19.07.2021

Evangelische Gesamtschule unterstützt Schüler auf dem Weg zum Wunschberuf

Wertvolle Erfahrungen mit einem Betriebspraktikum sammeln

Wittenberg (wg). „Von akademischen Berufen abgesehen, erfährt Arbeit in unserer Gesellschaft eine viel zu geringe Wertschätzung“, beschreibt Antje Vollmer, Fachlehrerin für Wirtschaft, Informatik und Berufsorientierung an der Evangelischen Gesamtschule „Philipp Melanchthon“, einen Missstand. Die Schule habe die Aufgabe, junge Menschen aufs Leben vorzubereiten, dazu gehöre eine frühzeitige und umfassende Berufsorientierung inklusive Praktika: „Ziel der Praktika ist es, den Schülern zu vermitteln, dass das, was Menschen leisten, einen Wert hat und Respekt verdient“, betont Vollmer. 

Coronabedingt konnten in 2020 keine Praktika stattfinden, dies, so Vollmer habe in der Beruforientierung eine schmerzliche Lücke gerissen, die man schließen wolle. „Deshalb sind wir sehr glücklich, dass Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 noch bis zum 20. Juli Betriebspraktika absolvieren können“, erklärt Vollmer. Aufgrund der Corona-Situation habe man zwar die Verpflichtung zu einem Praktikum für 2021 ausgesetzt, aber dennoch gehofft, dass sich die Pandemielage zum Sommer hin so weit entspanne, dass Praktika wieder möglich seien.

„Wir haben unsere Schüler bestärkt, sich um einen Platz zu bemühen“, so Vollmer, „und das mit Erfolg, denn 114 Praktikumsvereinbarungen mit 95 Unternehmen und Organisationen wurden abgeschlossen. Damit absolvieren 90 Prozent der Schüler der Klassen 7 bis 9 ein Praktikum.“ Praktikumsplätze stellten große Firmen zu Verfügung, das Handwerk, viele soziale Träger, Kureinrichtungen, Apotheken und Arztpraxen, Dienstleister, Hotels und die Polizei. 

Auch das fünftägige berufsorientierende Projekt „Brafo“ der 7. Klassen fand in diesem Jahr vor den Sommerferien wieder mit dem Partner BBW statt. „Bei ‚Brafo’ übernehmen wir die Organisation, die Praktikumsplätze müssen sich die Schüler aber selbständig suchen“, so Vollmer. Die Resonanz bei den Unternehmen sei groß, denn Nachwuchs werde händeringend gesucht. Weitere Partner seien die Berufsberater der Agentur für Arbeit. Auch Bewerbungsgespräche würden geübt, damit diese so realitätsnah wie möglich gestaltet werden könnten, lade man Experten aus der Wirtschaft ein. 

„Die Berufs- und Studienorientierung sowie die Betriebspraktika sind feste Bestandteile unseres Schulkonzepts“, erläutert Ingo Kliche, Geschäftsführer der Evangelischen Gesamtschule. Leider gebe es noch immer die irrige Vorstellung, dass es für junge Menschen von Vorteil sei, so lange wie möglich die Schulbank zu drücken, um mit dem Abitur den höchsten Schulabschluss zu erreichen und so die Option auf ein Studium zu haben - unabhängig von Eignung und Neigung. 

„Der Arbeitsmarkt hat eine Dynamik entfaltet, die guten und motivierten jungen Menschen auch ohne Abitur und Studium hervorragende berufliche Perspektiven bietet“, betont Kliche. Damit Schüler die richtige Berufswahl treffen könnten, bräuchten sie rechtzeitig Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern und müssten berufliche Erfahrungen aus erster Hand machen. Nur so ließen sich frustrierende Ausbildungsabbrüche vermeiden. 

„Mit unserer Form der Berufs- und Studienorientierung wollen wir Vorurteile gegenüber Berufswegen ohne oder mit Abitur abbauen“, berichtet Kliche. Über die Praktika hinaus werde auch im Wirtschafts-, im Hauswirtschafts- und Technikunterricht sowie im Wahlpflichtfach Berufs- und Lebenskunde Wissen zur Berufswahl vermittelt, zudem eine fundierte digitale Bildung, die sich an den Anforderungen der modernen Arbeitswelt orientiere. Dem praxis- und projektorientierten Lernen widmen sich auch die Arbeitsgemeinschaften wie die AG Handwerk oder die AG Imker. 

 Auf dem Weg zum Wunschberuf 

Die Berufs- und Studienorientierung beginnt in der Evangelischen Gesamtschule in Klasse 7 mit dem fünftägigen „Brafo“ („Berufswahl Richtig Angehen Frühzeitig Orientieren“) und dem ersten, zwei Tage umfassenden Betriebspraktikum. In Klasse 8 stehen das zweite, fünf Tage umfassende Betriebspraktikum sowie ein neuntägiges Sozialpraktikum auf dem Plan, bei letzterem arbeiten die Schüler in Kliniken, Altenpflegeheimen, Kitas, Behinderteneinrichtungen und in der Suppenküche der Diakonie. 

„Dies soll unsere Schüler für Mitmenschlichkeit, Respekt und soziale Sensibilität öffnen“, sagt Vollmer, „und sie motivieren, selbst Dienst zu leisten, statt Dienste anderer in Anspruch zu nehmen.“ In Klasse 9 gibt es das dritte Betriebspraktikum von zehn Tagen, außerdem wird das Fach „Berufsorientierung“ als Ergänzung zum Wirtschaftsunterricht eingeführt. Von Klasse 10 bis 13 finden individuelle Berufsberatungen sowie die Vorbereitung auf ein Studium mit Blick auf Aufnahmeverfahren und Prüfungen statt. 

Bild: Antje Vollmer, Fachlehrerin für Wirtschaft, Informatik und Berufsorientierung und Ingo Kliche, Geschäftsführer der Evangelischen Gesamtschule. Foto: Wolfgang Gorsboth





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