Bild: Die amtierende Vereinsvorsitzende Dr. Insa Christiane Hennen (m.), Architektin Angelika Kern und Bürgermeister Jochen Kirchner vor dem Südflügel des Hofgestüts. Foto: Wolfgang Gorsboth

Bild: Die amtierende Vereinsvorsitzende Dr. Insa Christiane Hennen (m.), Architektin Angelika Kern und Bürgermeister Jochen Kirchner vor dem Südflügel des Hofgestüts. Foto: Wolfgang Gorsboth

28.03.2021

Schritt für Schritt wird das einzigartige Ensemble instand gesetzt

Arbeiten am Südflügel des Hofgestüts Bleesern beginnen

Wittenberg-Seegrehna (wg). Rund 250.000 Euro hat der Förderverein Hofgestüt Bleesern e.V., bislang in die Sicherung des ältesten Hofgestüts in Europa investiert, am 6. April beginnt der nächste Bauabschnitt: Dann soll das Dach des Südflügels soweit ertüchtigt werden, dass es so lange hält, bis Geld für eine umfassende Rekonstruktion zur Verfügung steht.

„Ein Teil des Daches wird einer Notreparatur unterzogen und fehlende Dachziegel ersetzt“, erklärt Architektin Angelika Kern, die mit ihrem Mann Andreas dem Verein seit 2011 unterstützt. Ein anderer Teil des Daches sei so schwer beschädigt, dass er komplett abgenommen und durch eine stabile Plane ersetzt werden müsse. Außerdem werden die Kamine abgerissen und alle nach 1945 realisierten Einbauten behutsam entfernt.

Für diese Maßnahme stehen 135.000 Euro zur Verfügung, 79.000 Euro stammen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Mehr als 40.000 Euro davon gehen auf Spenden in Folge einer Publikation in der Zeitschrift ‚Monumente’ zurück“, freut sich Dr. Insa Christiane Hennen, amtierende Vorsitzende des Fördervereins. „Diese Aktion im vergangenen Jahr hat uns deutschlandweit viel Aufmerksamkeit beschert.“ Dafür dürfte auch die Auszeichnung mit der „Silbernen Halbkugel“ in 2017 gesorgt haben, der höchste Denkmalschutzpreis im gesamten deutschsprachigen Raum. 

Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) erinnert daran, dass dieser exklusive Preis für den vorbildhaften Einsatz um den denkmalpflegerischen Erhalt einer einzigartigen Anlage verliehen wurde und dankte dem Verein für sein außergewöhnliches Engagement, welches auch im Interesse der Stadt liege: „Das zwischen der Lutherstadt und dem Wörlitzer Park gelegene Hofgestüt ist für Kulturtouristen von großem Interesse.“ Wie an einer Perlenreihe aufgereiht, könne sich der Gast mit der Renaissance und dem Frühbarock in Wittenberg, dem Barock in Seegrehna und dem Klassizismus in Wörlitz befassen. 

„Unser größtes Problem ist die schiere Größe der Anlage“, sagt Hennen, allein der Südflügel sei 120 Meter lang, nur dessen Dach zu decken, koste 660.000 Euro. Um das gesamte Barock-Ensemble für eine Sommernutzung zu ertüchtigen, bedürfe es circa vier Millionen Euro, schätzt Architektin Kern. Filgrane Elemente wie Wandmalereien oder Mosaiken gibt es zum Glück nicht. 

Die Anlage in Seegrehna wurde zwischen 1675 und 1686 nach Plänen von Wolf Caspar von Klengel erbaut, einem der wichtigsten deutschen Baumeister des 17. Jahrhunderts, weshalb das Hofgestüt zu den ältesten Zeugnissen der höfischen Dresdner Barockarchitektur zählt. „Es handelte sich um eine damals hochmoderne Anlage, um ein Schloss für Pferde“, betont Hennen. Ausgelegt gewesen sei das Gestüt für 200 Stuten sowie für Hengste und Fohlen. Damals sei man von der „wilden“ zur „halbwilden“ und schließlich zur „zahmen“ Pferdezucht mit Freilaufställen statt Freilandhaltung übergegangen. Als Erzmarschälle seien die kursächsischen Fürsten für die Pferdezucht verantwortlich gewesen.

August der Starke habe 1722 die Pferdezucht auf die Moritzburg konzentriert, in Seegrehna seien dann nur noch Maultiere gezüchtet und zuletzt zu DDR-Zeiten Schafe gehalten worden. Stück für Stück wurde das Gestüt, zu dem einst 1.000 Hektar Land gehörten, zerlegt – zuletzt war es die Treuhand, die den Rest privatisierte. Der letzte Eigentümer ließ das Ensemble verfallen mit dem Ziel, eine Abrissgenehmigung zu erhalten. Diese wurde 2010 von der Denkmalschutzbehörde genehmigt, nur dem im selben Jahr gegründeten Förderverein ist es zu verdanken, dass der Abriss verhindert werden konnte: Er erwarb mit Hilfe eines Darlehens das Denkmal. 

„Wir haben seitdem in die statische Sicherung, in Folienabdeckungen, Arbeiten am Giebel und Mauerkronensicherung investiert“, berichtet Kunsthistorikerin Hennen. Schritt für Schritt will man sich dem Ziel nähern, das einzigartige Ensemble instand zu setzen und auch Ideen für eine Nutzung gibt es: Im Südflügel soll eine Wanderreitstation eingerichtet werden und im Nordflügel eine schlichte Herberge für (Rad-)Wanderer entstehen. 

Für Veranstaltungen sind ein großer und ein kleiner Saal vorgesehen. „Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie verzeichneten wir bei unseren Freiluft-Veranstaltungen eine steigende Resonanz“, so Hennen. Die Einnamen benötige man für die Kofinanzierung von Fördermitteln. Ab Pfingsten wolle man das Hofgestüt wieder verlässlich jeden Sonntag für Besucher öffnen und auch am Tag des offenen Denkmals werde man sich beteiligen, unter anderem mit einer Tagung zum Thema „Denkmalpflege im ländlichen Raum“. 

Bild: Die amtierende Vereinsvorsitzende Dr. Insa Christiane Hennen (m.), Architektin Angelika Kern und Bürgermeister Jochen Kirchner vor dem Südflügel des Hofgestüts. Foto: Wolfgang Gorsboth




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