Kinder sollen im Alter von elf bis vierzehn Monaten das erste Mal gegen Masern geimpft werden, bei großer Ansteckungsgefahr auch schon ab neun Monaten. Foto: Adobe Stock.

Kinder sollen im Alter von elf bis vierzehn Monaten das erste Mal gegen Masern geimpft werden, bei großer Ansteckungsgefahr auch schon ab neun Monaten. Foto: Adobe Stock.

08.11.2021

Übergangsfrist für Masern-Impfpflicht endet am 31. Dezember 2021

Amtsarzt Dr. Hable: Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit

Wittenberg (wg). Laut Masernschutzgesetz müssen Kita-Kinder, Schüler, pädagogisches Personal, Lehrer sowie alle Beschäftigte in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen einen ausreichenden Impfschutz bzw. Immunität gegen Masern nachweisen. Die Übergangsfrist endet am 31. Dezember 2021. Eltern, die sich weigern, ihr Kind impfen zu lassen, verlieren Anspruch auf einen Kita-Platz, zudem drohen Bußgelder. 

„Der Gesetzgeber hatte den Stichtag um fünf Monate verlängert, um die Gesundheitsämter sowie Kitas und Schulen in der Pandemiezeit nicht zusätzlich zu belasten“, berichtet Amtsarzt Dr. Michael Hable im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Als das Gesetz inklusive Stichtagsregelung vom Bundestag verabschiedet worden sei, habe niemand die Corona-Pandemie voraussehen können. Aufgrund der durch die Pandemie gebundenen personellen Ressourcen sei es nicht möglich gewesen, bei einem großen Personenkreis Überprüfungen auf Masernschutz vorzunehmen. 

„Alle nach dem 31. Dezember 1970 geborenen Personen, die schon vor dem 1. März 2020 bei den genannten Einrichtungen gearbeitet haben, unterliegen der Nachweispflicht bis zum 31. Dezember 2021“, erläutert Dr. Hable. Beschäftigte, die nach dem 1. März 2020 eingestellt worden seien, hätten vor Aufnahme der Tätigkeit den Masern-Impfschutz nachweisen müssen. 

„Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes werden ab Januar 2022 die Einhaltung der Bestimmungen überprüfen“, kündigt der Amtsarzt an. „Dies betrifft auch Kita-Kinder und Schüler: Ohne ausreichenden Masernschutz dürfen Kinder nicht mehr in Kitas aufgenommen werden, auch ein Ausschluss vom Kita-Besuch ist möglich.“ Wegen der in Deutschland bestehenden Schulpflicht könnten allerdings ungeimpfte Schüler nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden, die Schulleitungen seien verpflichtet, das Kind dem Gesundheitsamt zu melden.

„Verantwortlich für den Impfschutz ihrer Kinder sind die Eltern“, betont Dr. Hable, „kommen sie ihren Pflichten nicht nach, kann ein Bußgeld verhängt werden.“ Mit der Zahlung könne man sich keinesfalls von der Impfpflicht freikaufen. Bleibt das Bußgeld wirkungslos, kann ein Zwangsgeld erhoben werden, letzte Eskalationsstufe wäre die Zwangshaft. Wie weisen Eltern den Impfschutz ihrer Kinder nach? Entweder durch den Impfausweis, das gelbe Kinderuntersuchungsheft oder bei bereits erlittener Krankheit durch ein ärztliches Attest.

Impflücken sind zu groß 

In Deutschland sind nach wie vor zu wenig Menschen gegen Masern geimpft, es gibt in allen Altersgruppen zu große Lücken, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Bundesweit liegt laut Aussage der Ständigen Impfkommission (STIKO) die Quote für die zweite Masern-Impfung bei Kindern im Alter von zwei Jahren nur bei knapp 74 Prozent. „Mindestens 95 Prozent wären aber erforderlich, um die Masern zu eliminieren“, so Hable. 

Bei Kleinkindern empfehle die STIKO, die Grundimmunisierung mit einer ersten und zweiten Impfung im zweiten Lebensjahr abzuschließen, danach bestehe lebenslang ein vollständiger Impfschutz. Zur Impfung werde vorzugsweise ein Kombinations-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) verwendet. 

Frauen sollten möglichst drei Monate vor der Schwangerschaft über einen Masernschutz verfügen, denn: „Eine Maserninfektion während der Schwangerschaft erhöht die Gefahr einer Früh- der Fehlgeburt, während Frauen, die gegen Masern immun sind, automatisch auch ihr Kind in den ersten Lebensmonaten schützen, in denen es noch nicht wegen des Nestschutzes geimpft werden darf.“ Während der Schwangerschaft sei eine Impfung nicht möglich, da die Immunisierung mit Lebendvakzinen erfolge. 

Hochansteckend 

Lange Zeit galt die durch Viren verursachte Infektion als Kinderkrankheit, immer häufiger infizieren sich aber auch Jugendliche und Erwachsene mit dem gefährlichen Erreger, der längst wie die Pocken ausgerottet sein könnte, wenn die Impfquote deutlich höher wäre. Masernviren sind sehr anste-ckend und schwächen das Immunsystem des Patienten, die Folgen sind Mittelohrentzündungen, Bronchitis, Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen. In seltenen Fällen entwickeln sich toxisch verlaufende Masern, Symptome sind hohes Fieber, Haut- und Schleimhautblutungen. Solche Masern-Komplikationen können zum Tod führen. 

Befreiung 

Wer aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht geimpft werden kann und dies mit einem ärztlichen Attest nachweist, ist von der Impfpflicht befreit. Bei Unklarheiten kann eine Titer-Bestimmung Auskunft geben, diese ist aber keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und muss privat bezahlt werden, während die Masern-Impfung eine Kassenleistung ist. 

Hinweis 

Informationen zum Thema Masern-Impfung gibt es auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts unter www.rki.de/masern; Informationen zum Infektionsschutz durch Impfen auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.impfen-info.de.





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