Bild: An das Reformationsjubiläum und den Abschlussgottesdienst in 2017 auf den Elbwiesen denkt Dannenberg (m.) gerne zurück: Hier auf der von der Bundeswehr errichteten Pontonbrücke. Foto: Ronald Gauert

Bild: An das Reformationsjubiläum und den Abschlussgottesdienst in 2017 auf den Elbwiesen denkt Dannenberg (m.) gerne zurück: Hier auf der von der Bundeswehr errichteten Pontonbrücke. Foto: Ronald Gauert

18.06.2021

Trotz Flutkatastrophe und Viruskrise große Erfolge

Jürgen Dannenbergs ereignisreiche Zeit

Wittenberg (wg). Am Sonntag, dem 11. Juli, endet offiziell die Amtszeit von Jürgen Dannenberg (Linke) als Landrat. Der Lebiener kann nach 14 Jahren auf die bislang längste Amtszeit eines Landrates im Kreis Wittenberg zurückblicken, Wulf Littke (CDU) kam auf elf Jahre, Hartmut Dammer (parteilos) auf sechs Jahre. „Eine ereignisreiche Zeit“, resümiert Dannenberg im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „in der die Verwaltung und die unterschiedlich zusammengesetzten Kreistage fast immer einen Konsens finden konnten.“ 

Die zweite Amtszeit von 2014 bis 2021 wurde von besonderen Herausforderungen geprägt: „Dass es in 2013 zu einem zweiten Jahrhunderthochwasser nur elf Jahre nach der ersten verheerenden Flutkatastrophe kommen würde, hat niemand gedacht“, so Dannenberg. „Wir haben damals und danach von den Erfahrungen des Jahres 2002 profitiert, als das stabsmäßige Krisenmanagement in der Verwaltung etabliert und stetig weiter entwickelt wurde.“ 

Denn weitere Herausforderungen sollten folgen: 2015/16 der große Zulauf an Asylsuchenden, als in kürzester Zeit viele Menschen untergebracht, verpflegt und betreut werden mussten. Weil die einzige Gemeinschaftsunterkunft in Möhlau wegen der mangelnden Zuverlässigkeit des privaten Betreibers aufgelöst worden war, mussten die Turnhallen in Holzdorf und Griebo zeitweilig belegt werden. „Heute haben wir normale, dezentrale Unterkunftsstrukturen, die wir als Landkreis in eigener Regie betreiben“, betont Dannenberg, „dadurch liegen wir im Landesvergleich bei den Kosten unter dem Durchschnitt, weil wir wirtschaftlicher arbeiten.“ Gleichzeitig habe man mit den Integrationslotsen soziale Angebote für die Geflüchteten geschaffen, zusammen mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur Ausbildungsangebote bereitgestellt und viele Vereine und Initiativen für die ehrenamtliche Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund gewinnen können. 

Auch das Reformationsjubiläum in 2017 mit dem großen Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen sei logistisch eine große Herausforderung gewesen, ebenso der Tag der Bundeswehr in Holzdorf in 2018 mit rund 35.000 Besuchern. Seit Mitte März 2020 stellt die Corona-Pandemie alles in den Schatten: „Naturkatastrophen sind schlimm, aber zeitlich und örtlich begrenzt“, erklärt Dannenberg, „das Corona-Virus wird uns alle noch längere Zeit in Atem halten.“ 

Die Kollegen in der Verwaltung sowie in den Kliniken und Pflegeheimen hätten Enormes geleistet, außerdem dankte der Landrat den Städten für die Einrichtung der Pop-up-Impfzentren, um die Immunisierung der älteren Bürger zu beschleunigen. Auch das kreisliche Impfzentrum in der Turnhalle der Berufsschule habe eine gute Arbeit geleistet: „Das Impfen macht weiterhin gute Fortschritte und wir werden gut über den Sommer kommen, aber bereits ab Herbst werden die ersten Nachimpfungen erforderlich sein.“ 

In 14 Jahren Amtszeit gab es nicht nur Hochwasser, Waldbrände, Corona und Afrikanische Schweinepest, sondern auch positive Entwicklungen, wie die erfolgreiche Konsolidierung des Haushaltes: Zur Amtsübernahme in 2007 wies der Verwaltungshaushalt rund 47 Millionen Euro Schulden aus, aktuell liegt er im Plus und der Kreis kann Rücklagen bilden. Trotz der erfolgreichen Konsolidierung konnte die von den Städten zu zahlende Kreisumlage seit 2008 stabil bei maximal 47 Millionen Euro gehalten, 2020 und 2021 sogar gesenkt werden. Um die Konsolidierung zur Chefsache zu machen, hatte Dannenberg den Vorsitz im Ausschuss Haushalt und Finanzen übernommen. 

Bildung als Schwerpunkt 

 „Wir haben ein vom Kreistag beschlossenes Bildungsleitbild, die Digitalisierung der Schulen eingeleitet und mehr als 30 Millionen Euro in die Schulsanierung investiert“, bilanziert Dannenberg einen weiteren Schwerpunkt seiner Amtszeit. So habe man die Sekundarschulen in Kemberg, Bad Schmiedeberg, Jessen und Coswig saniert, die Förderschule Holzdorf habe ihren Ersatzneubau in Jessen bezogen, die Förderschule „Pestalozzi“ in Wittenberg sei komplett saniert worden. 

Für den Ersatzneubau der Förderschule Lindenallee in Gräfenhainichen erfolgte Mitte April 2021 der Spatenstich und das Paul-Gerhardt-Gymnasium hat Haus IV als Neubau bezogen, Haus V ist im Bau. Sanierung und Restaurierung des Haus Melanchthon und der Turnhalle des Luther-Melanchthon-Gymnasiums werden Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Turnhalle am Volkspark Piesteritz wurde saniert, ebenso der Sportplatz in der Schillerstraße an der Hundertwasserschule und die Sekundarschule Bad Schmiedeberg bekam eine neue Turnhalle inklusive Außenanlagen. 

„Wir haben für die Schulsanierung sechs Anträge auf Förderung aus dem Programm STARK III gestellt und sind in Sachsen-Anhalt der einzige Landkreis, der alle Anträge bewilligt bekommen hat“, dankt der Landrat den zuständigen Mitarbeitern für ihre „hohe Motivation und Willenskraft“. Mit dem Bildungszentrum Lindenfeld in der Lutherstadt habe man Musikschule und Kreisvolkshochschule als Einrichtungen des lebenslangen Lernens unter einem Dach vereint, das sei in Deutschland einmalig. 

Leader, Welterbe und die Naturparke 

Seit 2007 leitet Dannenberg die Lokale Aktionsgruppe (LAG) „Wittenberger Land“ im europäischen Leader-Prozess, die zu den leistungsstärksten in Sachsen-Anhalt zählt, er ist der einziger Landrat im Land, der einer LAG vorsteht. In der Förderperiode 2014 bis 2020 habe man mit sechs Millionen Euro das höchste Budget in insgesamt 25 Leader-Jahren akquiriert, mehr als 60 Projekte hätten gefördert werden können. „Mit Leader haben wir im ländlichen Raum viel Geld in weiche Standortfaktoren wie Erholung, Freizeit, Wohnen und Kultur investieren können, die sich zu wichtigen Haltefaktoren für die Bevölkerung entwickelt haben“, berichtet Dannenberg. Mit Leader werde Europa für die Menschen in der Region konkret fassbar. 

Dass die Kreise Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld sowie die Stadt Dessau im Tourismus (WelterbeRegion Anhalt-Dessau Wittenberg) und in der Wirtschaftförderung (Wirtschaftsförderungsgesellschaft Anhalt-Bitterfeld, Dessau, Wittenberg) gemeinsam agieren, ist ebenfalls ein Verdienst Dannenbergs, der Vorsitzender des Aufsichtrats der WFG und Mitglied im Beirat des Tourismusverbandes ist. „Im Zeitalter der Globalisierung müssen sich Regionen zu größeren Einheiten zusammenschließen, um stärker wahrgenommen zu werden“, betont Dannenberg, deshalb habe man auch das Regionalforum wiederbelebt und eine Zukunftsvision Anhalt 2025 entwickelt. 

Die Naturparke Fläming und Dübener Heide seien für den Landkreis als attraktive Natur- und Kulturlandschaften prägend, fast 40 Prozent Waldanteil seien der zweithöchste nach dem Harz. Deshalb stelle der Klimawandel eine besondere Herausforderung dar, Hitze, Dürre und Schädlinge hätten bereits jetzt enorme Schäden verursacht. Eine große Zukunftsaufgabe werde das integrierte Wassermanagement-Konzept sein, das mit Hilfe der Hochschule Anhalt realisiert werden soll.

Erhebliche Verbesserungen gibt es im Brand- und Katastrophenschutz, in Piesteritz wurde mit Hilfe von SKW eines der modernsten Ausbildungszentren in Betrieb genommen, eine neue Kraftfahrzeughalle im Feuerwehrtechnischen Zentrum des Kreises errichtet, der Digitalfunk eingeführt, Krisenzentrum und Leitstelle modernisiert. Zusätzliche Rettungswachen wurden im ländlichen Raum geschaffen, um die Einsatzzeiten zu verbessern – im August wird die neue in Cobbelsdorf in Betrieb gehen. 

„Alle Herausforderungen wurden gemeinsam bewältigt, alle Aufgaben gemeinsam mit engagierten und motivierten Mitarbeitern erfüllt, Arbeit funktioniert nur im Team“, lobt der scheidende Landrat seine Kollegen. Damit der Ruhestand für den dann 69-Jährigen nicht ganz entwöhnungs- und gewöhnungsbedürftig wird, will sich Dannenberg weiter engagieren, so bleibt er bis Ende 2022 Vorsitzender der LAG „Wittenberger Land“, er will sich im Verein Porzellaneum Annaburg sowie in die Arbeit der Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin einbringen. Außerdem wird er mehr Zeit für die Hobbys Lesen, Gartenarbeit und Kochen haben. 

Bild: An das Reformationsjubiläum und den Abschlussgottesdienst in 2017 auf den Elbwiesen denkt Dannenberg (m.) gerne zurück: Hier auf der von der Bundeswehr errichteten Pontonbrücke. Foto: Ronald Gauert




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