Der Tauentzienstein gegenüber dem Amtsgericht wird demontiert und im Stadtgut Seegrehna eingelagert. Der Hallenser Bildhauer Christoph Reichenbach fertigt die Replik an. Foto: Wolfgang Gorsboth

Der Tauentzienstein gegenüber dem Amtsgericht wird demontiert und im Stadtgut Seegrehna eingelagert. Der Hallenser Bildhauer Christoph Reichenbach fertigt die Replik an. Foto: Wolfgang Gorsboth

19.10.2021

Tauentzienstein und Batteriestein erinnern an die Befreiungskriege

Zwei desolate Denkmäler in den Wallanlagen werden saniert

Wittenberg (wg). Der Park in den denkmalgeschützten Wallanlagen entstand ab 1873 im Zuge der Entfestigung der Stadt, sein Schöpfer ist Fritz Eunike. In der Anlage befinden sich mit dem Batteriestein und dem Tauentzienstein (Bild) zwei Denkmäler, die an die Befreiungskriege erinnern und die sich leider in einem desolaten Zustand befinden. „Beide sollen nach historischem Vorbild rekonstruiert werden“, kündigt Oberbürgermeister Torsten Zugehör an, dazu seien in 2020 vertiefende Recherchen seitens der Städtischen Sammlungen getätigt worden. Beide Denkmale wurden bei einer Erfassung und Bewertung in 2018 in die Prioritätsstufe 2 eingeordnet. 

Der Tauentzienstein befindet sich in der Wallanlage gegenüber dem Amtsgericht, doch ursprünglich wurde er 1914 auf dem Kasinoberg (russischer Ehrenfriedhof gegenüber der Schlosskirche) errichtet. Beauftragt wurde das Denkmal durch das Offizierskorps des Infanterieregiments „Graf Tauentzien“. Dieses Regiment griff erstmals 1813 in die Geschichte der Stadt Wittenberg ein, es gehörte zum Armeekorps des Generalleutnants Graf Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien, der später vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. den ehrenden Beinamen „von Wittenberg“ erhielt. 

Das Regiment und die Division des Generals von Dobschütz wurden zur Belagerung der von den Franzosen besetzten Stadt Wittenberg entsandt. Am 23. Oktober 1813 trafen die Soldaten vor Wittenberg ein, in der Nacht vom 12. auf den 13 Januar 1814 wurde die Stadt erstürmt, anschließend marschierte das Regiment in Richtung Magdeburg. In all den Jahren danach blieb Wittenberg heimatliche Garnison des Tauentzien-Regiments, schließlich bestand dessen erste militärische Handlung in der Befreiung Wittenbergs. Graf Tauentzien wurde am 3. April 1823 zum Chef des Regiments ernannt. Tauentziens Sekretär war übrigens kein Geringerer als der Dichter und Dramatiker Gotthold Ephraim Lessing. In 1919 wurde das Regiment aufgelöst, das sich seit 1913 in den Räumlichkeiten im ehemaligen Wehrkreiskommando der NVA und dem späteren Kreiswehrersatzamt der Bundeswehr Am Alten Bahnhof 10 befand. 

 „Das 1914 errichtete Denkmal wurde in 1925 von Unbekannten so stark beschädigt, dass eine Rekonstruktion nicht mehr möglich war“, berichtet Landschaftsplanerin Anett Paul. Das alte Denkmal sei durch einen neuen „Erinnerungsstein“ in völlig anderer Form und Gestaltung am heutigen Standort ersetzt worden, dessen Schöpfer sei der deutsche Bildhauer Wilhelm Rex gewesen, der unter anderem auch die Anlage an der Luther-Eiche mit dem Paul-Friedrich-Brunnen geschaffen habe.

Voraussichtlich am 25. Oktober wird dieser circa 1,3 Tonnen schwere „Erinnerungsstein“ abtransportiert und dauerhaft im Stadtgut Seegrehna eingelagert. Aufgrund der enormen Schäden wird auf eine Rekonstruktion verzichtet, stattdessen eine Replik angefertigt, die sich unter anderem auf Fotoaufnahmen des Jahres 1925 bezieht. Dabei werden das Medaillon von Tauentzien, die Inschriften auf der Vorder- und Rückseite sowie der Aufsatz aus Geschosskugeln rekonstruiert. Mit der Neuanfertigung wurde der in Halle lebende Bildhauer Christoph Reichenbach beauftragt. 

Weil der aktuelle Standort des „Erinnerungssteins“ mit Blick auf die optische Wahrnehmung ungünstig ist, überlegt die Stadt eine Verlegung um circa vier Meter in westlicher Richtung der Wallanlagen, dies wird derzeit mit dem Denkmalschutz abgestimmt. 

Das zweite Denkmal ist der Batteriestein, hier laufen die Voruntersuchungen mit dem Ziel, die Gedenksteine samt Umfeld zu rekonstruieren. 1846 sei der Batteriestein erstmalig erwähnt worden, berichtet Anett Paul auf. Der Stein erinnere an die im Januar 1814 an diesem Standort stationierte Batterie, mit der die preußischen Belagerer die Festung Wittenberg beschossen hätten. „Der aktuelle Zustand entspricht nicht dem ursprünglichen Aussehen“, betont Paul. 

Bild: Der Tauentzienstein gegenüber dem Amtsgericht wird demontiert und im Stadtgut Seegrehna eingelagert. Der Hallenser Bildhauer Christoph Reichenbach fertigt die Replik an. Foto: Wolfgang Gorsboth





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