Die bei Nudersdorf geplante Erdbeer-Plantage sorgte im Bauausschuss für emotionale Diskussionen, eine Zustimmung zum Gestattungsvertrag für die Zufahrt gab es nicht. Foto: Archiv

Die bei Nudersdorf geplante Erdbeer-Plantage sorgte im Bauausschuss für emotionale Diskussionen, eine Zustimmung zum Gestattungsvertrag für die Zufahrt gab es nicht. Foto: Archiv

08.06.2021

Zufahrt zur geplanten Erdbeer-Plantage als Druckmittel

Bauausschuss verweigert Gestattungsvertrag Zustimmung

Wittenberg (wg). Am Montag befasste sich der Bauausschuss mit dem neuen Gestattungsvertrag (Nutzungsvereinbarung) zwischen der Lutherstadt und der Wichard Schrieks Gemüse GmbH als Investor der bei Nudersdorf geplanten Erdbeer-Plantage. Das Areal ist von Apollensdorf Nord aus über einen Wald- und Feldweg zu erreichen, welcher der Stadt gehört. Aufgrund vieler offener Fragen entschied sich der Bauausschuss einstimmig für eine erste Lesung. 

In der Aprilsitzung hatte der Stadtrat auf Antrag der Fraktion der Linken die Entscheidung über den Gestattungsvertrag mit der Wichard Schrieks Gemüse GmbH an sich gezogen (der Wittenberger Sonntag berichtete) – als Folge des großen Misstrauens, weil der Investor mehrfach aus Sicht vieler Stadträte ohne rechtliche Genehmigungen vollendete Tatsachen geschaffen habe. 

Unter anderem sah sich auch die Stadt gezwungen, den Gestattungsvertrag vom 20. August 2020 sowie die Vertragskorrektur vom 3. Dezember 2020 mit der Begründung „gröbliche Verletzung der Verkehrssicherungspflichten“ zu kündigen. In der Folge wurde ein neuer Gestattungsvertrag verhandelt, der vom Investor unterzeichnet wurde – aber noch nicht von der Stadt, weil Oberbürgermeister Torsten Zugehör dazu ohne Zustimmung des Stadtrates nicht mehr berechtigt ist. 

„Der neue Gestattungsvertrag berücksichtigt alles, was vorher schief gelaufen ist“, erklärte Bürgermeister Jochen Kirchner, auch das fehlerhafte Verhalten eines Mitarbeiters, der unberechtigt die Vertragskorrektur unterschrieben habe, sei geklärt. Nicht klären können habe man die „Lecks“ in der Verwaltung und damit die Frage, wie aus nichtöffentlichen Sitzungen Informationen an den Investor bzw. dessen Projektmanager Helmut Rehhahn gelangt seien. 

Ohne dem Wegenutzungsrecht und der vom Landkreis verlangten Zuwegungsbaulast kann das Investitionsvorhaben nicht realisiert werden. Der Landkreis als Genehmigungsbehörde kann erst dann entscheiden, wenn seitens der Stadt/des Stadtrates bezüglich der Zufahrt das Einvernehmen vorliegt: Der unbefestigte Weg ist mithin der einzige Hebel, den die Stadträte in den Händen halten. 

Horst Dübner (Linke) erinnerte daran, dass die am Feld- und Waldweg ausgeführten Ausbauarbeiten durch die Stadt per Baustopp untersagt werden mussten, weil nicht zertifiziertes Baumaterial verwendet worden sei. Dass der Investor/Projektentwickler die Schuld auf die ausführende Firma abzuwälzen versuche, sei inakzeptabel, man werde sich für den guten Ruf der in Reinsdorf ansässigen Firma einsetzen. 

Auch der Vorwurf des Investors, dem Stadtrat fehle es an Kooperationsbereitschaft, stelle die Fakten auf den Kopf: „Die andere Seite kooperiert nicht und schafft vollendete Tatsachen.“ In wenigen Sätzen skizzierte der mit Rederecht ausgestattete Prokurist Kevin von Ijperen das geplante Investitionsvorhaben als „nachhaltig“, wobei der Wasserverbrauch aufgrund der Produktionsmethode minimal sei. 

Dass der Investor inzwischen beim Landkreis für die Erdbeer-Plantage einen neuen Bauantrag eingereicht hat, in dem es offenbar um - zunächst - nur noch sechs Hektar geht, hat bei den Mitgliedern des Bauausschusses für zusätzliche Irritationen gesorgt: „Wir kennen diesen Antrag nicht und wollen endlich wissen, was an diesem Standort wirklich geplant ist“, forderte Stefan Kretschmar (Freie Wähler). 

„Wir können den Gestattungsvertrag für die Zufahrt nicht auf den Weg bringen, wenn wie nicht die Ziele des Vorhabens kennen“, ergänzte Dübner. Reinhild Hugenroth (Grüne) befürchtete, dass es sich bei den sechs Hektar um einen ersten Bauabschnitt handele und weitere folgten bis auf rund 30 Hektar Erdbeeren industriell produziert würden: „Das hat mit heimischer Landwirtschaft nichts zu tun.“ 

Steffen Döbert, der für die Bürgerinitiative „Rettet das Vorwerk“ Rederecht hatte, betonte, dass man nicht grundsätzlich gegen den Anbau von Erdbeeren sei, dass der Standort mitten im Naturpark Fläming aber ungeeignet sei. Es gehe darum, die Natur zu schützen, die Landschaft nicht zu zerschneiden und die Erholungsfunktion des Waldes auch für künftige Generationen zu erhalten. Die BI habe inzwischen mehr als 1.000 Unterschriften gegen die Erdbeerplantage gesammelt, man appelliere an den Stadtrat, dem Gestattungsvertrag nicht zuzustimmen. 

Außer der Entscheidung auf erste Lesung wurde nach einer kurzen, von Prof. Dr. Helmut Zühlke als Ausschussvorsitzenden angesetzten Beratung, entschieden, dass es ein gemeinsames Treffen des Bauausschusses und der BI mit dem Investor geben soll, damit noch offene Fragen beantwortet werden und alle Beteiligten einen gleichen Informationsstand erhalten – bevor es im Verfahren weiter geht. 

Bild: Die bei Nudersdorf geplante Erdbeer-Plantage sorgte im Bauausschuss für emotionale Diskussionen, eine Zustimmung zum Gestattungsvertrag für die Zufahrt gab es nicht. Foto: Archiv





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör

Videos Kultur

Schlosskirche Wittenberg Sarah Herzer an der Orgel
Schlosskirche
Alaris Schmetterlingspark
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: