Corinna Reinecke, Geschäftsführerin des Wittenberger Kreisverbandes der AWO.

Corinna Reinecke, Geschäftsführerin des Wittenberger Kreisverbandes der AWO.

31.05.2021

Schnelle Hilfe in aktuellen Konfliktsituationen

30 Jahre Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt Wittenberg

Wittenberg (wg). Im Frauen- und Mädchenschutzhaus werden alle von körperlichen und seelischen Misshandlungen sowie von sexuellen Misshandlungen bedrohten Frauen und deren Kinder unabhängig von sozialer Herkunft, Staatsangehörigkeit, Alter und Konfession aufgenommen. „Wir bieten Hilfe in aktuell schwierigen Lebenssituationen, ermöglichen Hilfe zur Selbsthilfe und Gemeinschaftserfahrungen mit anderen Betroffenen", beschreibt Corinna Reinecke, Geschäftsführerin des Wittenberger Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Arbeit des Frauenhauses. 

Im Frauenhaus können von Gewalt betroffene Frauen in einer Atmosphäre des Vertrauens zur Ruhe kommen. Vier Bereiche stehen dabei im Mittelpunkt: Die ambulante Beratung und Unterstützung, die Arbeit mit den Frauen während des Aufenthaltes im Frauenhaus, die Nachbetreuung, denn der Aufenthalt im Frauenhaus ist meist nur von kurzer Dauer sowie Arbeit mit den Kindern, damit sie Abstand von erlebter Misshandlung finden können. 

Eine alte Baracke des Stickstoffwerkes diente ab dem 19. Mai 1991 dem Frauenhaus als erstes Domizil, wobei sich die Anfänge schwierig gestalteten: „Erstens war die aus den alten Bundesländern stammende Einrichtung eines Frauenhauses in den neuen Bundesländern unbekannt und zweitens wurde das Problem Gewalt gegen Frauen zu DDR-Zeiten meist totgeschwiegen“, erklärt Reinecke. Die anfangs geringe Auslastung führte zu finanziellen Problemen, gleichwohl hielt die AWO das Haus immer offen, wenn auch zeitweise nur eine Betreuung durch Ehrenamtliche bzw. ABM-Kräfte möglich war. 

Drei Jahre dauerte das Provisorium in der Stickstoff-Baracke, bis ein geeignetes Haus gefunden werden konnte. Mit Mitteln des Landes, des Landkreises und der Stadt konnte das neue Gebäude im September 1994 in Betrieb genommen werden, die Adresse ist aus Schutz vor Verfolgung anonym. Die ländliche, von einem Park umgebene Villa verfügt über zweckmäßig eingerichtete Räumlichkeiten. Schritt für Schritt verbesserten sich im Haus und im Außenbereich die Bedingungen. „Jeder Frau mit ihren Kindern steht ein eigener geschützter Wohnbereich zur Verfügung“, so Reinecke. 

Ab Januar 1997 konnte mit der Sozialpädagogin Erika Ducke erstmals eine festangestellte Leiterin für das Frauenhaus eingesetzt werden. Die AWO suchte nach weiteren Profilierungs-Möglichkeiten: So erhielt sie im August 1997 vom Landesjugendamt die Betriebserlaubnis für ein neu entwickeltes Projekt, welches sich an Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren richtet, die mit Gewalt konfrontiert werden oder in Familien leben, die sich in akuten Krisensituationen befinden. 

Aktuell verfügt das Frauenhaus über eine Kapazität von vier verfügbaren Plätzen, aufgrund der Corona-Pandemie wurde im Frühjahr 2020 zusätzlich außerhalb des Frauenhauses eine Quarantänewohnung eingerichtet, um infizierte Schutzsuchende nicht abweisen zu müssen. 

Online-Tagung „Frauenschutz“ 

„Frauenschutz – Null Toleranz gegenüber Gewalt an Frauen“ ist das Motto einer Online-Veranstaltung via Zoom am 2. Juni vom 13 bis 17 Uhr, die maßgeblich von Corinna Reinecke vorbereitet wurde und sich anhand von Praxiserfahrungen in ausgewählten Einrichtungen mit den Chancen, aber auch den Lücken im Frauenschutz-Hilfesystem von Sachsen-Anhalt befasst. Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung per E-Mail an: , nach der Anmeldung werden die Zugangsdaten versendet. 

Die Opferzahlen bei partnerschaftlicher Gewalt sind alarmierend, fast an jeden dritten Tag wird in der Bundesrepublik eine Frau von ihrem Partner ermordet. Diese dramatische Situation wirft Fragen auf wie: Welche Bedarfe haben gewaltbetroffene Frauen mit ihren Kindern? Welche Unterstützungsangebote gibt es, welche Hilfen werden benötigt? Was braucht ein modernes Hilfesystem? Zu diesen Fragen gibt es vier virtuelle Thementische. 

Eröffnet wird die Tagung um 13 Uhr durch Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Landesverbandes sowie durch Grußworte von Susanne Wildner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Halle und Reinhard Pester, Gleichstellungsbeauftragter des Landkreises Wittenberg, es moderiert Steffi Schünemann, Vorständin Verband und Sozialpolitik des AWO-Landesverbandes. Ab 16.15 Uhr werden von den Teilnehmern gemeinsam Forderungen an die Politik gestellt. 

Hinweis 

Betroffene Mädchen und Frauen erreichen jederzeit Mitarbeiterinnen des Frauenhauses unter der Bereitschaftsnummer 0177/602 02 80 sowie per E-Mail an: . Der Aufnahme ins Frauenhaus als letztem Mittel der Zuflucht vor gewalttätigen Partnern vorgeschaltet ist eine ebenfalls von der AWO betriebene ambulante Beratungsstelle „Häusliche Gewalt“, Tel.: 03491/877 11 69, Mobil: 0173/362 02 91, E-Mail: ambulante.beratung.

Bild: Corinna Reinecke, Geschäftsführerin des Wittenberger Kreisverbandes der AWO. Foto: Archiv





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