30.10.2021

Einbürgerungs-Urkunden wurden im feierlichen Rahmen übergeben

Landrat Christian Tylsch begrüßte fünf neue Staatsbürger im Kreishaus

Wittenberg (wg). Die jüngste neue Mitbürgerin ist vier Jahre alt, heißt Aykin und wurde im August 2017 in Torgau geboren. Am Mittwoch erhielt sie mit ihrer größeren Schwester Ayan Andreea, die im September 2009 in Nazareth zur Welt kam, zusammen mit ihrem Vater Wisam Igbaria, der 1975 ebenfalls in Nazareth geboren wurde, die deutsche Staatsbürgerschaft. Im feierlichen Rahmen erhielten zwei weitere Erwachsene ebenfalls von Landrat Christian Tylsch ihre Einbürgerungs-Urkunden sowie ein Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. 

„Sie genießen jetzt alle Rechte, die ihnen unser Grundgesetz zusichert wie Freizügigkeit, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und all die anderen Grund- und Menschenrechte“, betonte Tylsch, „es sind Werte und Rechte, die wir gemeinsam schützen und verteidigen müssen.“ Tylsch appellierte an die neuen Mitbürger, nicht still zu bleiben, wenn diese Rechte mit Füßen getreten würden. 

Und damit meine er nicht nur Populisten, die „sich immer wieder aufs Neue mit ekelhaftem Menschenhass umhüllen. Ich rede auch davon, die Werte unserer Gemeinschaft zu verteidigen, wenn Feuerwehrleute und Rettungskräfte angegriffen werden, wenn Busfahrer und Jobcentermitarbeiter sich nicht mehr sicher fühlen, Frauen unterdrückt, Menschen wegen ihres Glaubens attackiert und Schwule beleidigt werden.“ 

Er wünsche sich eine Gemeinschaft zurück, die von Anstand und Höflichkeit geprägt sei, wo Freundlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft nicht nur leere Floskeln seien: „Dafür müssen wir alle gemeinsam einstehen, lassen Sie uns daran arbeiten, das Beste von uns in die Gemeinschaft einzubringen.“ 

Die Einbürgerung, die zum ersten Mal in dieser feierlichen Form mit dem Abspielen der Nationalhymne im Landkreis stattfand, sei nicht nur ein formaler Akt aus dem Verwaltungsrecht, vielmehr werde gefeiert, dass sich Menschen bewusst dafür entschieden hätten, Deutschland zu ihrer neuen Heimat zu machen. Die deutsche Staatsangehörigkeit könne man mit der Geburt erwerben oder man entscheide sich ganz bewusst dafür, sie anzunehmen. „Was ganz einfach klingt, ist das Ende eines langen, oft schmerzhaften Prozesses, der von Abschied, Ungewissheit und Zukunftsangst geprägt ist“, betonte Tylsch. 

Auf jeden Fall sei die Einbürgerung ein lebensverändernder Schritt. Jeder habe seine eigene Biographie, geprägt von den Erfahrungen aus dem Herkunftsland und dessen Kultur. Diese Wurzeln behalte jeder auch nach der Einbürgerung bei, und das sei auch gut so, weil Deutschland dadurch vielfältiger werde: „Unsere Gesellschaft ist heute bunter und offener als noch vor dreißig, vierzig Jahren, denn Integration ist keine Einbahnstraße. Wir haben durch die Einflüsse von außen nichts von unserer eigenen Kultur verloren, aber viel dazu gewonnen.“ 

Wer sich für die Einbürgerung entschieden habe, wolle Teil der deutschen Kultur werden, der wolle seine persönliche Zukunft hier gestalten. „Es zeigt auch ihr Vertrauen in unsere Gemeinschaft“, erklärte Tylsch, „und diese Gemeinschaft lebt vom Mitmachen. Wenn ich also heute ‚Herzlich Willkommen’ zu Ihnen sage, dann ist das auch eine Aufforderung, sich aktiv in diese Gemeinschaft einzubringen.“ Heimat sei mehr als nur ein Ort, sie sei vor allem eine Gemeinschaft von Menschen, und nichts verhelfe zu mehr Heimat, als ein gutes Miteinander. 

„Sie alle bringen sich heute schon ein in unsere Gesellschaft, Sie haben Familien gegründet, gehen einer Arbeit nach, Sie integrieren sich und Sie werden integriert“, erklärte der Landrat. Als erster erhielt Mohammad Daneshyar die Einbürgerungs-Urkunde, er wurde 1978 in Karaj im Iran geboren und kam 2013 nach Deutschland. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin lebt er in Wittenberg und arbeitet als Maschinenführer in einer Bäckerei. Im Iran hat Daneshyar in der olympischen Männernationalmannschaft Handball gespielt und ein Metallurgie-Studium abgeschlossen. 

Die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben auch Wisam Igbaria und seine Töchter Aykin und Ayan Andreea. Wisam Igbaria kam 2012 nach Deutschland, um seine Deutsch-Kenntnisse zu vertiefen. Nach dem Abitur in Israel und dem Medizinstudium in Rumänien hat sich die Familie entschieden, in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt zu wählen. Seitdem arbeitet er als Arzt in Bad Schmiedeberg, wo die Familie auch ihren Lebensmittelpunkt hat. Ehefrau Dorina Elena wartet noch auf ihren deutschen Pass. 

Die Runde komplett machte Jessica Nunez Calzada, die aus Kuba stammt und mit ihrer Familie in Abtsdorf wohnt, wo sie sich mit ihrem Ehemann und der gemeinsamen Tochter das Familiennest gebaut hat. Seit 2014 sind die beiden verheiratet, seit 2015 lebt Calzada in Deutschland. Mit ihrem abgeschlossenen Studium in Sozialer Kommunikation hat sie als Medienberaterin beim Wittenberger Sonntag gearbeitet und seit 2019 unterstützt sie die Arbeiterwohlfahrt in Wittenberg als Sozialarbeiterin. 

In den vergangenen fünf Jahren wurden insgesamt 85 Personen im Kreis Wittenberg eingebürgert. Mit zehn Menschen stammt die größte Gruppe aus Vietnam, neun aus Großbritannien, die sich nach dem Brexit in Deutschland verortet haben und acht aus der Ukraine. 

Bild: Wisam Igbaria und seine Töchter Aykin und Ayan Andreea, Jessica Nunez Calzada, Landrat Christian Tylsch sowie Mohammad Daneshyar (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth





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