Landrat Jürgen Dannenberg (Linke): „Vom Verhalten aller Bürgerinnen und Bürger hängt es ab, ob wir die Corona-Pandemie bewältigen werden.“ Foto: Wolfgang Marchewka/A

Landrat Jürgen Dannenberg (Linke): „Vom Verhalten aller Bürgerinnen und Bürger hängt es ab, ob wir die Corona-Pandemie bewältigen werden.“ Foto: Wolfgang Marchewka/A

15.01.2021

Jürgen Dannenberg: Die Corona-Pandemie gemeinsam bewältigen

Große Herausforderungen prägten die zweite Amtszeit des Landrates

Wittenberg (wg). Die Hochwasserkatastrophe 2013, die „Flüchtlingswelle“ 2015, das Reformationsjubiläum 2017, die verheerenden Waldbrände 2018 und nun die Corona-Pandemie: Die zweite Amtszeit von Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) wurde von Krisen und Herausforderungen geprägt, die „nur dank eines guten und eingespielten Teams in der Verwaltung zu bewältigen waren“, resümiert Dannenberg im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Seit Mitte März 2020 stellt die Corona-Pandemie die Kreisverwaltung vor der bislang größten Herausforderung: „Die Bekämpfung der Pandemie hat oberste Priorität, an erster Stelle steht dabei unser Gesundheitsamt, welches in seiner Arbeit vielfältige Unterstützung durch andere Verwaltungen, der Bundeswehr sowie dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfährt.“ Man habe vor Weihnachten die Eindämmungsverordnung des Landes durch eine eigene Allgemeinverfügung des Landkreises verschärft, weil wegen der hohen Infektionszahlen die Kliniken extrem belastet gewesen seien. 

 „Die Pandemie stellt alles in den Schatten, denn Naturkatastrophen sind zeitlich und örtlich begrenzt, das Corona-Virus wird uns aber noch längere Zeit in Atem halten“, warnt der Landrat. „Nur durch konsequente Einhaltung der AHA-Regeln und der Bereitschaft, sich impfen zu lassen, lässt sich diese Pandemie gemeinsam bewältigen.“ 

Entscheidend für die Fähigkeit zur Krisenbewältigung sei die erste Hochwasserkatastrophe in 2002 und die daraus gezogene Konsequenz gewesen: „Damals wurde damit begonnen, das Krisenmanagement in der Verwaltung stabsmäßig zu organisieren, das hat uns sowohl bei der Durchführung des Reformationsjubiläums als auch bei der Bewältigung aller anderen Herausforderungen geholfen.“ 

Dannenberg, dessen Amtszeit im Juni 2021 endet, denkt mit Dankbarkeit an den großen Abschlussgottesdienst in 2017 auf den Wittenberger Elbwiesen zurück: „Eine enorme logistische Herauforderung, 120.000 Besucher mussten gelenkt, der Einsatz von 3.000 Polizisten und 2.000 Hilfskräften gesteuert werden.“ Zu den Höhepunkten habe die von der Bundeswehr errichtete Faltschwimmbrücke gehört, die von 65.000 Menschen genutzt wurde. „Das Reformationsjubiläum ist friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen und hat bei vielen Menschen bleibende Erinnerungen geschaffen.“

Der Rückblick auf 14 Jahre Amtszeit falle trotz der Pandemie positiv aus: Als er 2007 als Landrat gewählt worden sei, habe der Verwaltungshaushalt knapp 50 Millionen Euro Schulden ausgewiesen. „Heute reden wir darüber, wie wir Rücklagen bilden und nutzen können, noch vor drei Jahren hätte sich dies niemand vorstellen können“, so Dannenberg, „unsere Verwaltung hat eine sehr solide Arbeit geleistet.“ Seit 2008 habe man die Kreisumlage stabil bei maximal 47 Millionen Euro gehalten und seit zwei Jahren verfüge der Landkreis Wittenberg als erster in Sachsen-Anhalt über einen genehmigten Haushalt. 

Viel Geld für die Schulen 

„Wir haben in den vergangenen Jahren rund 50 Millionen Euro in die Schulen investiert“, freut sich Dannenberg und nennt einige aktuelle Beispiele: Nach 18 Monaten Bauzeit habe man am 4. November 2020 die Schlüssel für die komplett sanierte Förderschule „Pestalozzi“ an Schulleiterin Gabriele Saage übergeben können, 7,6 Millionen Euro seien investiert worden. Ebenfalls übergeben worden sei Haus IV des Paul-Gerhardt-Gymnasiums in Gräfenhainichen, für 3,2 Millionen Euro sei ein moderner, barrierefreier Anbau entstanden und mit der Grundsteinlegung für Haus V könnten in 2021 alle Baumaßnahmen am Gymnasium abgeschlossen werden. 

Für den Ersatzneubau der Förderschule in Gräfenhainichen sei die Grundsteinlegung im Frühjahr 2021 geplant. In den Winterferien werde man den Umzug der Förderschule Holzdorf in den Neubau in Jessen organisieren und spätestens im Sommer des Jahres soll die Restaurierung und Sanierung des Hauses Melanchthon des Luther-Melanchthon-Gymnasiums abgeschlossen sein. In dem denkmalgeschützten Haus traten unerwartete Komplikationen auf wie in der Dachkonstruktion über der Aula, der Kreistag bewilligte deshalb überplanmäßige Mehrausgaben in Höhe von 2,09 Millionen Euro. 

Erfolgreicher Leader-Prozess 

„Mit Blick auf Quantität und Qualität gehört die Lokale Aktionsgruppe Wittenberger Land im europäischen Leader-Prozess zu den erfolgreichsten in Sachsen-Anhalt“, resümiert Dannenberg. In der Förderperiode 2014 bis 2020 habe die LAG mit sechs Millionen Euro das höchste Budget in insgesamt 25 Leader-Jahren einwerben können, Geld, welches in der schwierigen Corona-Situation heimischen Unternehmen zugute komme. Mehr als 60 Projekte hätten gefördert werden können. 

„Wegen der Pandemie wird die Förderperiode von 2020 auf 2022 verlängert“, berichtet Dannenberg, der als einziger Landrat in Sachsen-Anhalt Vorsitzender einer LAG ist. Das bedeute, dass es in 2021 noch einmal rund 300.000 Euro zusätzlich geben werde. „Wir wollen die Leader-Periode Mitte 2021 abschließen“, kündigt Dannenberg an, „wir müssen aber jetzt schon beraten, wie die neue Förderperiode gestaltet werden wird. Das Land favorisiert statt der bisherigen LAG’s juristische Personen wie Vereine.“ Dies sei aber wegen der Haftpflicht strittig, auch sei unklar, bei wem künftig das Leader-Management angesiedelt werde. Dazu werde es im ersten Quartal des Jahres ein Gespräch mit Landesfinanzminister Michael Richter geben.

2021 werde ein wichtiges Wahljahr: Am 6. Juni wird im Kreis Wittenberg ein neuer Landrat gewählt, parallel findet die Landtagswahl statt und am 26. September folgt die Bundestagswahl. Angesichts der Pandemie dürften viele Bürger von ihrem Recht auf Briefwahl Gebrauch machen. „Wahlen unter Pandemie-Bedingungen bedürfen einer noch umfangreicheren Planung als sonst“, sagt der Landrat und appelliert an die Bürger, sich als Wahlhelfer zur Verfügung zu stellen.





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