Rudolf Kaufhold engagiert sich seit Jahren für einen klima- und umweltfreundlichen ÖPNV. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

Rudolf Kaufhold engagiert sich seit Jahren für einen klima- und umweltfreundlichen ÖPNV. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

06.09.2021

„Biogasbusse im Depot helfen weder dem Klima noch der Umwelt“

Rudolf Kaufholds langer Kampf für saubere Busse

Wittenberg (wg). Die Folgen des globalen Klimawandels sind längst in den Städten und Gemeinden angekommen, wie kleinräumliche Überflutungen infolge von Starkregen, hitzebedingte Belastungen oder die Dauer von Trockenperioden zeigen. „Städte und Gemeinden sind Opfer des Klimawandels, ihnen kommt deshalb eine Schlüsselrolle zu, Treibhausgas-Emissionen durch umwelt- und klimafreundliche Mobilitätskonzepte abzusenken“, erklärt Rudolf Kaufhold, langjähriges Mitglied des Wittenberger Stadtrates und des Kreistages. 

Vor allem der Öffentliche Personennahverkehr sei ein wichtiger Baustein, um Klimaziele im Verkehrsektor zu erreichen. Der ÖPNV müsse so attraktiv gestaltet werden, dass die Bürger ihn als echte Alternative zum Auto wahrnehmen, gleichzeitig müsse sichergestellt sein, dass nur Busse mit dem aktuell umweltfreundlichsten Antrieb im Einsatz seien: „Das sind laut Aussage des Umweltbundesamtes in Dessau mit Biogas betriebene Busse, weil sie die geringsten Kohlendioxid- und Stickoxid-Emissionen verursachen. In Stadt und Kreis Wittenberg verkehren aber vorwiegend Busse mit konventionellen Dieselmotoren, die die Umwelt besonders stark belasten.“ 

Er habe alle Kreistagsmitglieder schriftlich über die Aussage des UBA informiert, damit diese im neuen Nahverkehrsplan, der in 2025 in Kraft tritt, Biogasbusse als Standard festschreiben. „Bis Ende 2006 fuhren in Wittenberg sechs mit Biogas betriebene Erdgasbusse, gefördert von Bund und Land“, so Kaufhold. Um diese zu betanken, hatten die Stadtwerke eigens in der Berliner Chaussee eine Gastankstelle eingerichtet, das Biogas wird regenerativ und regional erzeugt. 

„Dass die Biogasbusse ungenutzt im Depot bei Scalar herumstehen trägt definitiv nicht zum Klimaschutz und auch nicht zur Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe bei“, kritisiert Kaufhold und empfiehlt die Lutherstadt, die dadurch entgangenen Gewerbesteuereinnahmen beim Landkreis einzuklagen. Im ersten, bis 2006 geltenden Nahverkehrsplan seien die klimafreundlichen, alternativen Antriebe festgeschrieben gewesen. In der Ausschreibung nach dem sogenannten Wittenberger Modell habe man plötzlich darauf verzichtet, die positive Klimabilanz von Biogasbussen zu berücksichtigen. 

„Inzwischen liegt nach einem langwierigen Verfahren ein höchstrichterliches Urteil vor, welches eindeutig besagt, dass in 2007 Scalar den Zuschlag hätte erhalten müssen“, berichtet Kaufhold. „Hier stellt sich für mich die Frage nach der fachlichen Kompetenz der Kreisverwaltung und warum der zuständige Ausschuss außen vor gelassen wurde.“ Immer wieder appelliere er in Briefen an die Kreistagsmitglieder und Stadträte, sich für einen klimafreundlichen ÖPNV einzusetzen: „Mit einer Ausnahme hat mir bislang niemand geantwortet, auch Dr. Reinhild Hugenroth von den Grünen nicht.“ Maik Müller, Stadtrat der Fraktion der Linken und Vorsitzender des ÖPNV-Fahrgastbeirates, befürwortet den Einsatz von Biogasbussen in Zeiten des Klimawandels.

„Ist Klima- und Umweltschutz nur was für die Galerie in Wahlkampfzeiten oder meinen wir es ernst?“ fragt sich Kaufhold und erinnert daran, dass im Aktionsplan zur Luftreinhaltung in der Stadt Wittenberg ebenfalls festgelegt ist, dass insbesondere in der verkehrlich stark belasteten Dessauer Straße nur Biogasbusse eingesetzt werden sollen. „Diese Satz ist Makulatur und müsste deshalb gestrichen werden, was aber in Zeiten der Erderwärmung mehr als peinlich wäre“, betont Kaufhold. 

Er habe Robert Habeck von Bündnis 90/Die Grünen bei einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Wittenberger Marktplatz über den Sachverhalt informiert, dieser sei entsetzt gewesen. „Ich will Habeck unbedingt noch vor der Bundestagswahl am 26. September nach Wittenberg holen, damit er sich persönlich ein Bild machen kann“, kündigt Kaufhold an, der sich von dem prominenten Spitzenpolitiker Unterstützung erhofft: „Es geht um die Umwelt, ums Klima und politisch ums Prinzip, denn es kann nicht sein, dass Entscheidungen des Kreistages und des Stadtrates, die nie aufgehoben wurden, einfach unterlaufen werden.“ 

Das „Wittenberger Modell“, auf das einige Mitarbeiter in der Kreisverwaltung heute noch stolz seien, habe laut Landesrechnungshof einen Schaden von circa sieben Millionen Euro angerichtet. 

Bild: Rudolf Kaufhold engagiert sich seit Jahren für einen klima- und umweltfreundlichen ÖPNV. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv




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