Dieses Bild von der neuen Internetseite zeigt den Leucorea-Hof im Jahre 1644. Quelle: Matrikel der Universität, ULB Sachsen-Anhalt

Dieses Bild von der neuen Internetseite zeigt den Leucorea-Hof im Jahre 1644. Quelle: Matrikel der Universität, ULB Sachsen-Anhalt

17.02.2021

Neue Website: Nutzer können sich durch drei Jahrhunderte Leucorea schmökern

Alte Wittenberger Universität online zum Leben erweckt

Wittenberg (wg). Das Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (HoF) hat die Website www.uni-wittenberg.de online geschaltet. Damit ist die Wittenberger Universität Leucorea erstmals im Internet präsent und das in einer exzellenten Informationsfülle und –qualität. 

Seit es das Internet gibt, hat jede Institution, die etwas auf sich hält, eine eigene Website. Wer keine hat, existiert in der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung im Grunde nicht – bzw. hat nicht existiert. Die Universität Wittenberg gibt es seit 1817 nicht mehr, und folglich gab es sie bisher virtuell nicht. Das marginalisierte sie, trotz ihrer historischen Bedeutung, im kulturellen Gedächtnis. Um dem abzuhelfen, wurde die Leucorea nun online gebracht. 

Die Wittenberger Universität Leurorea war 1502 gegründet und 1817 qua Vereinigung mit der Universität Halle (gegründet 1694) aufgehoben worden. In den Jahren ihrer Existenz hatte sie ein bewegtes Leben absolviert. Im 16. Jahrhundert war die Leucorea zeitweise die am meisten frequentierte deutsche Universität, und im 17. und 18. Jahrhundert durchlebte sie Erfolgs- wie Abschwungphasen. 

Um die Jahrhundertwende 1800 befand sie sich wieder auf einem Weg der inneren und äußeren Konsolidierung. Infolge der napoleonischen Besetzung Wittenbergs stellte die Universität ihren Betrieb 1813 faktisch ein. Die Vereinigung mit Halle 1817 ließ die Leucorea dann zu einem Teil des sogenannten großen Universitätssterbens um 1800 werden: 15 der 42 deutschen Universitäten sind zwischen 1792 und 1818 untergegangen. 

Die Website ist ähnlich aufgebaut, wie es die Online-Präsenzen heute bestehender Universitäten sind. Es wird mithin die Situation simuliert, als hätte es 1817 bereits das Internet gegeben. Dabei kann nun aber auf die inzwischen reichhaltigen Bemühungen zurückgegriffen werden, historische Quellen und historiografische Literatur digital verfügbar zu machen: Für diese, soweit sie die Leucorea betreffen, ist die Website als Knotenpunkt konzipiert, der zu den digitalisierten Beständen hinführt. 

Insgesamt führt die Website zu über 850 Volltextdateien: digitalisierten Originalquellen, Forschungsliteratur und populären Darstellungen. Anhand dieser können die 300 Jahre Universitätsentwicklung vertieft werden - und zudem die reichlich 200 Jahre nach der Universität: präsentiert wird auch, was nach 1817 im Bereich von Wissenschaft und Höherer Bildung in Wittenberg stattgefunden hat und heute dort stattfindet. Auch zu 37 Einzelbeständen in Archiven – diese häufig bereits gleichfalls digitalisiert – wird verlinkt. 

Auf der Eingangsseite begrüßt ein laufender Newsfeed die Userin und den User. Gekoppelt an den jeweils aktuellen Monat werden so Daten und Ereignisse aus der Universitätsgeschichte erinnert. Eine Zeittafel fasst die zentralen Ereignisse von 1502 bis 1817 zusammen. Mehrere Gesamtdarstellungen zur Universitätsgeschichte werden bereitgestellt, ebenso die komplette Wittenberger Matrikel als Digitalisate des Originals und einer Veröffentlichung. 

Dokumente und Forschungsliteratur zur Universitätsgeschichte finden sich nachgewiesen, auch diese zum großen Teil volltextdigitalisiert. Zu den vier Fakultäten – Artistische/Philosophische, Theologische, Juristische und Medizinische – werden jeweils bedeutende Hochschullehrer mit ihren Hauptwerken vorgestellt und ein Überblick zur Forschungsliteratur gegeben. Erstmals erarbeitet wurde für die Website eine umfassende Darstellung zur Überlieferungssituation der Wittenberger Quellen und Universitätsbibliotheksbestände. 

Mit der Website wurde der Wittenberger Universität nunmehr ein Online-Nachleben organisiert, das typische Informationen über eine Universität, Web-Ressourcen und eigens erstellte Digitalisate bündelt. So konnte mit einiger Verspätung dem misslichen Umstand abgeholfen werden, dass die Leucorea aus der Perspektive des Internetzeitalters 180 Jahre zu früh aufgehoben worden war. 

Das HoF 

Die Ansiedlung des Instituts in Wittenberg erfolgte 1996 als gemeinsame Initiative von Land und Bund und war Teil der Bemühungen um die Neubelebung des historischen Universitätsstandorts. Das HoF ist in den Räumen der Stiftung Leucorea ansässig, die 1994 in Anknüpfung an die historische Leucorea gegründet worden war. 

Es knüpfte an die Vorgängereinrichtung „Projektgruppe Hochschulforschung Berlin-Karlshorst“ an, die seit 1991 die ostdeutsche Hochschultransformation wissenschaftlich begleitet hatte. Als An-Institut ist das HoF der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg assoziiert und dort mit dem Institut für Soziologie verbunden, Direktor des Instituts ist Prof. Dr. Peer Pasternack. In den ostdeutschen Bundesländern ist HoF das einzige Institut, das systematisch und thematisch breit angelegt Forschung über Hochschulen betreibt. 

Hinweis 

Mit der Website https://www.uni-wittenberg.de hat die Wittenberger Universität Leucorea eine Online-Präsenz von solcher Informationsfülle – und –qualität, wie sie hinsichtlich der jeweiligen Institutionengeschichte keine andere frühere oder heute existierende deutsche Universität besitzt. Auf der Website können auch Publikationen des HoF über die Wissenschafts- und Bildungsgeschichte seines Sitzortes nachgelesen werden.





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