24.11.2020

Wittenberger Sonntag liest die Mittelbayerische Zeitung

Ein bitterer Corona-Dezember

Regensburg (ots) Wer zu Beginn des jetzigen "kleinen" Lockdowns Anfang November - mit geschlossenen Wirtshäusern, Restaurants, Fitnessstudios, menschenleeren Zuschauertribünen in der Bundesliga, Maskenpflicht vielerorts - auf etwas mehr Normalität gehofft hatte, wird enttäuscht werden. Weil die Zahlen der Corona-Infektionen zwar nicht mehr explodieren, aber auf einem dramatisch hohen Niveau verharren, steht dem Land ein trister Dezember bevor. Kontakte, die doch so enorm wichtig für unsere soziale Befindlichkeit, für unsere Seele sind, sollen weiter eingeschränkt werden. Das ist bitter, kostet Kraft und Entsagung - und womöglich kostet es gar die Existenz von besonders betroffenen Unternehmen.

Die deutsche Corona-Krisen-Regierung aus Kanzlerin und den 16 Regierungschefs der Länder muss vor diesem Hintergrund verdammt aufpassen, dass sie auf dem schmalen Grat von notwendigen Einschränkungen einerseits und unabdingbaren Freiheiten andererseits nicht abstürzt. Ein solches Maß an Beschneidung von Freiheiten, wie derzeit in der Corona-Pandemie flott verfügt, hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Angela Merkel und die anderen Teilnehmer an den Videokonferenzen sollten viel überzeugender und anschaulicher erklären, warum sie die für Mittwoch avisierten Verschärfungen für notwendig halten. Dünnlippige Erklärungen, nach dazu im Fachchinesisch, wie oft nach solchen Spitzentreffen zu hören, sind jedenfalls nicht überzeugend. Und völlig alternativlos sind die jetzigen Maßnahmen auch nicht.

Wenigstens scheinen sich Kanzlerin und Länderchefs nun weitgehend einig zu sein, dass der Corona-bedingte Ausnahmezustand bis zum 20. Dezember verlängert wird. Beim vorherigen Treffen, das man sich eigentlich hätte sparen können, hatten die Länder das Verschärfungskonzept aus dem Kanzleramt noch in der Luft zerrissen. Es war im Vorfeld allerdings auch grottenschlecht kommuniziert worden. Nun, nachdem die Infektionszahlen keinerlei Lockerung hergeben, schwenken im Grunde alle auf Merkels Kurs ein. Anders ist allerdings, dass nun die Beschlussvorlage aus den Ländern selbst kommt, genauer aus der Senatskanzlei von Berlin, das der Länderkammer vorsitzt. Eine Pleite wie vorige Woche dürfte sich so nicht wiederholen. Immerhin etwas.

Zumindest an Weihnachten, so die Hoffnung von Merkel und Co., könnten die rigorosen Kontaktbeschränkungen etwas gelockert werden. Aber das ist einerseits Wunschdenken. Niemand wird durchzählen, wie viele Personen sich unter dem Weihnachtsbaum versammeln. Andererseits jedoch wird die Verantwortung für das weitere Infektionsgeschehen dorthin gegeben, wo sie hingehört: an die Bürger selbst. Familien, Eltern, Großelten müssen selbst abschätzen, ob sie heuer auf eine Feier im großen Kreis verzichten oder nicht. Einfach ist das nicht, oft sogar sehr traurig. Vielleicht jedoch wird das Wiedersehen im nächsten Jahr umso unbeschwerter, wenn der Pandemie durch Schutzimpfungen die Wucht genommen werden kann. Dass sich mittlerweile drei deutsche Unternehmen erfolgversprechend um eine Zulassung ihrer Impfstoffe bemühen, ist eine gute Nachricht.

Aber was ist mit Silvester, das für viele mit Feuerwerk, Geselligkeit und Trinken verbunden ist? Die Böllerei ganz zu verbieten, wie es SPD-Länder vorschlagen, geht an der Realität vorbei. Jedem, der glaubt, ohne Raketen und Fontänen nicht ins neue Jahr zu kommen, sollte es erlaubt bleiben. Allerdings in Maßen, mit Rücksicht auf andere. Ohne Feuerwehr, Notärzte und Krankenhäuser bemühen zu müssen. Die Kommunen haben es in der Hand, bestimmte Straßen und Plätze von der Knallerei auszunehmen. Und das sollten sie auch tun.





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