02.03.2021

Wittenberger Sonntag liest die Berliner Morgenpost

Pflege zu Hause: Dank an die Angehörigen

Berlin (ots) Wer im Lockdown die Kneipe oder das Kino vermisst und im Homeoffice die Kollegen, sollte sich stets vor Augen führen: Es gibt viele Menschen, die trifft die Pandemie samt aller Folgen noch viel härter. Wer derzeit zu Hause Angehörige pflegt, wäre froh, nur die gleichen Sorgen zu haben, die die meisten Menschen plagen. 

Von einer massiven Zunahme von Aggression und Gewalt und dreimal mehr telefonischen Hilferufen als früher berichten die wenigen Beratungsstellen, die während des Lockdowns überhaupt noch zur Verfügung stehen. Das in Berlin vergleichsweise gut ausgestattete System professioneller Unterstützung für pflegende Angehörige wirkt seit Monaten kaum. Tagespflegestellen waren dicht, mobile Hilfen nicht zu bekommen. Zu groß waren die Sorgen, Mitarbeiter, Familienmitglieder oder gar die Pflegebedürftigen anzustecken. 

Das alles betrifft eine riesige, in der Öffentlichkeit allerdings so gut wie unsichtbare Gruppe: 130.000 alte, kranke oder behinderte Menschen werden in Berlin zu Hause gepflegt. Mehr als 200.000 Personen zählt die Gruppe der pflegenden Angehörigen. Während in den vergangenen Monaten alle auf die Pflegeheime starrten, in denen das Virus seine tödliche Wucht entfaltete, spielten sich hinter vielen Wohnungstüren wahre Dramen ab. Denn egal, wie sehr man den dementen Vater oder Partner auch lieben mag, irgendwann schwinden Geduld und Kraft. Für die alten Menschen gilt das gleiche. Zumal wenn man nicht raus darf und jede Abwechslung dem Lockdown zum Opfer fällt. 

Es ist Zeit, dass die Pflegebedürftigen jetzt endlich alle geimpft werden und auch Angehörige ein prioritäres Recht auf Schutz bekommen. Ohne sie wäre das staatliche Pflegesystem längst zusammengebrochen, ganz unabhängig von Corona. Dafür muss man Danke sagen. Halten Sie durch!




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