Christoph Maier, Direktor der Evangelischen Akademie, setzt in Corona-Zeiten verstärkt auf digitale Angebote. Foto: Wolfgang Gorsboth

Christoph Maier, Direktor der Evangelischen Akademie, setzt in Corona-Zeiten verstärkt auf digitale Angebote. Foto: Wolfgang Gorsboth

24.11.2020

Akademie-Direktor Christoph Maier: „Wir haben uns weiterentwickelt."

Evangelische Akademie: Verstärkt digital und multimedial agieren

Wittenberg (wg). „Aufgrund der Corona-Pandemie setzen wir verstärkt auf digitale Formate“, erklärt Christoph Maier, Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Mit der digitalen Arbeitsweise könne man schneller und flexibler reagieren und erreiche einen größeren Teilnehmerkreis. Derzeit experimentiere man, wie die klassische Tagungsatmosphäre mit dem von den Teilnehmern wertgeschätzten persönlichen Gedankenaustausch in die digitale Welt übertragen werden könne. 

„Als Akademie unterliegen wir auch nach der Verschärfung der Corona-Bestimmungen in Sachsen-Anhalt keinen Einschränkungen bei Bildungsveranstaltungen“, betont Maier. „Aber wir tragen eine Verantwortung für die Sicherheit der Teilnehmer und der Mitarbeiter und wir wollen ein gesellschaftliches Zeichen setzen, dass in diesen schwierigen Zeiten nicht alles sein muss.“ 

Man habe sogar über einen selbstverordneten Lockdown nachgedacht, diese Idee aber wieder verworfen, denn die Netzwerk- und Projektarbeit, in die viele Akteure aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft und Wissenschaft eingebunden seien, müsse weitergehen. Man habe aber den Veranstaltungsplan ausgedünnt: Das beliebte Studiokino werde man aus Solidarität solange nicht anbieten, wie auch die kommerziellen Kinos zur Schließung gezwungen seien. Bei analogen Tagungen, Seminaren und Vorträgen reduziere man die Dauer und die Zahl der Teilnehmer, die jährlichen Luther-Studientage rund um den Reformationstag habe man komplett abgesagt. 

„Durch die Anpassung an die Corona-Zwänge waren wir gezwungen, zu experimentieren und uns selber weiterzubilden“, resümiert der Akademie-Direktor, „im Ergebnis haben wir uns bei den digitalen Formaten sowohl technisch als auch im Know-how so gut entwickelt, dass wir auch in Post-Corona-Zeiten hybrid und multimedial arbeiten werden, weil es sich bewährt hat.“ Technisch werde man weiter aufrüsten und zum Jahrswechsel eine neue Software einführen, außerdem im Januar 2021 eine neu gestaltete Homepage ins Netz stellen. 

„Interessierte Laien und das Fachpublikum haben auf unsere Online-Angebote positiv reagiert, wir wollen künftig aber auch ein Publikum erreichen, welches digitale Berührungsängste hat“, so Maier. Besonders bewährt habe sich der Einsatz digitaler Medien im von Miriam Meir geleiteten Projekt „Konfis und die Eine Welt“: Da könne ein Referent aus einem afrikanischen Land per Internet zugeschaltet werden und so für internationalen Input sorgen, bei einer anlogen Veranstaltung würde dies allein an den Kosten scheitern.

Studienleiter Tobias Thiel hat das digitale Computerspiel Minecraft zu einem Tool für die jugendpolitische Bildungsarbeit weiter entwickelt, außerdem in Reaktion auf den Lockdown der Schulen mit Kooperationspartnern einen Minest-Corona-Bildungsserver konzipiert: E-Learning als normaler Bestandteil des Schulalltags. 

Antisemitismus 

 „Uns war wichtig, das Pogromgedenken am 9. November am Mahnmal der Stadtkirche zur Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der Juden trotz Corona und unter strikter Einhaltung der AHA-Regeln durchzuführen“, betont Maier. Es könne nicht sein, dass man auf diese Gedenkveranstaltungen verzichte und sich gleichzeitig Rechtsextreme und Verschwörungsideologen ganz offiziell zu Demonstrationen gegen die vermeintliche Corona-Diktatur maskenfrei und ohne Abstand versammelten – in Dresden sogar am 9. November. 

Das Gedenken an die Pogromnacht 1938, dem Auftakt der systematischen Vernichtung des europäischen Judentums, sei eine historische Pflicht. Antisemitismus werde auch ein Schwerpunkthema im neuen Halbjahresprogramm 2021 sein. 

Nicht nur Wittenbergs Stadtkirche verfügt über eine „Judensau“, auch an der Stadtkirche in Calbe sorgt eine solche Chimäre aus dem Mittelalter für erregte Diskussionen: Diese werden in einem über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ finanzierten Projekt „Vom Schandmal zum Denkmal – eine Region beschäftigt sich mit Antisemitismus und Antijudaismus“ von der Evangelischen Akademie und der Partnerschaft für Demokratie begleitet. Nach der Sanierung der „Judensau“ wurde diese wieder an den ursprünglichen Ort an der Kirche angebracht, sie ist aktuell aber von einem Tuch umhüllt. „Wir wollen einen Kompromiss finden, der von allen getragen werden kann“, erklärt Maier, geplant seien auch Projekte mit Schülern zum Thema. 

Hinweis 

Wer an Online-Angeboten der Akademie teilnehmen möchte, meldet sich per Mail oder unter der Internetadresse an und bekommt dann einen Link zugesendet. „Wir arbeiten mit Zoom“, berichtet Maier, „dabei nutzen wir eine Lizenz, die speziell für unsere Zwecke geeignet ist und ausschließlich über deutsche Server läuft.“ Die Akademie verstehe sich als geschützter Diskursraum, deshalb müsse der Datenschutz gewährleistet sein.





Videos Stimmen aus der Region

Oberbürgermeister Zugehör

Videos Kultur

Schlosskirche Wittenberg Sarah Herzer an der Orgel
Schlosskirche
Alaris Schmetterlingspark
Kommunaler Bildungsbericht im Kreistag vorgestellt
Kreistag beschließt mehr Geld für die Sporthalle im Volkspark


FIW mbH & Co. KG, Wittenberger Sonntag/Freizeit Magazin, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: