26.01.2021

Wittenberger Sonntag liest die Allgemeine Zeitung Mainz

Corona und Entwicklungspolitik: Arm, ärmer...

Mainz (ots) Natürlich weiß man das seit Beginn der Pandemie: Corona trifft die Ärmsten am härtesten. Dennoch ist es ein großes Verdienst, wenn nun die Entwicklungsorganisation Oxfam einmal mehr darauf hinweist. Denn eines sollte in der großen Krise keineswegs verloren gehen: die Empathie für all jene, denen es schlecht geht. 

Viele Erfolge in der weltweiten Armutsbekämpfung werden von Corona zunichtegemacht. So war die Zahl der Menschen in extremer Armut seit Ende des vergangenen Jahrhunderts Jahr für Jahr gesunken - um insgesamt etwa eine halbe Milliarde. Jetzt aber steigt sie wieder an. Und da ist noch nicht die Rede von Bildungschancen oder auch nur vom Hunger der Allerärmsten. 

Währenddessen, so rechnet Oxfam vor, ist das Vermögen der zehn reichsten Menschen seit 2019 um fast eine halbe Billion US-Dollar gestiegen. Gerecht ist das natürlich nicht. Aber da es dagegen kein Patentrezept gibt, führt die Entwicklung zunächst vor allem zu zwei Schlussfolgerungen. Erstens: Alle armen Länder müssen auf günstigem Weg Impfstoffe erhalten, auf dass auch sie sich erholen können. Zweitens: Programme zur Armutsbekämpfung dürfen nicht etwa mit Blick auf die Corona-Kosten eingefroren oder gar gekürzt werden - sie gehören gestärkt. 

Gleichzeitig mahnt die Entwicklung aber auch zum Blick nach innen, ins eigene Land. Wer soll denn nun hier die Kosten der Krise zahlen? Der Ruf nach einer Vermögensabgabe wird noch lauter werden, und die Jüngeren stellen ohnehin bereits Gerechtigkeitsfragen. 

Klar ist: Wer die Corona-Kosten einfach durch Nichtstun an kommende Generationen weiterreicht, bastelt schon an der nächsten Krise.




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