Landrat Jürgen Dannenberg (m.), Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann (l.) und Amtsarzt Dr. Michael Hable beim Pressegespräch zur Corona-Situation. Foto: Wolfgang Gorsboth

Landrat Jürgen Dannenberg (m.), Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann (l.) und Amtsarzt Dr. Michael Hable beim Pressegespräch zur Corona-Situation. Foto: Wolfgang Gorsboth

10.01.2021

Landrat Dannenberg appelliert an die Bürger, sich an die Regeln zu halten

Corona-Situation im Kreis: Infektionszahlen sind viel zu hoch

Wittenberg (wg). „Wir sind hart an der Grenze dessen, was wir als Verwaltung noch beherrschen können“, beschreibt Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) die Lage. Aktuell seien 63 Personen (+12) an bzw. mit Corona verstorben, in den vergangenen beiden Tagen habe man 262 Neuinfizierte registriert und die Sieben-Tage-Inzidenz läge bei 334 Fällen.

„Der gesamte Landkreis ist betroffen, in einigen Pflegeheimen ist die Lage außer Kontrolle“, erklärt Dannenberg, „am Montag tritt eine neue Allgemeinverfügung des Landkreises in Kraft und ebenfalls am Montag werden wir mit den Bürgermeistern der neun Städte beraten, wie der 15-Kilometer-Radius per zusätzlicher Rechtsverordnung umzusetzen ist, denn das Land überlässt diese Regelung den Landkreisen.“ 

Ziel der Radiusbegrenzung sei es, die Reichweite von Bewegungen und damit die Anzahl von Kontakten zu minimieren, diese gelten als Hauptursache für die hohen Infektionszahlen. Die Rechtsverordnung soll am Dienstag in Kraft gesetzt werden. „Wenn auch diese neuen Maßnahmen keinen Erfolg haben werden, dann droht die Ausgangssperre an 24 Stunden und sieben Tagen in der Woche“, warnt der Landrat und appelliert: „Die Bewegungsfreiheit, die persönliche Gesundheit und die Frage, wann Kinder und Jugendliche wieder in Kita und Schule dürfen, hängt davon ab, ob wir uns alle diszipliniert an die Regeln halten!“ 

Dass das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Homepage geringere Zahlen für den Kreis angebe, läge daran, dass aufgrund von Kapazitätsgrenzen in der Rückverfolgung der Infektionsketten die Kreisverwaltung nicht mehr alle Fälle dem RKI zeitnah melden könne. Deshalb werde man zusätzliches Personal einstellen bzw. einarbeiten – Kollegen von der Bundeswehr, von Landesbehörden und den kreisangehörigen Städten. Die Mitarbeiter des Rechnungsprüfungsamtes würden ins Home-Office geschickt, die freien Arbeitsplätze diesen Kollegen bereit gestellt. 

Angesichts von 550 Impfdosen, die pro Woche dem Landkreis Wittenberg zur Verfügung stehen, verläuft das Impftempo derzeit sehr schleppend, dennoch ist Amtsarzt Dr. Michael Hable optimistisch, dass bis Jahresende 70 Prozent der Kreisbevölkerung geimpft sein werden und damit eine Herdenimmunität gegen das Corona-Virus besteht. 

Durchgeimpft wurden bislang die drei Kliniken im Landkreis, ebenfalls vorrangig geimpft wurden und werden die Altenpflegeheime sowie die Bereiche der ambulanten Pflege: Mehr als 50 Prozent aller Corona-Infektionen werden dort registriert, allein in den Heimen im Landkreis leben 1.600 Bewohner, die von rund 1.000 Mitarbeitern betreut werden. Das Paul-Gerhardt-Stift ist laut Amtsarzt Dr. Hable an seine Kapazitätsgrenzen angelangt, 16 an Covid-19 erkrankte Patienten mussten in die Klinik eingeliefert werden, will die medizinische Behandlung zu Hause nicht mehr gewährleistet werden konnte. 

Neue Verfügung 

Die Allgemeinverfügung des Landkreises vom 15. Dezember 2020 wird aufgehoben und durch eine neue ersetzt, die am Montag, dem 11. Januar 2021, in Kraft tritt und bis zum 31. Januar gilt. Sie kann auf der Homepage des Landkreises im vollen Wortlaut nachgelesen werden. Wichtigste Neuerungen sind die Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre und die behutsame Lockerung der Pflicht, überall einen Mund-Nasenschutz zu tragen. 

So muss auch künftig eine Mund-Nasenbedeckung in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxen, vor den Eingangsbereichen von Groß- und Einzelhandelsgeschäften, Parkplätzen und Parkhäusern, allen öffentlich zugänglichen Räumen mit öffentlichen Publikumsverkehr, vor und in Kirchen, an Haltestellen und Bahnhöfen getragen werden – kurzum, überall dort, wo Menschen zusammentreffen. Ausdrücklich gilt die Maskenpflicht bei versammlungsrechtlichen Veranstaltungen wie Kundgebungen. 

In der neuen Allgemeinverfügung werden die Anordnungen zu Quarantänemaßnahmen dargelegt, ebenso die Regelungen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, für Intensivpflegegruppen, für Altenheime und Seniorenresidenzen. Weiterhin untersagt bleibt der Trainingsbetrieb des organisierten Sports von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren, Jugendklubs bleiben geschlossen. 

Impfzentrum

Das Impfzentrum des Landkreises in der Turnhalle am Berufsschulzentrum nimmt am 18. Januar seinen Betrieb auf, Ziel ist es, in der ersten Phase 30 bis 50 Personen pro Tag zu impfen. „Uns stehen derzeit nicht mehr Impfdosen zur Verfügung, da weiterhin vorrangig im Bereich der (Alten-)Pflege geimpft werden muss“, erläutert Amtsarzt Hable. Niedergelassene Hausärzte aus dem Landkreis sowie Bundeswehrsoldaten werden das Team des Impfzentrums unterstützen. 

Impftermine werden ausschließlich über die zentrale Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 116 117 oder unter www.impfterminservice.de vergeben. Die KV hat zugesichert, in den nächsten Tagen die personellen Kapazitäten für Terminvereinbarungen angemessen zu erhöhen.





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