Helmut Peter, Vizepräsident Mitteldeutsches Kraftfahrzeuggewerbe (stehend), begrüßte Ministerpräsident Reiner Haseloff (3.v.l.), Thomas Peckruhn (2.v.l.), Vizepräsident Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und weitere Teilnehmer des Talks im Autohaus Schandert. Foto: Wolfgang Gorsboth

Helmut Peter, Vizepräsident Mitteldeutsches Kraftfahrzeuggewerbe (stehend), begrüßte Ministerpräsident Reiner Haseloff (3.v.l.), Thomas Peckruhn (2.v.l.), Vizepräsident Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und weitere Teilnehmer des Talks im Autohaus Schandert. Foto: Wolfgang Gorsboth

31.05.2021

MP Reiner Haseloff plädierte für Technologieoffenheit

Talk im Autohaus Schandert über die Mobilität der Zukunft

Wittenberg (wg). Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, der am Montag zu einem „Automobilen Talk über die Mobilität der Zukunft“ im Autohaus Schandert eingeladen war, kritisierte die einseitige Förderung der E-Mobilität und sprach sich für mehr Technologieoffenheit aus: „Wer nur auf Elektromobilität setzt, wird den Klimawandel nicht bewältigen, wir müssen uns auf das Machbare konzentrieren.“ So werde es auch künftig Verbrennungsmotoren geben, diese würden aber mit Wasserstoff und nicht mit Benzin oder Diesel betrieben. 

Die Idee zum Talk hatten Thomas Peckruhn, Vizepräsident Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und Helmut Peter, Vizepräsident Mitteldeutsches Kraftfahrzeuggewerbe sowie Präsident des Kfz-Landesverbandes Thüringen. An der Runde nahmen auch Dietmar Hoffmann, Geschäftsführer Mitteldeutsches Kraftfahrzeuggewerbe (MDK), Christian Tylsch, Büroleiter des Ministerpräsidenten, Jochen und Hendrik Schandert sowie Uwe-Ives Schöne, freie Kfz-Meister-Autowerkstatt Jessen mit Schwerpunkt Elektro teil. 

MP Haseloff, promovierter Physiker, erklärte, dass die bei der Produktion der Akkus anfallenden Kohlendioxid-Emissionen nicht ausgeblendet werden dürften, der Aspekt der Treibhausgasminderung müsse über die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet werden. Die Klimabilanz der Batterien sei schlecht, zudem mache sich Deutschland strategisch abhängig von Ländern, die Seltene Erden besitzen. 

Die E-Mobilität werde auf in Deutschland produzierten Strom angewiesen sein. „Mit wachsender E-Mobilität wird der Strombedarf steigen, obwohl wir die Kern- und Kohlekraftwerke abschalten“, sagte Haseloff, erneuerbare Energien aus Sonne und Wind könnten den zusätzlichen Bedarf nicht sichern. Deshalb warne er vor den politischen Konsequenzen, wenn die Energiepreise weiter steigen und nicht nur zum Problem für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft werden, sondern auch für die privaten Haushalte und Berufspendler nicht mehr bezahlbar seien. 

Es müsse über Alternativen nachgedacht werden wie Wasserstoff und mit grüner Energie hergestellte synthetische Kraftstoffe. Letztere könnten sinnvoll im Schwerlastverkehr, im Luftverkehr, in der Schifffahrt und auf nichtelektrifizierten Bahnstrecken eingesetzt werden. 

Dass das Thema Wasserstoff ein Rolle im neuen Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) spiele, welches kurz vor dem Abschluss stehe, betonte Christian Tylsch, Büroleiter des Ministerpräsidenten und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. Der durch die erneuerbaren Energien erforderliche Netzausbau treibe vor allem in Regionen mit einem hohen Anteil an Wind- und Sonnenenergie die Kosten nach oben, dies sei ein Nachteil für die heimische Wirtschaft. 

„Das Kfz-Gewerbe tritt für Technologieoffenheit ein, deshalb bedauern wir es, dass die Politik einseitig die E-Mobilität bevorzugt“, kritisierte Thomas Peckruhn. Vor allem gebe es bei der Infrastruktur der Ladestationen einen großen Nachholbedarf. Die Politik müsse deshalb dafür Sorge tragen, dass die E-Mobilität das verspreche, was der Kunde erwarte. 

Preisverzerrende Subventionen 

Auf das Problem der Preisverzerrung durch übertriebene staatliche Subventionierung der E-Mobilität wies Helmut Peter hin. Die Leasingraten seien extrem gesunken, das Problem liege in der Weitervermarktung der Leasing-Rückläufer, wenn deren Preise ähnlich teuer seien wie für Neufahrzeuge. Mit der ruinösen Preisgestaltung solle der Absatz gefördert werden, damit die Automobilhersteller um jeden Preis ihre Kohlendioxid-Einsparziele erreichten und keine EU-Strafen zahlen müssten. Bundes- und Landesministerien würden bei Ausschreibungen für ihre Fuhrparke übrigens keine E-Autos berücksichtigen, weil diese nicht wirtschaftlich seien. 

Schleppende Kfz-Zulassung 

Außerdem, so Peckruhn, hoffe die Kfz-Branche, dass sich die Pandemie als Treiber der Digitalisierung in den öffentlichen Verwaltungen erweise, denn die sehr schleppende Kfz-Zulassung sei zu einem ernsten wirtschaftlichen Problem für die deutsche Autobranche geworden. Digitale An- und Anmeldeverfahren dauerten entschieden zu lange: „Die Kunden sind sauer auf uns, dabei haben wir keinen Einfluss auf das Verfahren.“ 

Ein weiteres Problem aus Sicht der Kfz-Branche sind die langen Wege der Azubis zu den Berufsschulen: Viele Lehrlinge seien noch keine 18 Jahre alt und hätten keinen Führerschein, lange Fahrzeiten seien ebenso wenig attraktiv wie Übernachtungen in Internaten oder Hotels. Es sei besser, die Lehrer pendelten als die Schüler, der Unterricht müsse wohnort- und betriebsnah stattfinden, dazu müsse die Berufsschulausbildung effektiver organisiert werden. Ein weiteres Problem: Die Fahrzeuge werden immer moderner, für Reparatur und Wartung bedarf es entsprechender Technik, die in den meisten Berufsschulen fehlt. 

Die Pandemie hat die Wertschöpfungsketten der Autohäuser stark negativ beeinflusst und wird sie nach Befürchtungen der Branche noch lange beeinflussen. Hier hatte MP Haseloff eine positive Nachricht: Der Individualverkehr sei der Gewinner der Corona-Pandemie. Anders als im öffentlichen Nahverkehr ließen sich im eigenen, privaten Auto problemlos Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Weil während der Lockdowns kaum Geld ausgegeben werden konnte, verfügten die privaten Haushalte über erhebliche finanzielle Rücklagen und würden diese bei weiteren Lockerungen auch konsumtiv einsetzen. 

Bild: Helmut Peter, Vizepräsident Mitteldeutsches Kraftfahrzeuggewerbe (stehend), begrüßte Ministerpräsident Reiner Haseloff (3.v.l.), Thomas Peckruhn (2.v.l.), Vizepräsident Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und weitere Teilnehmer des Talks im Autohaus Schandert. Foto: Wolfgang Gorsboth




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