07.04.2021

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Ärgerliche Verzögerung beim klassischen deutschen Behörden-Pingpong

Berlin (ots) Nein, eine verzögerte Lieferung von 80.000 Impfdosen von Biontech ist sicher keine Katastrophe. Aber ein weiter herber Rückschlag für die Impfkampagne ist es schon, wenn in der Hauptstadt die beiden größten Impfzentren vorübergehend schließen müssen. 

Besonders ärgerlich ist der Vorfall dennoch. Denn er zeigt, woran die Corona-Politik generell und die Impfkampagne insbesondere krankt: Es sind das klassische deutsche Behörden-Pingpong und gegenseitige Schuldzuweisungen der politischen Lager. 

Die SPD-geführte Berliner Senatsverwaltung sagt, der Bund sei für die Transporte zum Zentrallager in Berlin zuständig. Auf diesem Weg habe es "mutmaßliche technische Schwierigkeiten" gegeben. 

Das CDU-geführte Bundesgesundheitsministerium schiebt Berlin die Schuld zu. Die Lieferung sei zunächst erst für Mittwoch avisiert gewesen und habe nach Bitten des Landes schon auf den Nachmittag des Vortages vorgezogen werden können. Dass es technische Probleme mit der Ladung gegeben habe, sagte das Haus von Minister Jens Spahn trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Das räumte dann erst die Firma Biontech ein. 

Da bleibt nur ein Schluss: Eines der beiden Ministerien sagt die Unwahrheit beziehungsweise verschleiert den wahren Sachverhalt. Nicht so wild, könnte man sagen. Der Lastwagen ist ja angekommen, es kann weitergehen mit dem Impfen und die 1500 verschobenen Termine bekommt man auch noch unter in den immer noch nicht ausgelasteten Berliner Impfzentren. 

Aber dass sich Medien und Bürger nicht auf Aussagen deutscher Ministerien zum wichtigsten Thema der Gegenwart - dem Impfen gegen Corona - verlassen können, ist skandalös. Das notwendige Vertrauen der Menschen in den Staat wird in der Corona-Krise so ein weiteres Mal arg strapaziert.




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