Im Fundus des Hauses der Geschichte befinden sich viele Osterpostkarten (links) und historische Familienfotos (rechts). Foto: Haus der Geschichte

Im Fundus des Hauses der Geschichte befinden sich viele Osterpostkarten (links) und historische Familienfotos (rechts). Foto: Haus der Geschichte

02.04.2021

Legende vom Segen bringenden Osterwasser aus Dobiener Quelle

Ostern lohnt sich ein Besuch im Haus der Geschichte auch für Kinder

Wittenberg (wg). „Wir haben an allen Osterfeiertagen geöffnet“, wirbt Museumschefin Dr. Christel Panzig im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag für einen Besuch im Haus der Geschichte, wo alle Wohnmilieus österlich dekoriert sind und auf die jüngsten Gäste ein Ostereier-Ratespiel wartet. Beim Rundgang können per Touchscreen lebensgeschichtliche Interviews und historische Fotos aufgerufen werden – alltagsgeschichtliche Zeugnisse, wie in früheren Zeiten in der Region Ostern gefeiert wurde. 

 „Im ländlichen Raum bedeuteten Kalenderfeste im bäuerlichen Wirtschaftsjahr immer auch Einschnitte, brachten wohltuende Pausen in einem harten Arbeitsleben“, berichtet Dr. Panzig, „denn für die Landbevölkerung gab es bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg keinen Urlaubsanspruch und keine verbindliche Freizeit.“ 

Ostern gehöre zu den brauchreichsten Terminen im Jahr, wobei es keinen Sinn mache, die Traditionen aufzuspalten in solche mit christlichem Gehalt und solche mit heidnischen Vorstellungen: „In der Begegnung zwischen Tod und Leben, Kreuzigung und Auferstehung, Vergehen und neuem Wachstum, Fasten und Verschwendung überwiegt am Ende die positive, dem Leben zugewandte Seite.“ 

Erinnerungen an alte Zeiten

Das Haus der Geschichte hat Erinnerungen von Seniorinnen gesammelt. „Bei uns war Ostern immer sehr schön, da durften wir die Ostereier im Garten suchen“, berichtet Ingrid H., Jahrgang 1930, „am zweiten Feiertag zogen wir los mit einer Rute und einem Korb zum Osterstiepen von Bauer zu Bauer und haben denen gesagt: ‚Stiepe, stiepe Osterei, gibst du mir kein Osterei, dann stiep ich dir das Hemd entzweih.’ Wer keine Eier hatte, gab auch mal eine Wurst. Die meisten gaben, was sie gerade übrig hatten. Als wir wieder zu Hause angekommen sind, waren die Körbe meist voller bemalter Eier."

 Erika F., Jahrgang 1936, erinnert sich an Zuckereier und andere Süßigkeiten sowie an kleine Geschenke wie einen Handkreisel – und an Kaninchenbraten, den sie verschmähte: „Die Tiere waren so niedlich, und die hab ich gefüttert und gestreichelt. Ich beschimpfte meine Mutti, dass sie eine Mörderin ist. Die Sauce hab ich auch nicht gegessen, weil die ja auch vom Kaninchenbraten war.“ 

Ein besonderer Brauch war das angeblich Segen bringende Osterwasser. „Noch in den 60er Jahren war es bei uns in Dobien üblich, dass wir jungen Mädchen am Sonnabend vor Ostern um Mitternacht zur Quelle vom Tonteich gingen, um das Osterwasser zu holen“, berichtet Elke S., Jahrgang 1949. Auf dem Hin- und Rückweg durfte kein Wort gesprochen oder gelacht werden, Anlass genug für die männliche Dorfjugend, störend einzugreifen: „Die Jungs lauerten nur darauf, uns in Schrecken zu versetzen, damit wir unser Schweigevorhaben brachen, meist standen sie unerwartet hinter irgendwelchen Büschen und gaben schreckliche Laute von sich. Aber in Wirklichkeit ging es ja wohl mehr um den Spaß als um das Schönheitswasser.“ 

Österliche Bildkarten

Zahlreiche historische Osterpostkarten sind im Besitz des Museums. „Nach Neujahr war Ostern der erste Anlass, Karten an Verwandte, Bekannte und Freunde zu verschicken“, erklärt Dr. Panzig. „Die Vorfreude auf das Fest war dabei ebenso wichtig wie das Frühlingserlebnis mit Sonne, Wärme und Erwachen der Natur.“ Weit verbreitet seien Darstellungen des vielfältigen Osterbrauchtums. Die Osterglocken, die Karfreitag nach Rom fliegen, um vom Papst gesegnet zu werden, fehlten da ebenso wenig wie die Osterglocken, die wie Veilchen oder Schlüsselblumen als Symbole der erwachenden Natur galten. 

Oft wurden diese Blumen zu Stillleben verdichtet oder mit Attributen wie Osterhasen und Ostereier arrangiert. Dem Einfallsreichtum der Grafiker waren ebenso wie dem Geschmack keine Grenzen gesetzt, ein Beispiel: Zwei Osterhasen auf saftig-grüner Wiese läuteten eine im Baum hängende Glocke, während im Hintergrund ein Hase buntbemalte Ostereier versteckt. Andere Motive zeigten hübsche junge, meist aufwändig nach der neuen Mode gekleidete Mädchen, die mit laszivem Blick auf eine sinnliche Form des Frühlingserwachens anspielten. 

„Im Gegensatz zu Weihnachtspost, bei der oft Meisterwerke der Bildenden Kunst verwendet wurden, setzten die Gestalter der Osterkarten auf Profanes“, so Dr. Panzig. Kein Grafiker käme wohl auf den Gedanken, für Glückwünsche den Tod von Jesus am Kreuz oder seine Grablegung als Kunstpostkarte zu drucken lassen. 

Hinweis:

Das Haus der Geschichte hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Von Karfreitag bis Ostersonntag können Kinder die in den Ausstellungsräumen versteckten goldenen Eier zählen oder raten. Als Gewinne winken hübsche, historische Osterausmalbüchlein, und unter allen richtigen Antworten verlost das Haus der Geschichte am Ostermontag um 18 Uhr drei Familien-Gutscheine für einen Museumsbesuch. 

Entsprechend der Corona-Verordnung des Landes wird um eine vorherige Anmeldung unter Tel.: 03491/66 94 52 oder er Mail an: gebeten. Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden. 

Bild: Im Fundus des Hauses der Geschichte befinden sich viele Osterpostkarten (links) und historische Familienfotos (rechts).

Foto: Haus der Geschichte





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