Die Region des Tourismusverbandes Welterbe-Region Anhalt-Dessau-Wittenberg bietet Erholung und Naturerlebnis wie hier am Saaledurchbruch. Foto: Tourismusverband

Die Region des Tourismusverbandes Welterbe-Region Anhalt-Dessau-Wittenberg bietet Erholung und Naturerlebnis wie hier am Saaledurchbruch. Foto: Tourismusverband

13.11.2020

Wohin geht die Reise? Sicherheit und heimische Destinationen haben Vorfahrt

Elke Witt: Corona-Pandemie verändert Reiseziele und Reiseverhalten

Wittenberg (wg). „Die Corona-Krise bedeutet für den Tourismus eine Zäsur, wie es sie vorher noch nie gegeben hat“, erklärt Elke Witt, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Welterbe-Region Anhalt-Dessau-Wittenberg, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Der erneute Lockdown im November treffe vor allem Hotellerie und Gastronomie hart, aber dass der Bund 75 Prozent der Umsatzausfälle kompensieren wolle, sei hilfreich - allerdings: „Jetzt hängt vieles vom Weihnachtsgeschäft ab, wenn das auch noch ausfällt, spitzt sich die Situation dramatisch zu“, warnt Witt. 

Auf die Corona-Krise hätten die im Verband organisierten Touristiker mit innovativen und kreativen Ideen reagiert, neue Angebote und Kampagnen auf die Beine gestellt. „Nach dem ersten Lockdown kamen verstärkt Individualtouristen und Familien, die Besucherstruktur hat sich verjüngt“, so Witt. Der Fahrrad-Tourismus habe extrem zugelegt. Die Sommersaison sei aus Sicht der regionalen Touristiker zufriedenstellend verlaufen, von der Welterbe-Card habe man sogar 500 mehr verkaufen können als im Bauhausjahr 2019. 

„Was fehlt, sind Reisegruppen und daran wird sich in absehbarer Zeit nicht viel ändern“, sagt Witt, „einige bereits vor der Krise erkennbare Trends haben sich durch die Corona-Pandemie massiv beschleunigt, was sich nicht verändert hat, ist die Reiselust der Deutschen, aber bei Reisezielen und im Reiseverhalten werden andere Prioritäten gesetzt.“ Die Mehrheit der Bundesbürger sei sich der Risiken des Reisens sehr bewusst: Sicherheit und Gesundheit nähmen einen hohen Stellenwert ein wie nie zuvor, denn bei aller Reiselust wolle sich niemand mit Corona infizieren. 

Nicht mehr „höher, weiter, schneller“ sei gefragt, sondern kurzer Urlaub mit kurzer Anreise. Die Nachfrage nach Fernreisen mit dem Flugzeug seien im wahrsten Wortsinn abgestürzt, der Anteil derer, die ihren Urlaub in Deutschland verbringen wollen, habe sich mehr als verdoppelt, davon profitiere auch die Region Anhalt-Dessau-Wittenberg. „Rund 80 Prozent der Urlauber setzen auf Aktivitäten in der Natur, um Abstandsregeln und weitere Hygienemaßnahmen einfacher umsetzen zu können“, erklärt die Tourismusfachfrau. 

Die Trends „Raus in die Natur“ und „Individualurlaub“ spiegelten sich wider in der gewachsenen Nachfrage nach Ferienhäusern und Campingplätzen. Im Biosphärenreservat Mittelelbe könnten Besucher Urlaub mit dem Planwagen machen, in den Naturparken Dübener Heide, Fläming und Unteres Saaletal würden unterschiedliche Themenwanderungen angeboten und neu sei der Trend zum Voluntourismus – der Verbindung von Freizeit und freiwilligem Engagement im Natur- und Umweltschutz: „Dazu sind neue, mehrtägige Angebote in Vorbereitung“, kündigt Witt an. 

Der Tourist setze verstärkt auf einen nachhaltigen und qualitätsvollen Urlaub, Massentourismus sei wegen der Pandemie out. Der Tourismusverband werde deshalb eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Welterbe-Region erarbeiten und umsetzen, zudem die touristischen Rad- und Wanderwege weiter ausbauen und deren Vermarktung verbessern. Speziell für kleine Gruppen, Radler und Wanderer werde man neue, personenbezogene Produkte abseits ausgetretener Pfade entwickeln mit einem „Corona-Check“ bezüglich Sicherheit, Nachhaltigkeit, Innovation, Flexibilität und Qualität. 

Das Marketing müsse noch kundenorientierter werden: „Wir werden die jeweils geltenden Corona-Regeln klar auf den Tourismus-Webseiten kommunizieren und beim Kunden Vertrauen schaffen, dass er in unserer Region Corona-sicher Urlaub machen kann“, berichtet Witt. Ist der Urlaub beendet, sollen Kundenbindungsprogramme dafür sorgen, dass der Gast wiederkommt und/oder die Destination weiterempfiehlt, zudem würden Bewertungsportale aufgebaut und aktiv betreut. 

„In den Bereichen Digitalisierung, Information und Vernetzung müssen wir noch professioneller und noch schneller werden“, betont die Geschäftsführerin. Alle Homepages des Tourismusverbandes würden relaunched, die Auftritte in den Social Media intensiviert und neue Blogger-Aktivitäten entwickelt. 

Auf die neue Kampagne „Sommerurlaub 2020? Welterbe am Wasser“ sei die Resonanz gut gewesen, sie werde in 2021 fortgesetzt und intensiviert: „Wir sprechen damit Menschen an, die Erholung suchen, die naturverbunden oder sportbegeistert sind, Individualreisende ebenso wie Familien.“ Sowohl Elbe, Saale und Mulde als auch die idyllisch gelegenen Bergbaufolgeseen wie der Muldestausee, der Gremminer See, der Gröberner See, der Bergwitzsee und der große Goitzschesee böten vielfältige Möglichkeiten, sich zu erholen und gleichzeitig aktiv zu werden. „,Welterbe am Wasser’ wird ein neues Hauptthema unseres Verbandes werden“, so Witt, „wir prüfen derzeit dazu eine engere Kooperation mit Leipzig.“ 

Umfrage in der Welterbe-Region 

„Wir haben unsere Mitglieder befragt, welche neuen Trends und Entwicklungen sie bei ihren Gästen sehen“, erklärt Witt. Ganz oben rangieren der Wunsch nach flexibleren Stornoregeln und kürzeren Vorbuchungsfristen, eine erhöhte Nachfrage nach Camping-, Wohnmobil- und Caravan-Tourismus sowie Urlaub in ländlichen Regionen mit naturorientierten Angeboten, ein höherer Informations- und Beratungsbedarf sowie die Notwendigkeit, neue Online-Erlebnis-Formate und digitale Angebote zu entwickeln. Viele der befragten Mitglieder rechnen damit, dass es auch künftig beim Besuch von Kultureinrichtungen und Veranstaltungen Einschränkungen geben wird. 

In der Region Anhalt-Dessau-Wittenberg ist die Zahl der Übernachtungen in Betrieben mit mehr als zehn Betten um 44 Prozent im ersten Halbjahr 2020 gesunken. Die Umsatzentwicklung im Beherbergungsgewerbe nahm im selben Zeitraum um 48,6 Prozent, im Gaststättengewerbe um 36,1 Prozent ab. Vor dem November-Lockdown schätzten 52 Prozent der befragten Mitglieder ein, dass sie bisher „ganz gut“ durch die Krise gekommen sind, 45 Prozent wissen noch nicht, wie sich ihre betriebswirtschaftliche Situation entwickeln wird und drei Prozent sehen sich in ihrer Existenz bedroht.




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