Oberbürgermeister Torsten Zugehör wartet vor dem Neuen Rathaus auf die Elternvertreter und nutzt die Zeit zu Gesprächen mit den Demonstranten. Foto: Wolfgang Gorsboth

Oberbürgermeister Torsten Zugehör wartet vor dem Neuen Rathaus auf die Elternvertreter und nutzt die Zeit zu Gesprächen mit den Demonstranten. Foto: Wolfgang Gorsboth

17.08.2021

Eltern wollen Trägervielfalt und das Wahlrecht respektiert sehen

Kita-Kündigungen: Demonstration vor dem Neuen Rathaus

Wittenberg (wg). Das Gespräch der Elternvertreter der von der „Rekommunalisierung“ betroffenen Kitas „Wortschatzpiraten“ und „Schnatterinchen“ sowie eines Gemeindeelternvertreters mit Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) am späten Dienstagnachmittag im Neuen Rathaus nutzten mehr als 50 Eltern, Kinder und Erzieherinnen, um gegen die Pläne der Stadt und für den Erhalt der Trägervielfalt zu demonstrieren. Das Gespräch hatte der OB vorab in einem Brief an die Eltern und Erzieherinnen angekündigt. 

An dem Gespräch nahmen auch Vertrauenspersonen einer Bürgerinitiative teil, die mit Hilfe von 3.000 Unterschriften ein Bürgerbegehren einleiten will, 40 Prozent wurden bereits erreicht. Damit soll der Stadtrat gezwungen werden, sich mit seinen kurz vor den Sommerferien im nichtöffentlichen Teil beschlossenen Mietkündigungen noch einmal zu befassen: Hebt er den Beschluss nicht auf oder findet er keinen akzeptablen Kompromiss, steht den Initiatoren der Weg des Bürgerentscheids offen. 

Mit der Kündigung der Mietverträge für die beiden größten Einrichtungen des Kitawerks e.V. wäre nach fast 30 Jahren anerkannter Arbeit der freie Träger in seiner Existenz gefährdet. Außerdem ist von der Kündigung der Mietverträge auch die Kita „Forschergeister“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betroffen, perspektivisch sollen sogar insgesamt 15 Einrichtungen freier Träger in Immobilien der Stadt vom kommunalen Eigenbetrieb „KommBi“ übernommen werden. 

Cora Böttcher, deren Tochter die Kita „Wortschatzpiraten“ besucht, fühlt sich von Stadt und Stadtrat übergangen: „Meine bewusste Entscheidung für diese Einrichtung und für das Kitawerk als Träger werden ignoriert und sollen offenbar im Nachhinein revidiert werden.“ Sie habe sich für diese Kita entschieden, weil dort nach dem Montessori-Konzept gearbeitet werde und ein zweiter Schwerpunkt auf die kindliche Sprachentwicklung gelegt werde – und dies mit Erfolg: Seit einem Jahr darf die Einrichtung das Gütesiegel „Buchkindergarten“ tragen. 

Sie habe sich zudem für diese Einrichtung entschieden, weil sie in Vollzeit arbeite und jeden Tag nach Halle pendeln müsse: „Die Kita hat bis 20 Uhr, in Ausnahmefällen auch bis 21 Uhr geöffnet, während die meisten Einrichtungen um 17 Uhr schließen.“ Mit der Kündigung der Mietverträge werde dem freien Träger die Grundlage der Betreibung entzogen, obwohl es nie Kritik an den pädagogischen Konzepten oder der Qualität der geleisteten Arbeit gegeben habe. 

Bei einer Übernahme durch den Eigenbetrieb „KommBi“ sei eben nicht gewährleistet, ob die von den Eltern gewollte pädagogische Profilierung fortgeführt werde, ob es bei den verlängerten Öffnungszeiten bleibe und ob auch weiterhin das in der Einrichtung selbst gekochte Essen, welches sich in seiner Qualität positiv von anderen Kitas unterscheide, angeboten werde. 

Die studierte Betriebswirtin bezweifelt zudem die Ergebnisse der Studie des Innenministeriums, die belege, dass der kommunale Träger „KommBi“ deutlich wirtschaftlicher arbeite als freie Träger: „Es gibt eine ähnliche Studie des Landkreises von 2018, die zu einer gegenteiligen Aussage kommt. Welche Studie stimmt also? Und darf es sein, dass finanzielle Aspekte wichtiger sind als das Wahlrecht der Eltern?“ 

Dass man kurz vor den Sommerferien diesen Beschluss durchgesetzt und vollendete Tatsachen geschaffen habe, ohne vorher mit den Eltern und den freien Trägern das Gespräch zu suchen, habe aus ihrer Sicht ein Geschmäckle: „Offenbar sollte der zu erwartende Widerstand von Eltern und Erzieherinnen so gering wie möglich gehalten werden.“

Konstruktives Gespräch 

Stadtpressesprecherin Karina Austermann wertete im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag das Gespräch zwischen den Elternvertretern und OB Zugehör als konstruktiv. Die Elternvertreter hätten einen Fragekatalog vorgelegt, „den wir aus unserer Sicht überzeugend beantwortet haben.“ Man werde das Gespräch schriftlich auswerten und das Papier den Elternvertretern zur Verfügung stellen, diese wiederum wollten ihren Fragekatalog überarbeiten. 

Als nächstes werde es ein Gespräch mit Sabine Lühnsdorf geben, der Geschäftsführerin des Kitawerks Wittenberg e.V. und danach eine zweite Runde mit den Elternvertretern. Überdies, so Austermann, werde die Stadt die Bürgerinitiative bei ihrem Bürgerbegehren mit juristischem Rat unterstützen. 

Bild: Oberbürgermeister Torsten Zugehör wartet vor dem Neuen Rathaus auf die Elternvertreter und nutzt die Zeit zu Gesprächen mit den Demonstranten. Foto: Wolfgang Gorsboth





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