10.06.2021

Wittenberger Sonntag liest die Mittelbayerische Zeitung

Die Lokführergewerkschaft GDL will aus der Pandemie Honig saugen

Regensburg (ots) Alle reden von Corona. Nur die Lokführergewerkschaft GDL tut so, als gäbe es die Pandemie nicht. Schlimmer noch, die Organisation des überaus herrschsüchtigen Chefs Claus Weselsky will aus der Corona-Krise mit Milliardeneinbußen bei der Bahn nun sogar noch kräftig Honig saugen. Fast fünf Prozent mehr Geld und 1300 Euro Corona-Prämie für jeden der rund 20 000 in der GDL organisierten Lokführer hat Weselsky auf die Fahne geschrieben. Und um den Druck auf den Bahn-Vorstand zu erhöhen, werden Warnstreiks angedroht. 

Nun gönnt sicher jeder den Männern und - wenigen - Frauen im Führerstand mehr Geld für den verantwortungsvollen, systemrelevanten Job, der rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr geleistet wird. Doch das, was die GDL jetzt fordert und mit der Brechstange durchsetzen will, passt einfach nicht in die immer noch nicht überstandene Krise. Ein Lokführer-Streik ist so unnütz wie ein Kropf. Haben Weselsky und Co. den Schuss wirklich nicht gehört? Oder haben sie einfach Augen und Ohren geschlossen? Was geht es uns an, wie es der Bahn, anderen Branchen, den Fahrgästen und sonstigen Bahnkunden geht? 

Dass GDL-Chef Claus Weselsky gern den knallharten Klassenkämpfer und obersten Kritiker des Bahnvorstandes gibt, ist seit Jahren bekannt. Das ist sein Job. Doch das, was er jetzt tut, sein Ausscheiden aus dem GDL-Amt vor Augen, grenzt an das Motto: nach mir die Sintflut. Will es der Sachse mit einem großen Knall, mit Lokführer-Streiks ausgerechnet zu Beginn der Ferien- und Reisezeit, noch einmal allen zeigen? 

Aber das wäre töricht und fatal zugleich. Die Lokführergewerkschaft nimmt dabei offenbar sehenden Auges in Kauf, dass die ohnehin frustrierten Bahnkunden noch weiter verprellt werden. Und dass das defizitäre, staatliche Schienenunternehmen noch weiter in die roten Zahlen geritten wird. Der Zugverkehr ist während Corona um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Das ist eine Dimension, die selbst für die Krisengeschüttelte Bahn einmalig ist. Ein Streik in dieser Zeit ist völlig unangemessen. Gerade rappelt sich das Land langsam wieder aus der Krise. Ja, es beginnt, so etwas wie Urlaubsnormalität einzuziehen. Der GDL-Spitze scheint das alles, - mit Verlaub - am Allerwertesten vorbei zu gehen. Dass die 1867 gegründete Lokführer-Organisation, immerhin die älteste Gewerkschaft Deutschlands, jetzt so auf den Putz haut, hat indes auch mit der seltsamen Gewerkschaftskonkurrenz innerhalb der Deutschen Bahn AG zu tun. Der - mitgliedermäßig - größere Konkurrent, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), hat ohne viel Brimborium im vergangenen Herbst einen soliden Tarifabschluss erzielt. Über die dabei erzielten 1,5 Prozent mehr Geld sowie Jobgarantien und die Zusage für Weiterbildung hätte man sich in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft wohl ein Loch in den Bauch gefreut. 

Für die GDL dagegen ist die EVG eine Erwerbsminderungs-Gewerkschaft. Dabei ist die Konkurrenz, auch unter Gewerkschaften, per se nichts Ehrenrühriges. Die Koalitionsfreiheit genießt grundgesetzlichen Schutz. Der Staat kann und darf sich aus gutem Grund nicht direkt einmischen. Allerdings ist das, was derzeit zwischen den beiden Bahn-Gewerkschaften abläuft, ziemlich unsinnig. Es spaltet obendrein die Beschäftigten, sät Missgunst zwischen Lokführer einerseits und Zugpersonal und sonstige Bahnmitarbeiter andererseits, verärgert Bahnkunden und schadet dem ökologisch vorteilhaften Transportunternehmen auf der Schiene. 

In einer Hinsicht hat Weselsky mit seiner Kritik am DB-Vorstand allerdings Recht. Mit fragwürdigen Auslandsaktivitäten hat der Bahnkonzern in letzter Zeit viel Geld verbrannt, das jetzt im Kernland fehlt. Auch ist es zumindest fragwürdig, ob der Schienen-Staatskonzern wirklich mit DB Schenker das hierzulande größte Logistik- und Transportunternehmen auf der Straße betreiben muss.





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