Dr. Isabel Geißler, Ärztin im kreislichen Gesundheitsamt. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. Isabel Geißler, Ärztin im kreislichen Gesundheitsamt. Foto: Wolfgang Gorsboth

28.10.2021

Gesundheitsamt warnt vor dramatischer Entwicklung in der Pandemie

Landkreis: Die Corona-Fallzahlen steigen im Herbst rasant an

Wittenberg (WiSo). Das Gesundheitsamt in Wittenberg warnt eindringlich vor der Entwicklung in der Corona-Pandemie: „Am Mittwoch gab es 36 neue Infektionen im Landkreis Wittenberg, am Donnerstagmorgen sind wir schon bei 27, damit steigt die von uns errechnete Inzidenz auf 89“, erklärt Dr. Isabel Geißler, Ärztin im kreislichen Gesundheitsamt. 

„Über den Sommer hat sich viel Unbedarftheit breitgemacht“, ergänzt Amtsarzt Dr. Michael Hable. Das gelte nicht nur für die Impfungen, die viele im Sommer noch aufgrund ihrer Urlaubspläne mitgemacht hätten, sondern auch für die Vorschriften im öffentlichen Raum wie Kontaktnachverfolgung oder Abstands- und Hygieneregeln. 

Die neuen Infektionen treffen dabei nicht nur Ungeimpfte. „Dabei wissen viele Menschen gar nicht, dass sie ihre Impfungen jetzt schon auffrischen können“, erklärt Dr. Hable. Bei Personen, die schon einmal eine Corona-Erkrankung durchlitten haben, könne bereits vier Wochen nach dem Ende der Symptome oder dem ersten positiven PCR-Test bei fehlenden Symptomen geimpft werden. 

Auch wer mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson einmal geimpft wurde, sollte sich frühestens vier Wochen danach mit BioNTech- oder Moderna-Vakzinen auffrischen lassen. Nach vollständiger zweimaliger Impfung mit Astra-Zeneca wird eine Auffrischung nach frühestens sechs Monaten empfohlen. 

Die sogenannten Auffrischungsimpfungen, also in der Regel die dritte Impfung, wird frühestens sechs Monate nach vollständiger Immunisierung für Menschen über 60 Jahren, Pflegebedürftige ab 12 Jahren, medizinisches Personal, Rettungsdienstler und Impfteams empfohlen. Auch Patienten mit Immunschwäche sollten ihre Impfungen auffrischen lassen. 

Quarantäne-Maßnahmen auf Minimum reduzieren 

Mit Blick auf die steigenden Zahlen bei den Neuinfektionen warnt Dr. Isabel Geißler auch vor den Entwicklungen in Schulen und Kitas: „Quarantäne-Regelungen für Schulklassen und Kita-Gruppen müssen auf das unbedingt Notwendige begrenzt werden, um die psychosoziale Auswirkungen der Pandemie zu minimieren.“ 

Jeder neue Covid-19-Fall in Schulen und Kitas wird – wie bisher auch - dem Gesundheitsamt gemeldet, ein PCR-Test wird dann noch am selben Tag angestrebt. Über die erforderlichen Quarantäne- und Testmaßnahmen in Schulen und Kitas entscheidet dann das Gesundheitsamt individuell in enger Rücksprache mit der Schul- oder Kitaleitung. 

„In der Vergangenheit waren leider wiederholt Quarantäne-Anordnungen für ganze Klassenverbände oder gar klassenübergreifend in Schulen nötig. Die wären aber relativ leicht vermeidbar gewesen“, erläutert die Medizinerin. Hust- und Niesetikette sowie regelmäßiges Händewaschen und die Vermeidung direkter körperlicher Kontakte sollten beachtet werden. Masken müssen spätestens dann getragen werden, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, zum Beispiel, wenn Lehrer oder Erzieher im engen, wenn auch nur kurzzeitigen Abstand zu Kindern, tätig werden. 

In den Räumen sollte alle 25 Minuten für fünf Minuten stoßgelüftet werden, das reduziert zudem den Kohlendioxid-Gehalt in der Luft und fördert das Konzentrationsvermögen. Geißler spricht sich außerdem für Unterricht in festen Klassenverbänden in gleichbleibenden Räumen, feste Sitzplätze und die Aussetzung nicht notwendiger Aktivitäten (wie Singen, Theateraufführungen, Schulfeste) oder zumindest deren Verlagerung ins Freie aus. 

Sie empfiehlt weiterhin zwei Mal wöchentlich einen Selbsttest. „Und wer Symptome hat, sollte sofort zuhause bleiben, insbesondere auch Schulpersonal“, erläutert Geißler. „Bevor man wieder in Schule oder Kita geht, sollten Kinder, Jugendliche und Lehrer wenigstens 48 Stunden beschwerdefrei sein – und natürlich einen negativen Selbsttest gemacht haben“. 

Die genannten Maßnahmen würden helfen, das Infektionsrisiko von Schülern und Schulpersonal zu minimieren und den Personenkreis möglichst gering zu halten, für den eine Quarantäne-Anordnung erforderlich sei. Bei Beachtung der allgemeinen Hygieneregeln und regelmäßigem Lüften müssten so künftig nur noch die unmittelbaren Sitznachbarn und engsten Kontaktpersonen einer positiv getesteten Person in Quarantäne. 

„Wer älter als 12 Jahre ist, sollte sich außerdem impfen lassen“, so Geißler. Vollständig geimpfte und genesene enge Kontaktpersonen sind grundsätzlich nicht von der Quarantäne betroffen, es sei denn, sie haben Symptome.“ In Kindertagesstätten könnten umfassende Quarantäne-Anordnungen nur dann verhindert werden, wenn die Kinder in konstanten, kleineren Gruppen spielten, häufig wechselndes Personal in den Gruppen vermieden und konsequent gelüftet werde. 

Bild: Dr. Isabel Geißler, Ärztin im kreislichen Gesundheitsamt. Foto: Wolfgang Gorsboth





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