Museumschefin Dr. Christel Panzig. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

Museumschefin Dr. Christel Panzig. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

17.04.2021

Sachzeugensammlung wird wissenschaftlich begutachtet

Das Museum „Haus der Geschichte" will sein Profil schärfen

Wittenberg (wg). Das Haus der Geschichte will sein Profil schärfen und seine umfangreiche Sachzeugensammlung wissenschaftlich begutachten lassen: „Wir wollen durch gezielte Entsammlung qualitativ besser werden, die Depotfläche reduzieren und damit Kosten sparen“, erklärt Museumschefin Dr. Christel Panzig im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Da das Gebäude, in dem die Sammlungen derzeit gelagert sind, abgerissen werden soll, wollen wir gleichzeitig die Voraussetzungen für den Umzug in ein neues Depot schaffen.“ 

Der komplette Depotbestand wird auf seinen Erhaltungszustand untersucht und bewertet, Mehrfachexemplare sowie Objekte mit kulturhistorisch geringer Aussagekraft sollen nach den geltenden Vorgaben des Deutschen Museumsbundes an andere Museen abgegeben oder verkauft werden. 

„In den Mittelpunkt der musealen Arbeit stellt der Deutsche Museumsbund das Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln mit dem Ziel, kulturelle und materielle Zeugnisse treuhänderisch für die Gesellschaft als ein Archiv für die folgenden Generationen zu dokumentieren“, sagt Dr. Panzig. Auch deshalb ist das Museum verpflichtet, die in den vergangenen 24 Jahren mit Förderung von Stadt, Land und Bund geschaffenen Sammlungen zur mitteldeutschen Alltagskultur des 20. Jahrhunderts zu bewahren und weiterzuentwickeln. 

Anfangs seien besonders die über den zweiten Arbeitsmarkt beschäftigten Mitarbeiter bei der Aufnahme von Objekten zu „großzügig“ vorgegangen. Nun sollen bei einer Durchsicht der Sammlungsbestände solche Objekte identifiziert werden, die durch Beschädigung, unvollständige Erhaltung, Überrepräsentation oder fehlende Dokumentation für eine Entsammlung infrage kommen. Objekte, denen der Regionalbezug fehlt oder die sehr hohe Ansprüche an die konservatorischen Rahmenbedingungen stellen, sollen anderen Museen angeboten werden. „Diese Aussonderungen werden gemäß der ICOM-Richtlinien vorgenommen und der Öffentlichkeit erklärt, um dem Ansehen des Museums nicht zu schaden“, betont Dr. Panzig. 

Ein Kriterienkatalog stellt alle Aspekte, die für oder gegen eine Aussonderung sprechen, gegenüber und unterstützt damit den Entscheidungsprozess. Außer der Abstimmung zwischen dem wissenschaftlichen Mitarbeiter und der Museumsleitung soll für die sorgfältige Begutachtung und Einzelfallentscheidung ein externer Sachverständiger mit museums- und volkskundlicher Expertise in das Projekt einbezogen werden. Die zur Entsammlung bestimmt Objekte sind zunächst anderen Museen anzubieten, nur wenn keine Kultureinrichtung ihr Interesse signalisiert, kommt ein Verkauf oder sogar eine Entsorgung infrage. 

„Im Ergebnis wird sich eine Reduzierung der Depotfläche ergeben, die den in den kommenden Jahren anstehenden Umzug in ein neues Depot erheblich vereinfachen dürfte“, resümiert die Museumschefin. Gleichzeitig werde die Sachzeugensammlung, deren Bestände die mitteldeutschen Alltagskultur des 20. Jahrhunderts nahezu komplett abbilden und damit in besonderer Weise einen Teil des kulturellen Erbes Sachsen-Anhalts veranschaulichen, auch für die Zukunft gesichert. „Außerdem wird so gewährleistet, dass das vom Pflug e.V. betriebene Museum auch künftig thematisch vielschichtige, qualitativ hochwertige und anschauliche Ausstellungen präsentieren kann, die Ortsansässigen und Touristen eine Begegnung mit der jüngeren Vergangenheit ermöglichen“, meint Dr. Panzig. 

Bild: Museumschefin Dr. Christel Panzig. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv




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