12.10.2021

Berlin / Wittenberg (WiSo) Nach der Wahl ist vor der Wahl: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), rufen zum zweiten Mal gemeinsam dazu auf, den „Vogel des Jahres“ öffentlich zu wählen. Unter www.vogeldesjahres.de können alle Leserinnen und Leser mitbestimmen, wer der neue Jahresvogel werden soll. 

„Bei der ersten öffentlichen Wahl hatten sich mehr als 455.000 Menschen beteiligt und das Rotkehlchen zum Vogel des Jahres 2021 gekürt - eine überwältigende Beteiligung", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller, „wir freuen uns sehr, dass das Interesse an Naturschutz und der heimischen Vogelwelt so groß ist und legen darum die Vogelwahl auch für die kommenden Jahre in die Hände aller, die mitentscheiden wollen.“ 

Deutschland leben 307 Vogelarten. Damit die Wahl etwas erleichtert wird, haben die Vogelkundler des NABU fünf Arten ausgesucht, unter denen abgestimmt werden kann. Für den Jahresvogel 2022 ins Rennen gehen: Bluthänfling, Feldsperling, Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf. 

„Jeder der fünf Vögel steht für ein Naturschutzthema, das unsere Aufmerksamkeit braucht", betont Miller, „so sind mit Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf gleich drei Zugvogelarten auf der Wahlliste. Zugvögel leiden besonders stark unter dem Klimawandel, da sie auf intakte Verhältnisse an mehreren Orten der Welt angewiesen sind.“ 

Die Mehlschwalbe leidet als Insektenfresser und Gebäudebrüter unter zwei Problemen, die ihren Bestand gefährden: Durch das Insektensterben hat sie weniger Nahrung zur Verfügung und außerdem werden ihre Nistplätze zum Beispiel bei Gebäudesanierungen entfernt. Ihr Wahlkampfslogan lautet darum: „Mieterschutz für Vögel!" 

Der Steinschmätzer ist wie auch die Mehlschwalbe ein Langstreckenzieher und mit 30.000 Kilometern Jahreszugstrecke rekordverdächtig unter den Singvögeln. „Vom Aussterben bedroht ist diese Art bei uns, weil sie immer weniger Lebensraum zur Verfügung hat“, weist Miller auf ein typisches Problem hin, „der Steinschmätzer braucht offenes, vegetationsarmes Gelände.“ Deshalb geht er mit dem Slogan „Mut zur Brache!“ ins Rennen.

Der Wiedehopf ist mit seinem langen Schnabel und seinen orangefarbenen Scheitelfedern der optisch spektakulärste Kandidat. Er lebt ausschließlich in besonders warmen Gegenden in Deutschland, zum Beispiel am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg. „Die Art wäre deutlich häufiger, wenn es mehr halboffene Landschaften mit vielen Insekten gäbe, wie Weideflächen oder pestizidfreie Weinberge", erläutert Miller. Der Wahlkampfspruch des Wiedehopfs heißt: „Gift ist keine Lösung!“ 

Den Feldsperling dürften alle Vogelfreundinnen und -freunde schon gesehen haben. „Er hat sich wie auch der Haussperling den Menschen angepasst und lebt häufig in unseren Siedlungen. Die Spatzenart hat nach der Brutzeit ein ausgeprägtes Sozialverhalten, die Vögel versammeln sich dann gern in Sträuchern. Der Feldsperling brütet in Baumhöhlen oder Nistkästen und fordert auch deshalb: "Ohne Gehölz, ohne mich!" 

Sein gruseliger Name täuscht: der Bluthänfling ist kein Greifvogel, sondern eine kleine Finkenart mit roter Brust und einer Vorliebe für vegetarische Kost, wie Körner, Samen und Früchte. Sein Bestand ist gefährdet, weil er in monotonen Ackerlandschaften keine Heimat findet. Er fordert für seinen Brutplatz: „Mehr Hecken zum Verstecken! 

Hinweis:

Bis zum Vormittag des 18. November kann unter www.vogeldesjahres.de abgestimmt werden. Noch am selben Tag geben NABU und LBV den Sieger bekannt. Der "Vogel des Jahres" ist in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt worden, und seit 2021 gibt es die öffentliche Wahl.




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