Seit 30 Jahren ist Elke Witt für die Region im Tourismus aktiv, ihre Diplomarbeit schrieb die studierte Geografin über Landschaftszerstörung und Rekultivierung im Braunkohle-Tagebau Golpa-Nord. Foto: Wolfgang Gorsboth

Seit 30 Jahren ist Elke Witt für die Region im Tourismus aktiv, ihre Diplomarbeit schrieb die studierte Geografin über Landschaftszerstörung und Rekultivierung im Braunkohle-Tagebau Golpa-Nord. Foto: Wolfgang Gorsboth

30.07.2021

Vom kreislichen Referat zum Tourismusverband WelterbeRegion

Elke Witt engagiert sich seit 30 Jahren für den Tourismus

Wittenberg (wg). „Es waren spannende und herausfordernde 30 Jahre“, blickt Elke Witt, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag zurück. Das „Welterbe“ führt der Verband erst seit 2015 im Namen und punktet seither mit den in der Region verdichteten Unesco-Welterbestätten. Punkten konnte der Verband auch ganz aktuell beim Strukturwandel im Rahmen des geplanten Ausstiegs aus der Braunkohle: „Anfangs fanden wir keine Berücksichtigung, dank Kritik und Intervention unseres Verbandes wird unsere Erlebnisroute ‚Kohle, Dampf, Licht, Seen’ ein Leitprojekt der Innovationsregion Mitteldeutschland.“ 

Immerhin stehen rund acht Milliarden Euro für das Mitteldeutsche Revier zur Verfügung, wobei es nur noch im Burgenlandkreis und im Saalekreis aktive Tagebaue gibt. Gräfenhainichen und Bitterfeld, die zum Verbandsgebiet gehören, sind bereits Anfang der 1990er Jahre aus der Kohle ausgestiegen und haben auch ohne große Förderung einen Strukturwandel initiiert, der international anerkannt wird: „Unsere Region ist Vorreiter beim Kohleausstieg, hier wurden die bislang weltweit größten Rekultivierungsprojekte erfolgreich umgesetzt, aus denen sich neue touristische Destinationen entwickelt haben.“ 

Wenn 2022 die wegen Corona verschobene World Canal Conference (WCC) in Leipzig stattfindet, wird die Verbandsgeschäftsführerin vor circa 450 Regierungsvertretern, Wissenschaftlern, Unternehmern und Touristikern aus aller Welt diese Erfolgsgeschichte vorstellen und damit die Region international bekannter machen. „Wir können heute wunderbare, ökologisch umfassend sanierte Tourismus- und Erholungslandschaften anbieten“, so Witt. 

Der nun auch anderen Kohlerevieren bevorstehende Strukturwandel erfordere außer Geld auch Ideen – und diese könne man präsentieren: Die hier erarbeitete Expertise könne von der Politik für das beschlossene Ende der Braunkohlen-Ära genutzt werden. Die Erlebnisroute „Kohle, Dampf, Licht, Seen“ sei eine tragende Säule im Gesamtmarketing der WelterbeRegion und dort im Außenmarketing mit den Unesco-Welterbestätten verbunden. „Industriekultur ist genauso ein touristischer Leuchtturm wie Luther, Bauhaus und Gartenreich“, betont Witt. 

Touristen würden verstärkt auf einen nachhaltigen, naturnahen und qualitätsvollen Inlandurlaub setzen, Corona habe diese Entwicklung beschleunigt. Darauf habe der Tourismusverband mit neuen Angeboten wie „WelterbeRadeln“ und „Welterbe & Wasser“ reagiert, zudem neue, personenbezogene Produkte abseits ausgetretener Pfade entwickelt. Der Claim „Welterbe“ soll weiter profiliert werden zu „Wir sind Welterbe“, so der vorläufige Arbeitstitel. 

„Corona hat den Deutschen nicht die Reiselust verdorben, aber durch die Pandemie haben sich die Reiseziele und das Reiseverhalten verändert“, erklärt die Tourismusfachfrau. Inlandtourismus werde verstärkt von Familien und jungen Individualreisenden nachgefragt, mithin internetaffinen Kunden. „Wir haben deshalb alle unser Homepages relaunched, Auftritte in den Social Media intensiviert und ganz neu auch Blogger-Aktivitäten entwickelt“, erläutert Witt, „wir haben in der Digitalisierung massiv aufgerüstet, um noch schneller und informativer zu sein. 

Die Radwege selber gebaut 

Gegründet wurde das Referat Tourismus in 1991 als eine Abteilung der Kreisverwaltung, das Fremdenverkehrbüro des Landkreises Wittenberg befand sich ab 1992 im linken Erdgeschoss des damaligen Kirchlichen Forschungsheims in der Mittelstraße/Wilhelm-Weber-Straße. „Wir hatten damals sogar noch ein ‚grünes Telefon’ für Umweltbelange als Reminiszenz an die DDR-Bürgerbewegung“, erinnert sich Witt. 

Wesentliche Meilensteine in den 1990er Jahren waren der Skulpturenpark in Bülzig zum Thema „Gastmahl der Engel“ – ein Gemeinschaftsprojekt des Referats für Tourismus, der Kirchengemeinde Zahna und des Arbeitsamtes. „Ziel war es, mit Natur und Kunst Gegenpole zur Technisierung der Gesellschaft und der Umweltzerstörung zu setzen“, sagt Witt. Unter der Regie des Referats für Tourismus wurde die Trachten-ABM ins Leben gerufen und 1995 in den eigenständigen Trachten-Verein überführt: damals die erste Privatisierung einer großen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) im Landkreis. Auch bei der Gründung des Vereins Fläming Flandern e.V. stand das Referat Pate. 

1996 wurden alle romanischen Kirchen im Landkreis systematisch erfasst und in einem umfangreichen Führer dokumentiert. Die zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert errichteten Gebäude sind früheste Zeugen der Kirchenbaukunst in der Region und zugleich die ältesten erhaltenen Bauwerke. „Radwandern war von Anfang an ein großes Thema“, bestätigt Witt, „damals haben wir als einzige Touristiker in Sachsen-Anhalt circa 250 Kilometer Radwege konzipiert und mit Hilfe von ABM gebaut, unter anderem Teile des Elberadweges und des Europaradweges R1.“ 

Vom Referat zum Welterbe 

2002 wurde das Referat als eigenständiger Verband „Tourismusregion Wittenberg“ aus der Kreisverwaltung outgesourct, Geschäftsführerin wurde Elke Witt. „Der damalige Landrat Hartmut Dammer hat uns bei der Privatisierung sehr unterstützt, weil erstens die touristischen Akteure unter einem Dach vereinigt werden sollten und weil zweitens ein selbständiger Verband effizienter arbeiten kann als eine schwerfällige Verwaltung.“ Dammer war auch der erste Vorsitzende. 

Mit der neuen Struktur erfolgte der Umzug in die Wittenberger Neustraße. 2010 schlossen sich die „Tourismusregion Wittenberg“ und der „Tourismusverband Anhalt“ zur neuen „Tourismusregion Anhalt-Dessau-Wittenberg zusammen, daraus wurde in 2015 die „WelterbeRegion“. 

Bild: Seit 30 Jahren ist Elke Witt für die Region im Tourismus aktiv, ihre Diplomarbeit schrieb die studierte Geografin über Landschaftszerstörung und Rekultivierung im Braunkohle-Tagebau Golpa-Nord. Foto: Wolfgang Gorsboth




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