Diana Pielorz, Vorsitzende des Trägervereins Phönix Theaterwelt Wittenberg e.V., im leeren Großen Saal des Hauses. Foto: Wolfgang Gorsboth

Diana Pielorz, Vorsitzende des Trägervereins Phönix Theaterwelt Wittenberg e.V., im leeren Großen Saal des Hauses. Foto: Wolfgang Gorsboth

02.04.2021

Corona verschärft die schwierige Situation in der Kultur weiter

In der Phönix Theaterwelt bleibt der Bühnenvorhang vorerst unten

Wittenberg (wg). „In der Phönix Theaterwelt hebt sich der Bühnenvorhang vorläufig nicht, wir haben zunächst alle bis Mai geplanten Veranstaltungen abgesagt“, bedauert die Vorsitzende des Trägervereins, Diana Pielorz, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. „Die bisher zur Corona-Pandemie getroffenen unklaren Entscheidungen lassen beim Thema Theateröffnungen keine verlässlichen Planungen zu – und so widersprüchlich, wie die aktuellen Diskussionen über einen schärferen Lockdown ablaufen, könnte die Verwirrung sowohl bei Veranstaltern als auch bei Künstlern und beim Publikum sogar noch schlimmer werden.“ Für kleine Theater in privater Trägerschaft sei diese Unsicherheit existenzgefährdend; im Gegensatz dazu würden große staatliche Häuser subventioniert. 

„Uns entstehen Monat für Monat feste Kosten, ohne dass wir Einnahmen erzielen, auf so einer unsicheren Grundlage kann einfach nicht geplant werden!“ Dabei seien Theater, Opern und Konzerthäuser ähnlich wie Museen geradezu vorbildlich gegen die Corona-Viren gesichert, weil die Verantwortlichen gut durchdachte Hygienekonzepte inklusive intensiver Lüftung und Sicherheitsabstände auch in den Zuschauerräumen entwickelt hätten, die freiberuflichen Künstler Hygieneregeln schon aus lebenswichtigem Eigeninteresse besonders intensiv befolgten und auch das als vernünftig und gesittet geltende Theaterpublikum akzeptiert die Hygieneregeln aus ehrlicher Überzeugung, um sich selbst und andere Zuschauer sowie den gesamten Kulturbetrieb nicht zu gefährden. 

Circa 20.000 Euro habe die Phönix Theaterwelt in besondere Hygienemaßnahmen wie Infektionsschutzwände, die auch auf der Bühne eingesetzt werden können, in etliche Desinfektionsmittelspender, für ein Besucherleitsystem und ein Saal-Konzept und vieles mehr investiert - vergeblich. 

Die Vorsicht wird gepflegt

„Bisher hat sich kein Besucher in einem Theater infiziert, auch in anderen Kultureinrichtungen wird eine besondere Vorsicht gepflegt“, betont Pielorz. Offenbar werde die Kultur von der Politik in die Haftung genommen, weil sie die erbärmlichen Corona-Leugner, Partymacher und „Systemgegner“ nicht in den Griff bekomme. „Kultur ist trotz einer Bruttowertschöpfung von 100 Milliarden Euro offenbar nicht systemrelevant“, befürchtet Pielorz. Für viele Menschen sei es aber lebens- und existenzrelevant. 

„Ein Theater schließen zu lassen geht Politikern ganz schnell von der Hand,“ erklärt die Theaterchefin. Im Gegensatz zum gedankenlosen „Dichtmachen“ sei sehr viel zeitlicher Vorlauf, organisatorischer und dadurch auch finanzieller Aufwand nötig, um es wieder bespielen zu können. 

„Die älteren Theaterfreunde wissen noch wie es war, als unser ‚Vorgänger‘, das beliebte Mitteldeutsche Landestheater mit seinem festen Ensemble, als ‚unfinanzierbar‘ geschlossen werden musste. Konsequenz: die Phönix Theaterwelt hat kein eigenes Ensemble mit eigenen Produktionen, die sich im Bedarfsfall nach der Schließung schnell auf den Spielplan setzen lassen.“ Man kaufe Gastspiele möglichst günstig ein, die Termine müssten weit im Voraus geplant werden, damit sie zu den Auftrittsplänen des gewünschten Künstlers passen.

Beispiel Konzert mit Katrin Weber 

Als Beispiel für möglich Folgen nennt die Theaterchefin das ursprünglich für Juni 2020 angesetzte Konzert mit Katrin Weber lag dann inmitten der ersten Corona-Welle und wurde deshalb auf den 18. März 2021 verlegt. Dieser Termin musste Corona-bedingt ebenfalls abgesagt werden, sodass sich ein Auftritt der sehr gefragten Künstlerin um mindestens ein weiteres Jahr verschiebt. 

„Planbar ist das aber noch lange nicht“, berichtet Pielorz, „denn wenn einmal der Tag kommt, an dem die Theater wieder öffnen dürfen, werden auch alle freiberuflichen Künstler ihre Gastspielreisen mit allen interessierten Theaterhäusern und deren Vorhaben koordinieren müssen. Das könnte ein heftiges und damit aufwendiges Termingeschiebe geben“. 

Hilfe von der Stadt erbeten

Bis jetzt habe man die mit der Pandemie verbundenen Folgen finanziell abfangen können, die Soforthilfe für März 2020 sei schnell und unbürokratisch gezahlt worden, ebenso die Corona-Hilfe für November und Dezember, nun aber werde es eng, denn der Staat könne nicht ewig finanziell in die Bresche springen. „Wir haben deshalb zum ersten Mal seit der Gründung der Phönix Theaterwelt in 2004 bei der Stadt eine institutionelle Förderung in Höhe von 30.000 Euro als Betriebskostenzuschuss beantragt“. Bleibt in einer finanziell ebenfalls klammen Stadt nur das Prinzip Hoffnung … 

Nach bisherigem Planungsstand sollte sich der Theatervorhang im Phönix am 10. September erstmals wieder heben dürfen. Ob es klappt angesichts der auch in der Region Wittenberg erschreckend hohen Zahl an Fällen mit den gefährlichen britischen Virus-Mutationen? Wer weiß! 

Hinweis

Corona-bedingt hat die Phönix-Theaterkasse geschlossen. Wer Karten zurückgeben oder umtauschen möchte, wird gebeten, unter der Rufnummer 03491/42 07 02 oder per E-Mail an: einen Termin zu vereinbaren. 

Bild: Diana Pielorz, Vorsitzende des Trägervereins Phönix Theaterwelt Wittenberg e.V., im leeren Großen Saal des Hauses. Foto: Wolfgang Gorsboth





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