Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat das neue Politikpapier des „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ entgegen genommen. Gibt es das Wunder der Realisierung? Foto: BMU / Sascha Hilgers

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat das neue Politikpapier des „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ entgegen genommen. Gibt es das Wunder der Realisierung? Foto: BMU / Sascha Hilgers

09.08.2021

Heute oder morgen können sie geschehen - wirklich?

Wunder gibt es immer wieder: Nur ein alter Gesang?

- Ein Leitartikel von Wolfgang Marchewka - 

Die Deutschland-Premiere gelang vortrefflich: Eine junge Sängerin aus der Studentenbewegung gewann mit ihrem Lied „Wunder gibt es immer wieder“ die deutsche Vorrunde des „Grand Prix Eurovision“, landete anschließend bei diesem internationalen Wettbewerb in Amsterdam auf Platz drei und Katja Ebstein hatte den Grundstein für ihre internationale Karriere gelegt. Das war im Jahre 1970 – und seitdem hoffen viele gut informierte Menschen noch immer auf ein Wunder: auf das Wunder nämlich, dass ein deutsche Bundesregierung den Klimawandel erst nimmt und die notwendigen Maßnahmen ergreift, um Schaden vom Land und seinen Menschen abzuwenden. 

Zehn Jahre später, ein Wunder war noch immer nicht geschehen, wagte ein buntes Häufchen aus Umweltaktivisten und sozial engagierten Menschen die Gründung einer neuen politischen Partei: Die Grünen. Der Schreck unter den Etablierten war damals groß, und in manchen Kreisen schreckt es 40 Jahre später – also heute - immer noch. Warum nur?

Eigentlich waren es unter den Politikern nur die Grünen, die rechtzeitig genug einen besseren Umweltschutz anmahnten und immer wieder auf den Klimawandel und dessen möglich Folgen aufmerksam machten. War es das, was Politiker und Bundesbürger immer wieder aufschrecken ließ und was zu diffamierenden Äußerungen bis hin zu Hassattacken gegen die Umweltbewegten führte? 

So war der verbale Zustand noch Mitte Juli 2021, als sich manche Politiker durch die Schrecken der jüngsten Hochwasserkatastrophe mit mehr als 160 Toten und Sachschäden in Milliardenhöhe genötigt fühlten, über mehr Umweltschutz zu reden. 

Zu reden – was aber noch den bisherigen Erfahrungen noch lange nicht bedeutet, dass dem Reden vor TV-Kameras auch sinnvolle Taten zeitnah folgen. 

Eigentlich müsste das Diskussionsdrama um die richtige Umwelt- und Klimaschutzpolitik kein politisches sein – im Sinne von die robusten Wirtschaftstraditionalisten wollen die umweltsensible „Grünchen“ möglichst einstampfen - denn es gibt auch in Deutschland international geschätzte Forscher mehrerer Disziplinen und dazu Wetterexperten, die immer wieder betonen, dass wir schon mittendrin sind im Klimawandel und dass als Folge dessen die Menschen sich auf gefährliche Wetterextreme wie Dürren einerseits und Starkregen andererseits einstellen müssten. 

Katja Ebstein könnte erneut von einem diesmal konkreten Wunder singen, würde die Mehrheit der Politiker auf diese anerkannten Fachleute hören und danach handeln. Bester Beweis: Bereits seit vielen Jahren gibt es den „WBGU“, ein „Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen.“ Im Regierungsauftrag erarbeitet das Gremium, in dem mehrere namhafte Professoren mitwirken, alle Jahre ein Politikpapier zum Stand der Umweltveränderungen und schlägt die nötigen Maßnahmen vor. Im Juni ist mit Blick auf die 26. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention, die im November in Glasgow stattfindet, Politikpapier Nr. 12 erschienen mit dem bemerkenswerten Titel „Über Klimaneutralität hinausdenken.“ 

Dazu sagt Dr. Benno Pilardeaux, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit: „In dem Papier empfiehlt der WBGU, nationale Langfriststrategien zu einem Hauptthema der Glasgower Klimakonferenz zu machen, um der aktuellen Klimapolitik Orientierung zu bieten. Bislang sind die Staaten nur dazu verpflichtet, kurzfristige „national festgelegte Beiträge“ zum Klimaschutz vorzulegen. Diese müssen deutlich ambitionierter werden und schon heute einen Pfad einschlagen, mit dem die Ziele des Pariser Übereinkommens erreicht werden können.“ Soll heißen: Mit den derzeitigen Handlungsweisen wird auch Deutschland die in 2015 auf der internationalen Klimakonferenz in Paris beschlossene Abkommen nicht einhalten können. 

Und das ist nicht die erste Vereinbarung, die Deutschland bricht: Professor Stefan Rahmstorf, einer der weltweit renommiertesten Experten für Klimafolgenforschung, sagte schon 2018 in einer Talkshow mit Maybrit Illner: „Es bringt nichts, Ziele zu proklamieren, die man nicht einhält. Wir hatten schon 1995 ein Klimaziel beschlossen für 2005, jetzt verpassen wir 2020 und versprechen was für 2030. Die Zeit läuft uns davon." Und heute ergänzt Rahmstorf in einem Video für „Die Zeit“: Der Klimawandel ist keine Zukunftsmusik, wir stecken schon mittendrin." 

Ebenfalls im Juni dieses Jahres hat das Deutsche Klima-Konsortium, in dem unter anderem die Deutsche Meteorologische Gesellschaft, der Deutsche Wetterdienst und die Helmholz-Klima-Initiative zusammenarbeiten, eine Dokumentation herausgegeben mit dem Titel „Was wir heute übers Klima wissen.“ Darin enthalten sind nach der Aussage der Herausgeber „Basisfakten zum Klimawandel, die in der Wissenschaft unumstritten sind." Für Wenigleser gibt es als eine Art „Vorwort“ in wenigen Worten fünf Kerninfos zum Klimawandel: 1. Er ist real. 2. Wir sind die Ursache. 3. Er ist gefährlich. 4. Die Fachleute sind sich einig. 5. Wir können noch etwas tun. 

Und schließlich: Am Montag, dem 9. August, hat der Weltklimarat in seinem 6. Bericht „CLIMATE CHANGE 2021“ die Regierenden zum sofortigen Handeln ermahnt. 

„Wunder gibt es immer wieder“ hat Katja Ebstein gesungen. Jetzt sind ganz dringend Politikerinnen und Politiker nötig, die das Wunder vollbringen, nicht nur an den nächsten Wahltermin zu denken, sondern daran, wie sie auch noch unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt auf dem Planeten Erde erhalten können. 

Bild: Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat das neue Politikpapier des „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ entgegen genommen. Gibt es das Wunder der Realisierung? Foto: BMU / Sascha Hilgers




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