Horst Dübner, Fraktionschef der Linken, lehnt die geplante Erdbeerplantage in der Flur Nudersdorf ab. Foto: Wolfgang Marchewka / Archiv

Horst Dübner, Fraktionschef der Linken, lehnt die geplante Erdbeerplantage in der Flur Nudersdorf ab. Foto: Wolfgang Marchewka / Archiv

10.04.2021

Stadtrat soll Entscheidung über Nutzung des Waldweges an sich ziehen

Erdbeerplantage in Flur Nudersdorf: Überdimensioniert und industriell?

Wittenberg (wg). In der Stadtratssitzung am 14. April im Stadthaus wird die Linke einen Antrag zum Bauvorhaben „Erdbeerproduktion in Nudersdorf“ einbringen, der sich auf den Gestattungsvertrag zur Wegenutzung mit der Wichard Schrieks Gemüse GmbH als Investor bezieht: So soll der Stadtrat die Entscheidung über diesen Vertrag an sich ziehen, außerdem wird Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) beauftragt, den entsprechenden Vertragsentwurf dem Stadtrat zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen. 

„Bevor ein neuer Gestattungsvertrag vereinbart werden kann, müssen etliche Ungereimtheiten aufgeklärt werden“, fordert Linken-Fraktionschef Horst Dübner. „Es hat offenkundig seitens des Investors beziehungsweise durch den von ihm beauftragten Projektentwickler Helmut Rehhahn Verstöße gegen geltendes Recht sowie getroffene Vereinbarungen gegeben.“ So habe der Investor mit dem Ausbau des zu den geplanten Erdbeerfeldern führenden Waldweges begonnen, obwohl es keine rechtlich wirksame Nutzungsvereinbarung mit der Stadt als Eigentümerin des Weges gab. 

Daraufhin habe die Stadt im Januar 2021 den Investor schriftlich zum Baustopp aufgefordert und den Rückbau verlangt, weil für den Waldwegausbau nicht zertifiziertes Material verwendet worden sei. Außerdem sei ohne Baugenehmigung des Landkreises mit Baumaßnahmen begonnen worden, unter anderem durch den Aushub eines großen, mehrere Meter tiefen – und ungesicherten – Auffangbeckens für Regenwasser. 

„Diese Verstöße machen es aus Sicht unserer Fraktion zwingend erforderlich, den Stadtrat einzubeziehen und so für Öffentlichkeit und Transparenz zu sorgen“, betont Dübner. Der Investor könne nicht einfach vollendete Tatsachen schaffen: „Bereits beim B-Plan W15 (Gewächshausanlage Apollensdorf) hat der Investor gegen geltendes Recht verstoßen durch vorzeitigen Baubeginn, dem Töten von geschützten Tierarten und Waldrodungen entgegen den Vereinbarungen mit der Stadt.“ 

Überdies müsse das gesamte Vorhaben bezüglich Standort und Dimensionierung auf den Prüfstand gestellt werden, denn das 30 Hektar große Areal unweit des Gallunbergs liege mitten im Naturpark Fläming und damit in einem Landschaftsschutzgebiet. Deshalb, so Dübner, müsse der Naturpark im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens angehört werden, zu klären seien Auswirkungen auf Flora und Fauna, die mit der Zerschneidung der Naturlandschaft verbunden seien. 

Zudem gehöre dieser Teil zu den trockensten Arealen in Deutschland, die Dürre in den vergangenen Jahren habe bereits zu erheblichen Waldschäden geführt. „Hier großflächig Folientunnel aus Plastik anzulegen, um für die Erdbeeren Regenwasser zu sammeln, außerdem Tiefbrunnen für die Bewässerung mit Grundwasser anzulegen, beinhaltet die Gefahr einer Absenkung des Grundwasserspiegels mit erheblichen Auswirkungen auf die Vegetation“, kritisiert Dübner. „Wir wollen keine spanischen Verhältnisse, wo ganze Regionen wegen überdimensionierter Bewirtschaftung trocken gefallen sind.“ 

Grundsätzlich befürworte man eine regionale und nachhaltige Erdbeerproduktion, nicht aber eine überdimensionierte und industrialisierte Anbauform. Brachen wie am alten Wasserwerk seien dafür besser geeignet und zudem straßenseitig erschlossen. Von der Verwaltung erwarte man, dass der Stadtrat und seine Ausschüsse regelmäßig über den weiteren Verfahrensverlauf sowie die Einhaltung des Baustopps informiert würden. 

Bild: Horst Dübner, Fraktionschef der Linken, lehnt die geplante Erdbeerplantage in der Flur Nudersdorf ab. Foto: Wolfgang Marchewka / Archiv




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