Im Falle eines ASP-Ausbruchs ist der Kreis Wittenberg gut vorbereitet: Kernzonen können abgesperrt werden, hier gilt dann ein 60-tägiges Betretungsverbot für die Bevölkerung. Foto: AdobeStock

Im Falle eines ASP-Ausbruchs ist der Kreis Wittenberg gut vorbereitet: Kernzonen können abgesperrt werden, hier gilt dann ein 60-tägiges Betretungsverbot für die Bevölkerung. Foto: AdobeStock

10.12.2020

Eine Sachverständigengruppe berät den Landkreis Wittenberg

Vorbeugung gegen die Afrikanische Schweinepest

Wittenberg (wg). Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist seit September bei mehreren Wildschweinen in Brandenburg und jetzt auch bei einem in Sachsen amtlich nachgewiesen worden. „Das Infektionsgeschehen rückt näher an unseren Landkreis heran und wir müssen parallel zur Geflügelpest auch hier präventiv Maßnahmen ergreifen“, erläutert Vizelandrat Dr. Jörg Hartmann. In einem kleinen Team mit Landrat Jürgen Dannenberg und dem Tierarzt Dr. Thomas Moeller habe man sich über erste Maßnahmen verständigt. 

„Die ASP ist eine schwere Virusinfektion, an der ausschließlich Wild- und Hausschweine tödlich erkranken, für Menschen und andere Haustiere ist die ASP ungefährlich“, erklärt Dr. Moeller. Im September habe die Krankheit Deutschland erreicht, zunächst im Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg, Ende Oktober gab es den ersten Fall in Sachsen im Kreis Görlitz, Hausschweine sind bislang nicht betroffen. 

Eine Übertragung des Virus erfolgt von Tier zu Tier über Blut oder auch indirekt über kontaminierte Kleidung, Schuhe, Futtermittel oder Boden, eine Behandlung oder Impfung wie bei der Europäischen Schweinpest ist nicht möglich, letztere konnte durch Impfköder in Deutschland und vielen Nachbarländern ausgerottet werden. Infizierte Kadaver müssen geborgen und unschädlich beseitigt, die Liegestellen desinfiziert werden. 

„Durch umherziehende Wildschweine wird die ASP wohl nicht so schnell zu uns in den Kreis gelangen“, vermutet Dr. Moeller, „viel gefährlicher ist eine indirekte Übertragung durch Speisereste, die auf Parkplätzen oder an Raststätten offen entsorgt und dann von Wildschweinen gefressen werden.“ Reiseproviant mit Wurst sowie gekühltes Fleisch sind besonders gefährlich, da die ASP-Viren in diesen Produkten monatelang überleben können. „Bei uns im Landkreis haben wir erhebliche LKW-Verkehre mit Fahrzeugen aus Polen, Rumänien, dem Baltikum und anderen Ländern, in denen die ASP weit verbreitet ist“, warnt Moeller. 

Sollte die ASP im Landkreis ausbrechen, wird der Krisenstab einberufen, bis dahin berät die Sachverständigengruppe des regionalen Tierseuchen-Krisenzentrums, dem Jäger, Landwirte und Wildbiologen angehören, die Verwaltung, welche Maßnahmen zu ergreifen bzw. vorzubereiten sind, eine erste Zusammenkunft gab es Mitte Oktober. „Das Land Sachsen-Anhalt hat bereits Wildschweinzäune und Kadavercontainer beschafft, die Kapazitäten sind aber begrenzt“, so Dr. Moeller, „deshalb wird der Landkreis eigene Schutzzäune kaufen, um entsprechende Kernzonen, in denen infizierte Wildschweine gefunden wurden, abzugrenzen und zu sichern.“ Ebenso werden zwei Berge-Sets zur Fallwildbergung beschafft. 

Es gibt eine Videokonferenz des Landrates mit den neun Bürgermeistern der kreisangehörigen Städte, denn per Gesetz sind die Gemeinden zur Mitwirkung beim Aufbau der Zäune, der Ausschilderung mit Warnhinweisen sowie der Kontrolle des Nichtbetretens eingezäunter Areale verpflichtet. „Wenn es zum Ausbruch der ASP in unserem Landkreis kommt, kann die Kreisverwaltung, die bereits durch die Corona-Pandemie alle Ressourcen gebunden hat, den zusätzlichen Personalbedarf nicht stemmen“, berichtet Vizelandrat Hartmann. 

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat Beschlüsse gefasst, die die Bekämpfung der ASP unterstützen sollen: So erhalten Jäger ab dem 1. Januar 2021 für jedes erlegte Wildschwein eine Abschussprämie von 50 Euro und das Land finanziert die Untersuchung auf Trichine. „Per Kreistagsbeschluss übernehmen wir bereits seit diesem Jahr die Kosten und bekommen künftig das Geld vom Land erstattet“, sagt Hartmann. 

Die Untersuchung des Fallwildes ist für das ASP-Monitoring von besonderer Bedeutung, um einen möglichen Eintrag der Tierseuche frühzeitig zu entdecken. „Wir dürfen der Seuche keine Gelegenheit zur Ausbreitung geben“, betont Hartmann, „denn die wirtschaftlichen Folgen für unsere Landwirte und fleischverarbeitenden Betriebe wären fatal.“ Unter anderem drohen Handelsbeschränkungen für Schweinefleisch. 

Hintergrund 

 Die ASP ist eine anzeige- und damit bekämpfungspflichtige Tierseuche. Das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, stuft das Risiko des Eintrags des Virus nach Deutschland durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen als hoch ein. Vor allem über in die Umgebung entsorgte Lebensmittelreste können sich Wildschweine infizieren.





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