19.07.2021

Ausstellung in Oranienbaum informiert über die verschiedenen Orangerietypen

Häuser für Pflanzenschätze im Gartenreich Dessau-Wörlitz

Oranienbaum (WiSo). Bis zum 15. September lädt die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ein in die Orangerie im Schlosspark Oranienbaum, dort kann die Orangenkultur im Gartenreich entdeckt werden. Zusätzlich zur Hauptausstellung informieren Tafeln an den anderen Pflanzenhaus-Standorten am Palmenhaus in Wörlitz sowie an den Orangerien im Luisium und im Schlosspark Mosigkau in Dessau über die Geschichten der jeweiligen Häuser und beleuchten ihre Bedeutung für das Gartenreich. 

Zitrusgewächse mit ihren duftenden Blüten und aromatischen Früchten begeistern die Menschen schon seit Jahrhunderten. Für die Kultivierung dieser frostempfindlichen Exoten sind in Mitteleuropa speziell konstruierte Überwinterungshäuser entwickelt worden: die Orangerien. Im Gartenreich Dessau-Wörlitz stößt man in vergleichsweise enger Nachbarschaft auf unterschiedliche Ausführungen dieses Gebäudetyps. Die Orangerie im Park Luisium erinnert an englische Vorbilder, die Bauten in Mosigkau und in Oranienbaum sind Beispiele klassizistischer Architektur und das Palmenhaus in Wörlitz wurde im neogotischen Stil errichtet. 

Einer Überlieferung nach soll sich bereits Fürst Joachim Ernst von Anhalt (1536-1586) in seiner Residenz in Dessau der Orangenzucht gewidmet haben. Besondere symbolische Bedeutung erlangten die Orangen hier seit der Heirat des Fürsten Johann Georg II. von Anhalt-Dessau (1627-1693) mit Henriette Catharina (1637-1708), galten sie doch als Wappenpflanzen ihrer Familie von Oranien Nassau. 

Obwohl sich ihr Urenkel Fürst Franz (1740-1817) mit der Anlage von Landschaftsgärten einem ganz anderen Zeitgeist in der Gartenkunst verschrieben hatte, hielt er die Tradition der Orangenkultur weiterhin in Ehren. Inspiriert von seinen Reisen durch Italien, nahm er weitere Pflanzenarten aus dem mediterranen Raum auf, wie dies im Übrigen auch schon seine Vorfahren getan hatten. So findet man neben den Zitrusgewächsen unter anderem auch Lorbeer, Granatapfel oder verschiedene Palmen-Arten. 

Die Kultivierung von Zitrusgewächsen und anderen exotischen Kübelpflanzen galt als Inbegriff höchster gärtnerischer Kompetenz. Erfolge in Anzucht und Pflege der Pflanzen sowie die perfekte Formung der Orangenbäume durch Schnitt zeugten in besonderem Maße vom Können und der Kunstfertigkeit der Gärtner. Obwohl die traditionsreiche Kultur dieser Pflanzen unter widrigen Zeitumständen manche Einschränkungen erfahren musste, wurde sie jedoch nie gänzlich aufgegeben. Mit dem Wiederaufbau der Zitrussammlung vor allem in Oranienbaum hat dieser Teil des gartenkulturellen Erbes während der zurückliegenden zwei Jahrzehnte eine wesentliche Reaktivierung erfahren. 

Die Ausstellung in der Orangerie Oranienbaum präsentiert nicht nur interessante Zeugnisse dieser speziellen Seite örtlicher Gartenkulturgeschichte, beispielsweise an Hand von historischen Bauzeichnungen. Es wird außerdem das enge Beziehungsgeflecht zwischen den Fürstenhöfen in Dessau, Bernburg, Köthen und Zerbst aufgezeigt, welches Ausgangspunkt einer überraschend vielfältigen Orangeriekultur auf dem Territorium des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt gewesen ist. 

Bild: Blick in die Orangerie in Oranienbaum. Foto: KsDW




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