Die Rückkehr der Kita-Keime: RSV sorgt aktuell dafür, dass viele Kinder krank sind. Foto: AdobeStock

Die Rückkehr der Kita-Keime: RSV sorgt aktuell dafür, dass viele Kinder krank sind. Foto: AdobeStock

01.11.2021

Amtsarzt Dr. Hable ist in Sorge wegen vieler Atemwegsinfekte

Der Virenwinter hat bereits im Herbst begonnen

Wittenberg (wg). Laufende Nase, Husten und Fieber – viele Kinder machen aktuell Atemwegsinfekte durch, die normalerweise erst in den Wintermonaten auftreten, besonders betroffen sind unter Sechsjährige. „Im vergangenen Winter waren nur wenige Kleinkinder betroffen, denn Kita-Schließungen und andere Schutzmaßnahmen griffen nicht nur gegen Corona, sondern auch gegen andere Erreger“, erklärt Amtsarzt Dr. Michael Hable, „und jetzt werden diese Infekte nachgeholt.“ 

Das Respiratorische Synzytal-Virus (RSV) hat eigentlich erst ab November Hochsaison, doch die ersten Fälle im Kreis Wittenberg traten bereits im Juli auf, im Oktober waren drei Kitas mit 78 Fällen betroffen. Die RS-Viren gehören zur selben Virenfamilie wie Masern- und Mumpserreger. Grundsätzlich, so Dr. Hable, seien alle Altersgruppen und Geschlechter betroffen, besonders gefährdet seien indes Säuglinge und kleine Kinder. „Wir verzeichnen aktuell sogar einen Anstieg bei Krankenhaus-Einweisungen wegen RSV-Infektionen“, so Hable. 

Größere RSV-Ausbrüche unter Kindern wurden bereits im Mai des Jahres aus Israel und in den Sommermonaten aus den USA und Australien gemeldet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe deshalb rechtzeitig darauf hingewiesen, dass sich auch Deutschland auf ein RSV-Szenario vorbereiten müsse. „Infolge des Lockdowns und anderer Maßnahmen sind Atemwegsinfekte außer SARS-CoV-2-Viren im vergangenen Winter ausgeblieben“, erläutert Hable, „jetzt erleben wir einen Rebound zur Unzeit.“ Während der Corona-Pandemie sei weltweit die RSV-Inzidenz um 98 Prozent zurückgegangen. 

Besonders gefährlich kann dieser Infekt der oberen Luftwege für Frühgeborene sowie vorerkrankte Kinder im ersten Lebensjahr werden, ebenso für Erwachsene über 65 Jahren mit kardio-respiratorischer Vorbelastung. Qualitativ sind die Krankheitsverläufe in diesem Jahr schwerwiegender als in einer normalen RSV-Saison. „Durch die Corona-Pandemie haben Kinder bezüglich ihres Immunsystems eine Art von Trainingsrückstand“, sagt Hable, „denn für Kinder sind Infektionen Teil des Erlernens einer Abwehrstrategie.“ 

Für den Amtsarzt ist der extrem frühe Start der RSV-Saison eine Folge der Rückkehr zur Normalität, denn sobald bei den Corona-Maßnahmen gelockert wurde, fingen die Erreger an, sich wieder zu reproduzieren. Derzeit machten vor allem die Geburtsjahrgänge 2020 und 2021 ihre erste RSV-Infektion durch und der erste Infekt sei immer auch der schwerste. Beim zweiten Kontakt mit dem Erreger könne das kindliche Immunsystem viel schneller reagieren. 

Ob es sich bei Husten, Schnupfen und Fieber tatsächlich um RSV handelt, kann nur ein Test feststellen, der in der Regel aber nur in der Klinik gemacht wird, denn: „Die Kenntnis einer RSV-Infektion hat keinerlei Konsequenz auf die Therapie“, betont Hable. Kindern, deren schwere Verläufe einer RSV-Infektion drohen, können eine passive Immunisierung mit dem Antikörper Palivizumab erhalten. 

Nach Monaten der Entbehrungen und Einschränkungen plädiert der Amtstart dafür, den Alltag für Kinder und Jugendliche so normal wie möglich zu gestalten: „Wir müssen die Risiken klug abwägen, das heißt, wir wollen, dass Kinder und Jugendliche wieder in die Kita und in die Schule gehen. Wir wollen aber keine unnötigen Corona-Infektionen.“ Symptome von Long Covid gebe es auch bei Kindern, eine gezielte Durchseuchung mit dem Virus sei deshalb ethisch nicht vertretbar. In 2022 werde es einen Impfstoff gegen das Corona-Virus auch für Kinder ab sechs Jahren geben. 

„Außerdem machen wir uns große Sorgen, dass es in diesem Winter eine schwere Grippewelle gibt“, berichtet Hable. Im vergangenen Pandemie-Winter mit den Hygienevorkehrungen und eingeschränkten Kontakten sei die Grippewelle faktisch ausgeblieben. „Man kann sich gleichzeitig gegen Corona und gegen die Virusgrippe impfen lassen“, so Hable. Die vier mobilen Impfteams des Landkreises impfen allerdings nur gegen Corona, eine zusätzliche Grippeimpfung ist aus logistischen Gründen nicht machbar. Im Gesundheitsamt in der Kreisverwaltung stehen wie in den Vorjahren wieder 500 Grippe-Impfdosen zur Verfügung, um Terminvereinbarung unter Tel.: 0349/47 93 42 wird gebeten.

„Grundsätzlich sollten sich alle impfen lassen, auch Kinder und Jugendliche“, betont Hable, der befürchtet, dass die vierte Corona-Welle mit einer Grippe-Welle einhergehen könnte, was die Kliniken schnell an ihre Belastungsgrenzen bringen würde. „Das Land Sachsen-Anhalt hat eine Empfehlung zur Grippe-Impfung für alle herausgegeben“, betont der Amtsarzt, „das heißt, das es bei eventuellen Impfkomplikationen eine Absicherung gibt.“ 

Neues Serum für Ü-60 Jahre 

„Es gibt erstmals einen Hochdosis-Impfstoff, der laut der Ständigen Impfkommission bevorzugt an Menschen über 60 Jahren verimpft werden soll“, berichtet Hable. Dieser höher dosierte Impfstoff sei speziell für die ältere Bevölkerung entwickelt worden, weil deren Anteil stetig wachse und diese Menschen viel aktiver und kontaktfreudiger seien als frühere Generationen. Für Patienten unter 60 Jahren habe der neue Impfstoff indes keinen zusätzlichen Nutzen, außer es liege eine Autoimmunerkrankung vor. Der beste Zeitpunkt für die Impfung sei im Oktober und November, dann sei das Immunsystem bis zur im Dezember bzw. im Januar einsetzenden Grippewelle gut gerüstet. 

Abstrichzentrum in der Sparkasse 

Der Landkreis Wittenberg verfügt wieder über ein Abstrichzentrum mit Fieber-Ambulanz, um Menschen mit Verdacht auf eine Covid-19-Infektion zu testen. Die Einrichtung, die sich auf der Rückseite der Sparkasse am Alten Bahnhof in Wittenberg befindet, ist dabei nicht für „Laufkundschaft“ gedacht, sondern vor allem für Menschen, die vom Gesundheitsamt zum PCR-Test aufgefordert werden. Die Ambulanz wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt betrieben. Die Zufahrt erfolgt über die Dessauer Straße aus Richtung Amtsgerichtskreuzung, zahlreiche Kurzzeitparkplätze befinden sich auf der rechten Seite gegenüber dem Supermarkt. Damit soll eine Durchmischung von zu Testenden mit anderen Personen minimiert werden. Wo professionell durchgeführte Schnelltests (sogenannte Bürgertests) durchgeführt werden, ist auf der Webseite https://www.landkreis-wittenberg.de/de/alles-zum-thema-testen.html zu finden. 

Bild: Die Rückkehr der Kita-Keime: Nicht nur Corona, sondern auch RSV sorgt dafür, dass viele Kinder krank sind. Foto: AdobeStock





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