19.02.2021

Ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen muss Priorität haben

Welttag der sozialen Gerechtigkeit: AWO bezieht Position

Wittenberg (WiSo). Zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar fordert die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Sachsen-Anhalt eine konsequente und wirksame Bekämpfung von Kinder-, Jugend- und Familienarmut. So spricht sich die AWO für die Einführung einer Kindergrundsicherung aus, um die Teilhabechancen von Kindern aus finanziell benachteiligten Haushalten zu verbessern, verbunden mit dem Appell, daran mitzuwirken, dass alle Kinder die gleichen Chancen erhalten, erfolgreich in ihr Leben zu starten.

Langfristig lässt sich aus Sicht der AWO das Problem der Kinderarmut weder über eine geringfügige Anhebung des Kindergeldes noch über eine Erhöhung der Regelsätze in der Grundsicherung lösen. Vielmehr sei eine grundlegende Reform der Transferleistungssysteme erforderlich, wenn das Problem nachhaltig und effektiv bekämpft werden soll. 

„Die tägliche Arbeit in den Kindertageseinrichtungen des Kreisverbandes spiegelt die pädagogischen Grundsätze des AWO-Leitbildes wider“, sagt Corinna Reincke, Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes Wittenberg. Dazu gehöre, Kindern mehr Bildungsqualität und Chancengleichheit zu sichern und Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

„Dort, wo Eltern und Lehrer an ihre Grenzen stoßen, springen unsere Schulsozialarbeiter und Sozialpädagogen ein und sind meist die letzte Anlaufstelle für überforderte Eltern und verzweifelte Kinder“, berichtet Reinecke. „Die Hilfen zur Erziehung steigen landesweit bereits das fünfte Jahr in Folge. Gefragt ist Interprofessionalität und an dieser Stelle verdient die Arbeit unserer AWO-Erzieherinnen und -Sozialpädagoginnen höchste Wertschätzung.“ 

„Die AWO in Sachsen-Anhalt unterstützt landesweit Familien mit Hilfebedarf, sei es in Beratungsstellen, der Kita, der Kinder- und Jugendhilfe, in Tafeln, der offenen Jugend- und Jugendsozialarbeit“, erklärt Barbara Höckmann, Vorsitzende des AWO-Präsidiums. „Wie unverzichtbar ein funktionierendes Gemeinwesen mit einer sozialen Infrastruktur für die Menschen ist, hat sich in der Coronakrise mit der Schließung sozialer und Bildungs-Einrichtungen im Lockdown nochmals besonders deutlich gezeigt.“ 

Die materiellen und psychosozialen Folgen der Corona-Pandemie seien gravierend, träfen arme Menschen besonders hart und verfestigten soziale Ungleichheit. Kinder und Jugendliche mit Hilfebedarf würden noch stärker als bisher von Bildung abgehängt, Teilhabe- und Verwirklichungschancen würden ihnen genommen. 

Soziale Infrastruktur allein könne ausreichende Transferleistungen nicht ersetzen. „Will man Armut dauerhaft beseitigen, sind eine bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze in Hartz IV und der Altersgrundsicherung, die Einführung einer Kindergrundsicherung sowie Reformen von Arbeitslosen- und Rentenversicherung nötig“, betont Höckmann. 

Erforderlich sei eine verlässlich finanzierte und konzeptionell abgestimmte soziale Infrastruktur, die für alle Kinder und Jugendlichen Bildungs- und Teilhabechancen gewährleiste und Eltern in ihrer Sozialisationsaufgabe unterstütze. Es brauche einen gemeinsamen Kraftakt, einen ressortübergreifenden, ganzheitlichen Weg zur wirksamen Armutsbekämpfung in Sachsen-Anhalt und auf Bundesebene. 

Das AWO-Positionspapier 

Die AWO-ISS-Langzeitstudie von 1999 bis 2019 zeigt: Armut in der Kindheit kann das Leben von Menschen langfristig belasten. Die Studie zeigt aber auch: Armut in der Kindheit muss kein Lebensschicksal sein. Es gibt keinen Automatismus, der aus armen Kindern zwingend arme Erwachsene werden lässt, der Übergang ins junge Erwachsenenalter ist dabei ein Scheideweg. Er ist eine Chance, der Armut der Familie zu entwachsen. Wenn es an diesen sensiblen Übergangsphasen im Leben passende soziale Dienstleistungen und ein funktionierendes soziales Netz gibt, dann steigen die Chancen der Betroffenen, der Armut zu entkommen. 

Die AWO schlägt vor, dass im Sinne einer Gesamtstrategie alle Landkreise und kreisfreien Städte regional maßgeschneiderte Präventionsketten entwickeln, die durch eine Landeskoordination unterstützt und begleitet werden. Hier werden qualitativ hochwertige und armutssensible Angebote der Bildung, Betreuung, Erziehung, Begleitung und gesundheitlichen Versorgung verbunden und sinnvoll aufeinander abgestimmt. Gleichzeitig bedarf es bundesweit deutlich verbesserter Rahmenbedingungen in der Sozial-, Arbeits-, Wohnungs- und Familienpolitik.





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