Amtsarzt Dr. Michael Hable rät zur Impfung. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

Amtsarzt Dr. Michael Hable rät zur Impfung. Foto: Wolfgang Marchewka/Archiv

30.12.2020

Neues Verfahren ist sicher und hoch wirksam

Dr. Hable: Corona-Impfstoff wurde solide klinisch geprüft

Wittenberg (wg). Der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-amerikanischen Partners Pfizer ist seit dem 27. Dezember 2020 im Einsatz, im Netz kursieren Mythen und Gerüchte über die „Gefährlichkeit“ der erstmals zum Einsatz kommenden Technologie – der messengerRNA, die auch das US-Pharmaunternehmen Moderna entwickelt hat. 

„Bislang wurde noch kein Impfstoff dieser Art für den Menschen zugelassen“, erklärt Amtsarzt Dr. Michael Hable im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Im Unterschied zu herkömmlichen Impfstoffen enthalte er keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren, sondern nur die „Bauanleitung“ für ein Eiweiß der Virusoberfläche des Covid-19-Erregers. Diese „Bauanleitung“ besteht aus dem Molekül der mRNA, auf deren Grundlage die Körperzellen das Virusprotein herstellen, gegen welches der menschliche Körper dann seine Immunantwort entwickelt. 

„Bei einem späteren Kontakt mit dem Virus erkennt das Immunsystem das Protein wieder und kann den Erreger schnell bekämpfen“, erläutert Dr. Hable den Wirkmechanismus. „Die mRNA verändert unser Genom nicht und sie kann auch keine Covid-19-Infektion auslösen.“ Die sich nach einer Impfung möglicherweise einstellenden Symptome wie Müdigkeit, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Fieber seien bei jedem Impfstoff normal und ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem reagiere. 

Zwar handele es sich um eine neue Impftechnologie, doch diese sei solide klinisch geprüft worden – und zudem nicht so ganz neu: Biontech forscht seit mehr als zehn Jahren an diesem Verfahren, um einen Impfstoff gegen Krebs zu entwickeln und auch bei der Suche nach Impfstoffen gegen Mers, Zika und Tollwut wird das Verfahren seit langem erprobt. 

„Auch wer bereits im Frühjahr an Covid-19 erkrankt ist, sollte sich impfen lassen“, rät Dr. Hable, „wir verzeichnen derzeit eine Reihe von Zweitinfektionen, niemand weiß, wie lange der Schutz anhält.“ Auch das in den „sozialen“ Netzwerken kursierende „Argument“, eine Impfung sei nicht notwendig, weil die meisten Erkrankungen symptomarm verliefen und sich Betroffene schnell erholten, lässt der Amtsarzt nicht gelten: „Im Landkreis sind bislang 50 Personen an bzw. mit einer Covid-19-Infektion gestorben, knapp 1.000 sind aktuell erkrankt. Da die Krankheit auch Lunge, Herz und Gehirn schädigen kann, verursacht sie langfristig erhebliche Gesundheitsprobleme.“ Nur wer sich impfen lasse, schütze die Menschen in seinem Umfeld – gerade auch die, die wegen einer Allergie nicht geimpft werden könnten. 

Trotz Impfung AHA-Regeln einhalten 

Wer geimpft sei, müsse auch danach die Aha-Regeln einhalten, denn nach der ersten Injektion dauere es sieben bis zehn Tagen, bis der Körper beginne, Antikörper zu entwickeln und nach drei Wochen erfolge die zweite Injektion. „Es ist derzeit unklar, ob Geimpfte zwar nicht erkranken, aber trotzdem das Virus weitergeben können“, so Dr. Hable, „auch deshalb müssen die Aha-Regeln eingehalten werden.“ Um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, müssten mindestens 70 Prozent der Bevölkerung geimpft worden sein, und das werde viel Zeit in Anspruch nehmen. 

Der Amtsarzt geht davon aus, dass der bis zum 10. Januar 2021 geltende Lockdown verlängert werden müsse, da die Sieben-Tages-Inzidenz (in Wittenberg aktuell 201,7) zu hoch sei. Erst wenn diese deutlich unter 50 pro 100.000 Einwohnern liege, könne man über Lockerungen nachdenken. „Wir kommen sonst bei der Kontaktermittlung und der Nachverfolgung der Infektionsketten nicht hinterher“, warnt Dr. Hable. 

Silvester gilt Versammlungsverbot 

Für Silvester und Neujahr gilt ein Versammlungsverbot, außerdem eine Ausgangssperre ab 21 Uhr sowie ein Verbot für öffentliche Feuerwerke. Der Amtsarzt appelliert an alle Wittenbergerinnen und Wittenberger, sich an die Regeln zu halten und im privaten Bereich nur im kleinsten Kreis zu feiern.

Impfzentrum 

Im Impfzentrum in der Turnhalle des Berufschulzentrums im Lindenfeld sind inzwischen die Tiefkühlanlage für den Impfstoff sowie die IT-Ausstattung eingetroffen und installiert worden. Mit dem Impfservice wird begonnen, sobald ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, dann können Termine unter der zentralen Hotline 116 117 vereinbart werden. Anfang Januar wird es einen Probelauf geben und von Januar bis vorerst März werden acht Bundeswehrsoldaten das Team im Impfzentrum unterstützen. 

Bis jetzt wurden durch die beiden mobilen Impf-Teams 280 Impfungen im Senioren- und Pflegezentrum „Am Lerchenberg“, 200 im Paul-Gerhardt-Stift und 50 in der Herzklinik Coswig vorgenommen.




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