Amtstierarzt Dr. Thomas Moeller, Fachdienstleiter Veterinärwesen in der Wittenberger Kreisverwaltung. Foto: Wolfgang Gorsboth

Amtstierarzt Dr. Thomas Moeller, Fachdienstleiter Veterinärwesen in der Wittenberger Kreisverwaltung. Foto: Wolfgang Gorsboth

10.12.2020

Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann: Wir müssen rechtzeitig gewappnet sein

Geflügelpest: Landkreis Wittenberg führt Stallpflicht ein

Wittenberg (wg). Die Geflügelpest verbreitet sich in Nord- und Ostdeutschland, bei einer Wildente in Torgau wurde das Influenza-A-Virus des Subtyps H5N8 festgestellt. „Wir müssen als Landkreis gewappnet sein und haben deshalb eine tierseuchenrechtliche Allgemeinverfügung zur Stallpflicht erarbeitet“, erklärt Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann (CDU) im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. 

Zugvögel verbreiten das Virus auf ihren Flug in den Süden, für den Menschen ist dieser Virus nicht gefährlich, für betroffene Vögel aber tödlich. Infizierte Geflügelbestände müssen getötet werden. Das Influenza-A-Virus vom Subtyp H5N8 wurde bei Wildvögeln vor allem in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. „Wir haben bis jetzt bundesweit elf Ausbrüche der Geflügelpest in Hausgeflügelbeständen und 345 Nachweise bei Wildvögeln“, berichtet Amtstierarzt Dr. Thomas Moeller. 

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Virus unter Wildvögeln verbreitet ist und in Hausgeflügelbestände eingeschleppt werde. Zwar sei noch kein Fall im Landkreis Wittenberg aufgetreten, man folge jedoch der aktualisierten Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das die Gefahr der Viruseinschleppung bundesweit als hoch einstufe. Eine Nachfrage beim zuständigen Fachministerium in Magdeburg habe ergeben, dass dort ein Erlass in Vorbereitung sei, dass jeder Landkreis eine Risikobewertung durchführen solle, dieser sei noch nicht veröffentlicht worden. 

„Wir haben bereits am 27. November eine Risikobewertung für den Landkreis durchgeführt und festgestellt, dass alle kreiseigenen Gemeinden von Wildvogel-Risikoarealen tangiert werden“, so Dr. Moeller. Als Risikoareale gelten Flüsse, Seen und Feuchtbiotope, Gebiete, in denen sich Wat- und Wasservögel sammeln. Mit der Stallpflicht für Geflügel soll verhindert werden, dass Wildvögel die Geflügelpest einschleppen, insbesondere Wildwasservögel könnten die Erreger übertragen, ohne selbst zu erkranken. 

„Allgemeinverfügungen zur Stallpflicht haben wir bereits in 2014 sowie 2016 und 2017 erlassen“, erinnert Tierarzt Dr. Moeller, „in solchen Situationen muss das Interesse einzelner Geflügelhalter gegenüber dem öffentlichen Interesse zurückstehen.“ Mit der Allgemeinverfügung wolle man keine Zeit mit langwierigen Widerspruchs- oder Klageverfahren verlieren, zwar könne gegen die Anordnung Widerspruch erhoben werden, sie habe aber keine aufschiebende Wirkung. 

Stallpflicht 

Wichtigster Punkt der Allgemeinverfügung ist die „Aufstallung des Geflügels“, besser bekannt als „Stallpflicht“. Ab Sonntag, dem 6. Dezember, dürfen Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse nur noch in geschlossenen Ställen oder unter einer adäquaten Schutzvorrichtung gehalten werden, die das Eindringen von Wildvögeln sowie Einträge verhindert. 

Geflügelausstellungen und Geflügelmärkte sind nur noch dann erlaubt, wenn die Veranstalter sicherstellen, dass die Vögel vorab klinisch tierärztlich untersucht wurden und die Veranstaltung in geschlossenen Räumen stattfinden. Die Anordnungen gelten bis auf Widerruf. 

Ausnahmen 

Von der Allgemeinverfügung ausgenommen sind in: 

* Wittenberg die Ortsteile Straach, Berkau, Grabo, Kerzendorf, Weddin, Boßdorf, Assau, Jahmo und Kropstädt; 

* Coswig die Ortsteile Ragösen, Krakau, Jeber-Bergfrieden, Stackelitz, Serno, Göritz und Senst; 

* Zahna-Elster die Ortschaften Rahnsdorf und Klebitz; 

* Jessen die Ortschaften Naundorf bei Seyda, Mellnitz, Mark Friedersdorf, Morxdorf, Mark Zwuschen, Glücksburg, Linda, Neuerstadt, Reicho und Buschkuhnsdorf; 

* Bad Schmiedeberg der Ortsteil Söllichau; 

* Stadt Kemberg die Ortschaft Mark Schmelz 

* Stadt Gräfenhainichen die Ortsteile Tornau inklusive Eisenhammer, Schköna und Hohenlubast. 

Was ist die Geflügelpest? 

Bei Vögeln kommen ganz eigene Virusstämme des Influenza-Virus Typ A wie aktuell H5N8 vor. Durch die auch als Vogelgrippe bezeichnete Geflügelpest sind vor allem Hühner und Puten, Fasane, Perlhühner, Wasservögel und Wildvögel betroffen, mit dem Virus können sich auch Greifvögel und Aasfresser wie Krähen infizieren. Befallene Vögel bekommen Fieber, Atembeschwerden und Durchfall, nach wenigen Tagen erkranken schlagartig fast alle Tiere einer Population und sterben innerhalb von Stunden bis Tagen. Der Virus wird von Vogel zu Vogel übertragen bzw. über Ausscheidungen der Vögel, deshalb die Stallpflicht. Bislang sind keine Übertragungen von H5N8 auf den Menschen bekannt.





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