Fluchthilfe: Trotz der Risiken, die damit verbunden waren, verhalfen die Waadtländerin Anne-Marie Piguet und die Zürcherin Gret Tobler von September 1943 bis Mai 1944 weiteren jüdischen Kindern zur Flucht in die Schweiz. 

Bild: Die Lehrerinnen und Betreuerinnen des SRK mit einigen der jüdischen Kinder vom Schloss La Hille. Foto: Bundesarchiv Bern





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