24.04.2021

Jochen Kirchner: „Wir haben in 25 Jahren eine Punktlandung hingelegt“

Die Wittenberger Altstadt ist künftig kein Sanierungsgebiet

Wittenberg (wg). „Die Sanierung der Altstadt ist eine Erfolgsgeschichte, jetzt gilt es, das Erreichte zu sichern und neue Entwicklungen zuzulassen“, erklärte Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) beim Videokonferenz-Pressegespräch. Am 3. Mai werde es deshalb einen Sonderbauausschuss geben, um im ersten Schritt die Satzung für das Sanierungsgebiet Altstadt bis zum Jahresende aufzuheben und im zweiten Schritt die bisherige Gestaltungs- und Erhaltungssatzung durch Neufassungen zu ersetzen. 

„Wir haben uns direkt nach der Wende auf den Weg gemacht, die städtebaulichen Missstände zu beseitigen“, erinnerte Kirchner, und habe bereits in 1991 die Satzung für die Sanierung der Altstadt beschlossen und dazu in 1996 zur Konkretisierung den städtebaulichen Rahmenplan gefasst. „Wir sind damals von einem Zeitraum von 25 Jahren ausgegangen, 2021 können wir feststellen, dass uns eine Punktlandung gelungen ist und nahezu alle Sanierungsziele umgesetzt werden konnten“, resümierte Kirchner. 

Von 1990 bis 2005 sei es vor allem darum gegangen, die historische Bausubstanz in der Altstadt zu retten und gleichzeitig für eine sinnvolle Nutzung zu sorgen. Noch in 1996 waren von den strukturbestimmenden Gebäuden in der Altstadt knapp fünf Prozent in einem ruinösen Zustand und 46,8 Prozent wiesen erhebliche Mängel mit einem hohen Sanierungsaufwand aus, lediglich 5,8 Prozent befanden sich in einem guten Bauzustand. Mehr als die Hälfte aller Gebäude entsprachen zudem aufgrund ihres Alters oder ihrer Funktion nicht den zeitgemäßen Nutzungsanforderungen. 

Von 2005 bis jetzt habe, so Kirchner, die Profilierung der Altstadt als regionales Leistungszentrum sowie als kulturelles und touristisches Zentrum im Vordergrund gestanden. Circa 31 Millionen Euro seien investiert worden, davon 14 Millionen Euro in die Sanierung der Altstadtstraßen geflossen, 13 Millionen Euro in Maßnahmen wie Rückbau und Entkernung sowie weitere Mittel in die Sanierung von Einzeldenkmalen wie dem Cranach-Hof in der Schlossstraße 1. „Ein Euro öffentliches Geld generiert sechs bis sieben Euro an privaten Investitionen“, rechnete Kirchner vor. 

Die Ausweisung als Sanierungsgebiet bedeutet für Grundstücks- und Wohneigentümer erhebliche Einschränkungen. „Weil nunmehr die Sanierungsziele in der Altstadt realisiert werden konnten, schreibt der Gesetzgeber die Aufhebung der Sanierungssatzung vor“, erläuterte Kirchner. Im Zuge dessen würden auch die bisherige Gestaltungs- und Erhaltungssatzung aufgehoben und den neuen Gegebenheiten angepasst: „Wir wollen die Qualität sichern, aber auch Neues zulassen.“ 

Schwerpunkte der neuen Erhaltungssatzung werden sein: Bewahrung des Stadtgrundrisses mit dem Grüngürtel (Wallanlagen), Erhalt der Ortsilhouette sowie des charakteristischen Stadtbildes. Die neue Gestaltungsatzung regelt das äußere Erscheinungsbild in öffentlich einsehbaren Räumen, dazu gehören unter anderem auch (digitale) Werbeanlagen. Auch wenn das Erreichte gesichert werden soll, so würden Hausbesitzer künftig bei Neubau- oder Sanierungsmaßnahmen in der Altstadt weniger Reglementierungen unterworfen sein, kündigte Kirchner an. 

Die neuen Satzungen werden mindestens einen Monat lang öffentlich ausgelegt, sodass sich Bürger mit Anregungen und Einwänden beteiligen können. Ebenfalls aufgehoben werden soll die Satzung für das Sanierungsgebiet „Nördliches Lindenfeld“. „Von der Gagfah-Siedlung abgesehen, haben wir hier nicht alle Sanierungsziele erreichen können, dies betrifft insbesondere die qualitative Verbesserung des öffentlichen Raumes“, sagte Kirchner. 

Bild: In Wittenbergs historischer Altstadt wurden alle Sanierungsziele umgesetzt, deshalb soll bis Jahresende die Sanierungsatzung aufgehoben werden. Foto: Wolfgang Gorsboth




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