Dr. med. Isabel Geißler absolviert die Ausbildung zur Fachärztin für das Öffentliche Gesundheitswesen. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dr. med. Isabel Geißler absolviert die Ausbildung zur Fachärztin für das Öffentliche Gesundheitswesen. Foto: Wolfgang Gorsboth

31.05.2021

Dr. med. Isabel Geißler absolviert Ausbildung zur Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen.

Gesundheitsämter sind dritte Säule des Gesundheitssystems

Wittenberg (wg). „Durch die Corona-Pandemie ist die Arbeit der Gesundheitsämter in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt, weil der Politik und der Bevölkerung bewusst geworden ist, welche Bedeutung ein gut funktionierender Gesundheitsdienst für die Eindämmung der Pandemie hat“, erklärt Dr. med. Isabel Geißler im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Sie wird von Amtsarzt Dr. Michael Hable die Leitung des Infektionsschutzes übernehmen, darüber entscheidet der Kreistag im Juni. 

Seit Januar 2021 absolviert Geißler eine Ausbildung als Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen, davor arbeitete sie zwei Jahre als Assistenzärztin in der Klinik für Inneres im Paul-Gerhardt-Stift. Wegen der Geburt ihrer drei Kinder war sie dreieinhalb Jahre in Elternzeit und hat sich anschließend für den öffentlichen Gesundheitsdienst entschieden: „Die Arbeitszeiten sind in normalen Zeiten familienfreundlicher, zudem ist Home Office möglich.“ 

Normal ist derzeit aber fast nichts, denn an oberster Stelle steht die Bekämpfung der Pandemie, verbunden mit Überstunden, Wochenenddiensten und Stress. Andere dringend notwendige Tätigkeiten wie die Abarbeitung sonstiger Infektionskrankheiten, die Dienste des sozialpsychiatrischen Dienstes oder Trinkwasserproben müssen aufrechterhalten werden, während andere Aufgaben, wie Untersuchungen in Kitas und Schulen, zurückstehen müssen. 

Ausgerechnet während der Corona-Pandemie die Ausbildung im Gesundheitsamt aufgenommen zu haben, bereut die junge Ärztin nicht: „Unsere Arbeit ist sehr wichtig, täglich bekommen wir Anfragen von Kliniken, Pflegeheimen, Unternehmen sowie Bürgern, Entscheidungsträger in der lokalen Politik müssen beraten werden.“ 

Täglich wird für den Landkreis ein Lagebericht erstellt mit aktuellen Fallzahlen, Auslastung der Betten in der Intensivmedizin, der Zahl der geimpften Personen und Dokumentation der Corona-Hotspots. Dr. med. Geißler hat die leicht verständlichen Plakate für Selbsttests in Kitas und Schulen entworfen, ebenso das Ablaufschema im Falle eines positiven Testergebnisses sowie die Inzidenzampel. „Neue Empfehlungen des Robert Koch-Instituts sowie die Verordnungen von Bund und Land müssen täglich gesichtet, ausgewertet und in Form neuer Leitfäden an die zuständigen Fachstellen in der Kreisverwaltung weiter geleitet werden“, so Geißler. 

Das Gesundheitsamt ist zuständig für Laborbefunde, für die Nachverfolgung von möglichen Infektionsketten und für die Quarantäne-Regelungen. Im April des Jahres ging mit „Sormas“ ein vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung entwickelte Software in Betrieb: „Ein Quantensprung in der Digitalisierung, verbunden mit enormen Zeiteinsparungen bei der Datenerfassung und Weitergabe“, erklärt Geißler. Mit Sormas könnten Laborbefunde erfasst sowie Daten an das Land und an das RKI in Echtzeit übermittelt werden, statt wie bisher mit Papierakten und Excel-Tabellen zu arbeiten. 

„Wir sollten die Inzidenzwerte zur Einschätzung der Pandemielage nicht überbewerten, sondern verstärkt die Zahl bereits geimpfter Personen, die Testergebnisse, die Zahl der asymptomatischen Krankheitsverläufe und die Auslastung der Intensivbetten mit gewichten“, berichtet Geißler. „Wir müssen lernen, mit Corona zu leben und das bedeutet, dass es keinen unbegrenzten Lockdown geben kann.“ 

Präventiv und beratend

Die Arbeit im Öffentlichen Gesundheitswesen sei vielseitig, interdisziplinär ausgerichtet und habe auch wie aktuell in der Pandemie mit Politikberatung zu tun. Gesundheitsämter mit ihren Schwerpunkten in Gesundheitsförderung, Prävention und Bevölkerungsmedizin seien neben der ambulanten und stationären Versorgung die dritte wichtige und gleichwertige Säule des deutschen Gesundheitssystems. 

„Wir sind zwar kaum kurativ tätig, dafür umso mehr beratend und präventiv“, betont Geißler und nennt als Beispiele den kinder- und jugendärztlichen Dienst, den Infektionsschutz, gesundheitlichen Umweltschutz und die Sozialmedizin. „Je besser die Prävention, desto weniger Krankheiten entstehen, dies erspart viel menschliches Leid, aber auch Kosten.“ 

 Ärzte im Gesundheitsamt untersuchen, ob eine Person erwerbfähig ist, ob sie aus gesundheitlichen Gründen berechtigt ist, Sozialleistungen zu beantragen. Auch die kostenlose Beratung zu sexuell übertragbaren Krankheiten gehört zum Aufgabenspektrum, ebenso die Überwachung der Hygienestandards in Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen. Nicht nur bei Corona, auch bei Masern, Röteln und der Virusgrippe müssen Infektionsketten ermittelt und durch geeignete Maßnahmen unterbrochen werden. 

Ausbildung zum Facharzt 

Während des Medizinstudiums wird kaum Wissen über das Öffentliche Gesundheitswesen (ÖGW) vermittelt, dabei sind die Berufschancen in diesem Fachgebiet sehr gut, engagierter Nachwuchs wird dringend gesucht. Bezahlung und Aufstiegschancen sind im ÖGW allerdings geringer als in der Klinik. 

Für die Weiterbildung zum Facharzt für ÖGW sind fünf Jahre vorgesehen: 24 Monate in einer Einrichtung des ÖGW, sechs Monate Teilnahme an einem Kurs für ÖGW, 24 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung sowie sechs Monate in der Psychiatrie/Psychotherapie. Zu den Weiterbildungsinhalten gehören die Standards der öffentlichen Gesundheitssicherung, Epidemiologie, Statistik, Gesundheitsschutz, hygienisches Qualitätsmanagement, Prävention und Risikomanagement. 

Bild: Dr. med. Isabel Geißler absolviert die Ausbildung zur Fachärztin für das Öffentliche Gesundheitswesen. Foto: Wolfgang Gorsboth





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